Die Tour de France 2026 verspricht packende Duelle in allen Wertungen und Trikotkämpfen, allen voran um das prestigeträchtigste – das gepunktete Trikot des Bergkönigs.
Die Bergwertung geht an den Fahrer, der über die 21 Etappen hinweg auf klassifizierten Anstiegen die meisten Punkte sammelt. Zu den Favoriten zählen Richard Carapaz, Lenny Martinez, mehrere Gesamtwertungsanwärter und weitere ausgewiesene Kletterer, die in den kommenden drei Wochen aus Ausreißergruppen heraus punkten könnten.
Und wenn die Grande Boucle am 04.07. startet, peilen einige Teams zudem die Mannschaftswertung an – sie geht an die Equipe mit der niedrigsten addierten Zeit ihrer drei bestplatzierten Fahrer im Gesamtklassement. Wir blicken auf die Favoriten für das Bergtrikot und die Mannschaftswertung.
Favoriten für das Bergtrikot
Einer der Topanwärter auf den Sieg bei der Tour de France 2026 ist Richard Carapaz. Der Ecuadorianer, oft selbst ein Kandidat für die Gesamtwertung, hat angekündigt, in diesem Jahr offensiv für die Berge zu fahren. Im vergangenen Monat zeigte er sich bei der Baskenland-Rundfahrt als nächstbester Kletterer hinter Tadej Pogacar.
Ohne GC-Verpflichtungen ist Carapaz prädestiniert für Ausreißer und sollte einer der Stärksten sein, sobald die Straße bergauf führt – ähnlich wie 2024, als er die Wertung gewann.
Lenny Martinez verpasste das gepunktete Trikot im Vorjahr nur knapp und greift erneut an. Damals landete er hinter Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard, weil die Gesamtwertung in den Bergen massiv in die Punktevergabe hineinwirkte.
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um in der Rangliste mitzumachen.
Fahrer im erweiterten Kreis
Man darf den Elefanten im Raum nicht ignorieren – die Gesamtwertungsfahrer können bei ihren eigenen Duellen große Punktpakete einsammeln und sich damit automatisch an der Spitze der Rangliste wiederfinden.
Mit einer hinten heraus schweren Strecke und vielen harten Anstiegen früh in den Etappen sollten dennoch ausreichend Chancen für Ausreißer und Kletterspezialisten bestehen. Valentin Paret-Peintre ist einer davon.
Der Soudal-QuickStep-Profi gewann 2025 am Mont Ventoux und dürfte im Team die Freiheit erhalten, die Berge zu jagen. Ben O'Connor ist ein weiterer Fahrer, der in Ausreißergruppen erwartet wird und in den Kampf eingreifen könnte. Der Australier erlebte eine wechselhafte Giro d'Italia und könnte seine Topform für diesen Monat planen.
Thymen Arensman glänzte bei diesem Giro und peilt nun den nächsten großen Auftritt in Frankreich an. Der Niederländer gewann 2025 zwei schwere Bergetappen und weiß, dass die Gesamtwertung bei Netcompany INEOS nicht im Fokus steht – damit hat er freie Angriffsrolle.
Thymen Arensman at the 2026 Giro d'Italia
Geheimtipps und Außenseiter
Das Bergtrikot bleibt traditionell schwer vorherzusagen, weil es gleichermaßen von Ausreißern wie auch von der Gesamtwertung geprägt wird. Entsprechend groß ist das Feld der Punktesammler, die sich in Stellung bringen können.
George Bennett zeigte im Juni starke Form und dürfte bei NSN die Freiheit für Ausreißer haben. Ben Healy attackiert die Tour de France naturgemäß gerne, auch wenn er 2026 seine Topform noch nicht konstant gezeigt hat. Unkonventionell gedacht: Könnte Routinier Damiano Caruso sich für seine letzte Tour, nach der er Ende 2026 aufhört, noch einmal etwas Großes vornehmen?
Jai Hindley startet im Dienst von Remco Evenepoel und Florian Lipowitz, wird aber brandgefährlich, sobald er freie Fahrt zum Angriff erhält. Egan Bernal hat nach seinem kämpferischen Giro eine offensive Fahrweise für Frankreich angekündigt. Weitere Außenseiter sind Lennart Van Eetvelt, Ilan Van Wilder, Pablo Castrillo und Michael Storer.
Team Visma | Lease a Bike gewann 2025 die Mannschaftswertung mit über 24 Minuten Vorsprung und ist erneut der Topfavorit. Mit Jonas Vingegaard, Sepp Kuss, Davide Piganzoli und Matteo Jorgenson haben sie gleich mehrere Fahrer mit Potenzial für ein starkes Gesamtklassement.
Herausfordern könnten sie natürlich UAE Team Emirates - XRG und Red Bull - BORA Hansgrohe. Über drei Wochen kann jedoch viel passieren – Ausfälle und Verschiebungen im Gesamtklassement können die Wertung jederzeit durcheinanderwirbeln.
Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
Radsport ist für mich mehr als Leidenschaft. Er ist ein komplexer Leistungssport, der Kontext, Genauigkeit und Verantwortung verlangt – genau diesen Anspruch vertrete ich in unserer täglichen Berichterstattung.