Während
UAE Team Emirates - XRG „absolut überzeugt“ ist, dass Tadej Pogacars Saison 2026 beendet ist, scheint man in seiner slowenischen Heimat die Hoffnung auf ein überraschendes Comeback bei der Straßen-EM noch nicht vollständig aufgegeben zu haben.
Nachdem Pogacars Name auf der erweiterten Meldeliste für die Titelkämpfe im kommenden Monat aufgetaucht war, hatten angesichts seiner schweren Verletzungen bei der Vuelta a Espana zunächst Verwunderung und Spekulationen eingesetzt. UAE Team Emirates - XRG reagierte umgehend und bezeichnete die Meldung als „wahrscheinlich eine alte Liste“. Gleichzeitig stellte die Mannschaft klar, dass es „keine Pläne gibt, in diesem Jahr noch weitere Rennen zu bestreiten“.
Slowenien hofft weiter auf Pogacar: „Diese Meisterschaft wurde auch mit Blick auf Tadej organisiert“
Aus Slowenien kommen allerdings weniger eindeutige Signale. „Wir wollen ihn alle. Diese Meisterschaft wurde auch mit Blick auf
Tadej Pogacar organisiert“, erklärte EM-Generalsekretär Tomaz Poljanec
gegenüber dem slowenischen Nachrichtenportal Siol . Die Vorbereitungen auf das größte Radsportereignis, das jemals in Slowenien ausgetragen wurde, befinden sich inzwischen in der entscheidenden Schlussphase.
Tadej Pogacar hatte sich nach seinem EM-Titel 2025 auf die Titelverteidigung vor heimischem Publikum gefreut. Trotz seines schweren Vuelta-Sturzes hoffen die slowenischen Organisatoren weiterhin auf einen Auftritt ihres Superstars bei der Heim-EM 2026.
Pogacar war bereits vor seinem schweren Vuelta-Sturz für die Titelkämpfe gemeldet worden und steht weiterhin auf der erweiterten Nominierungsliste. Aus diesem vorläufigen Aufgebot wird der slowenische Nationaltrainer Uros Murn schließlich acht Fahrer für das Straßenrennen der Elite-Männer auswählen.
Ob der amtierende Weltmeister tatsächlich zu diesen acht Fahrern gehören könnte, wollte Poljanec weder bestätigen noch grundsätzlich ausschließen. „Welche acht Fahrer letztlich dabei sein werden, entscheidet der Nationaltrainer. Natürlich würden wir alle Tadej gerne am Start sehen. Aber ich denke, wir sollten zunächst auf die Experten und Ärzte hören. Deshalb möchte ich darüber nicht spekulieren“, erklärte der EM-Generalsekretär.
„Ich denke, Tadej wird in Slowenien sein“ – welche Rolle könnte Pogacar übernehmen?
Pogacar hatte 2025 erstmals den Europameistertitel im Straßenrennen gewonnen und wollte sein Trikot ursprünglich im Oktober vor heimischem Publikum verteidigen. Das Straßenrennen der Elite-Männer findet am 4. Oktober statt und führt von Ljubljana nach Sencur. Auf dem anspruchsvollen Schlusskurs müssen die Fahrer den Anstieg zur Mozjanca mehrfach bewältigen.
Doch der schwere Sturz auf der achten Etappe der Vuelta a Espana machte Pogacars ursprünglicher Saisonplanung einen Strich durch die Rechnung. Der Slowene, der zum Zeitpunkt seines Unfalls das Rote Trikot des Gesamtführenden trug, erlitt einen verschobenen Bruch des linken Schlüsselbeins, eine stabile Fraktur des siebten Halswirbels (C7) sowie eine Gehirnerschütterung. Er musste die Spanien-Rundfahrt vorzeitig beenden und anschließend auch seine geplanten Starts bei der Radsport-WM, der Straßen-EM und Il Lombardia streichen.
UAE Team Emirates - XRG bestätigte daraufhin das vorzeitige Saisonende seines Kapitäns. Auch der renommierte Radsportjournalist Daniel Friebe berichtete nach Rücksprache mit Pogacars Umfeld, dass sowohl die Mannschaft als auch sein Manager „absolut überzeugt“ seien, dass es vor 2027 kein Comeback geben werde.
Die jüngsten Aussagen von Poljanec lassen dennoch eine entscheidende Frage offen: Sollte Pogacar tatsächlich zu den Titelkämpfen in seine Heimat reisen, welche Rolle könnte er dort übernehmen? „Diese Information habe ich noch nicht. Ich denke, Tadej wird in Slowenien sein, aber derzeit liegen uns noch keine vollständigen Informationen darüber vor, welche Rolle er einnehmen könnte“, erklärte Poljanec.
Denkbar wäre somit auch, dass Pogacar die Heim-EM lediglich als Zuschauer oder abseits des Renngeschehens begleitet. Die slowenischen Organisatoren wollen offenbar dennoch keine Möglichkeit vorschnell ausschließen, solange die medizinische Entwicklung des 27-Jährigen noch nicht abschließend beurteilt werden kann.
Heim-EM ohne Pogacar? Slowenien setzt auf seine weiteren Stars
Inzwischen hat Pogacar zwar wieder mit leichtem Training auf der Rolle begonnen, doch UAE Team Emirates - XRG stellte ausdrücklich klar, dass dies keineswegs als Vorbereitung auf eine baldige Rückkehr ins Renngeschehen zu verstehen sei. Für die Organisatoren der Straßen-EM geht es deshalb zunehmend darum, sich auf ein mögliches Rennen ohne den Fahrer einzustellen, der bei der Planung und der Vorfreude auf die Heim-Titelkämpfe eine zentrale Rolle gespielt hatte.
„Letztlich haben wir nicht nur Tadej. Natürlich ist seine Verletzung für uns persönlich ein Rückschlag, aber an der Organisation ändert sich dadurch nichts“, betonte Poljanec. „Die slowenischen Fahrer werden weiterhin in den Nationalfarben antreten. Wir haben mehrere andere ausgesprochen starke und konkurrenzfähige Radprofis. Ich denke, dass das Rennen trotzdem sehr interessant wird und wir erwarten können, dass unsere slowenischen Fahrer bis zur Ziellinie um das bestmögliche Ergebnis kämpfen.“
Mit Primoz Roglic, Matej Mohoric, Jakob Omrzel und Luka Mezgec stehen weitere prominente Namen auf der erweiterten slowenischen Meldeliste. Für Mezgec werden die Titelkämpfe vor heimischem Publikum dabei eine besondere Bedeutung haben: Der erfahrene Slowene wird im Rahmen der Heim-EM seine Profikarriere beenden.
Vorerst bleibt die Haltung von UAE Team Emirates - XRG unverändert. Ein tatsächliches Renncomeback Pogacars würde eine überraschende und kurzfristige Änderung der bisherigen Pläne voraussetzen. Doch weil die Straßen-EM teilweise mit Blick auf Sloweniens größten Radsportstar konzipiert wurde, sein Name weiterhin auf der erweiterten Meldeliste steht und sich die Organisatoren nicht über die Einschätzungen der behandelnden Ärzte und Spezialisten hinwegsetzen wollen, ist die Hoffnung auf einen Auftritt des Weltmeisters in seiner Heimat noch nicht vollständig erloschen.