Das französische ProTeam
TotalEnergies steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Nach dem angekündigten Ausstieg seines bisherigen Titelsponsors und dem Abgang zahlreicher Leistungsträger schien die Zukunft der traditionsreichen Mannschaft aus der Vendée lange ungewiss. Nun zeichnet sich jedoch eine Rettung ab: Neue Sponsoren sollen das Projekt langfristig absichern, während die Teamführung bereits an einem neuen Kader für die Saison 2027 arbeitet. Im Mittelpunkt der Transfergerüchte stehen mehrere erfahrene WorldTour-Fahrer, darunter der ehemalige Tour-de-France-Etappensieger
Dylan Teuns.
Noch vor wenigen Monaten wurde über ein mögliches Ende der französischen Mannschaft spekuliert. Auslöser war die Entscheidung von TotalEnergies, sein Engagement als Titelsponsor zu beenden und künftig Netcompany INEOS zu unterstützen. Für das bisherige ProTeam bedeutete dieser Schritt einen erheblichen finanziellen Einschnitt und eine schwierige Suche nach neuen Geldgebern. Inzwischen scheint sich die Situation allerdings deutlich verbessert zu haben.
Neuer Dreijahresvertrag mit Parus: Zukunft von TotalEnergies offenbar gesichert
Ein kürzlich vereinbarter Dreijahresvertrag mit dem Fahrradhersteller Parus sowie zusätzliche Abkommen mit weiteren Marken geben dem Team neue Hoffnung. Die Vereinbarungen deuten darauf hin, dass die Mannschaft nicht nur über die aktuelle Saison hinaus bestehen bleibt, sondern ihre Zukunft möglicherweise bereits für mehrere Jahre abgesichert hat.
Dylan Teuns gehört zu den möglichen Neuzugängen beim Nachfolgeprojekt von TotalEnergies. Der ehemalige Tour-de-France-Etappensieger könnte beim französischen ProTeam 2027 eine wichtige Führungsrolle übernehmen.
Unter welchem Namen das Team 2027 antreten wird und welche Unternehmen künftig als Sponsoren auftreten, ist bislang nicht offiziell bekannt. Dennoch laufen die Planungen für den sportlichen Neustart offenbar bereits auf Hochtouren.
Der Zeitpunkt der finanziellen Neuordnung kommt allerdings spät. Die lange Unsicherheit hat deutliche Spuren im Kader hinterlassen. Berichten zufolge sollen Fahrer unter Druck gesetzt worden sein, keine Verträge bei anderen Mannschaften zu unterschreiben. Andernfalls habe ihnen eine Nichtberücksichtigung für die Tour de France gedroht. Unabhängig von diesen Vorwürfen nutzten zahlreiche andere Teams die schwierige Situation, um Leistungsträger abzuwerben.
Bislang hat TotalEnergies noch keine einzige Neuverpflichtung für 2027 offiziell bestätigt. Gleichzeitig steht bereits eine lange Liste von Abgängen fest, die nahezu den gesamten bisherigen Führungskern betrifft.
Jegat zu LIDL-Trek, Turgis zu Astana: Zahlreiche Leistungsträger verlassen das Team
Zu den prominentesten Abgängen gehört Jordan Jegat. Der Franzose fuhr bei den beiden vergangenen Austragungen der Tour de France jeweils unter die besten Zehn der Gesamtwertung und wird seine Karriere künftig bei LIDL-Trek fortsetzen. Damit verliert TotalEnergies seinen wichtigsten Rundfahrer.
Auch Anthony Turgis, der 2024 eine Etappe der Tour de France gewann, verlässt die Mannschaft. Gemeinsam mit dem aufstrebenden Kletterer Nicolas Breuillard wechselt er zum XDS Astana Team.
Weitere Abgänge betreffen insbesondere die französische Konkurrenz. Alexandre Delettre, Emilien Jeanniere und Sandy Dujardin schließen sich Groupama - FDJ United an. Mathieu Burgeaudeau, Thomas Bonnet und Matteo Vercher wechseln zu Burgos Burpellet BH, während Pierre Thierry künftig für Cofidis fährt.
Hinzu kommen drei Fahrer, die ihre Profikarriere vollständig beenden: Geoffrey Bouchard, Fabien Grellier und Lorrenzo Manzin haben ihren Rücktritt bereits bekannt gegeben.
Damit steht TotalEnergies vor der Aufgabe, einen erheblichen Teil seines bisherigen Kaders zu ersetzen. Bei 15 Fahrern ist der künftige Arbeitgeber derzeit noch nicht offiziell bestätigt. Zu ihnen gehören Jason Tesson, Thibault Guernalec und Alexys Brunel, die im Falle eines Verbleibs wichtige Aufgaben im neu formierten Team übernehmen könnten.
Dylan Teuns als neuer Kapitän? TotalEnergies verhandelt mit WorldTour-Profis
Trotz der zahlreichen Abgänge gibt es inzwischen konkrete Hinweise auf mögliche Verstärkungen. Wie die belgische Zeitung
Het Laatste Nieuws berichtet, verhandelt die Mannschaft mit mehreren Fahrern aus der WorldTour.
Einer der prominentesten Namen ist Dylan Teuns. Der Belgier steht derzeit bei Cofidis unter Vertrag und bringt als ehemaliger Tour-de-France-Etappensieger sowie Gewinner von La Fleche Wallonne große Erfahrung bei anspruchsvollen Eintagesrennen mit.
Für Teuns könnte ein Wechsel zum französischen ProTeam die Chance bedeuten, wieder eine zentrale Führungsrolle zu übernehmen. TotalEnergies wiederum würde einen international erfahrenen Fahrer gewinnen, der bei Klassikern und ausgewählten Etappenrennen eigene Ambitionen verfolgen könnte.
Eine Einigung wurde bislang allerdings nicht bestätigt. Der mögliche Transfer gehört damit weiterhin zu den offenen Personalfragen im Zuge des geplanten Neustarts.
Dehairs, Livyns und Van Asbroeck: Neuer Führungskern für 2027 gesucht
Neben Teuns beschäftigt sich TotalEnergies offenbar mit weiteren Fahrern, die sowohl bei den Klassikern als auch in Sprintankünften wichtige Rollen übernehmen könnten.
Als möglicher neuer Sprintkapitän wird Simon Dehairs gehandelt. Der Belgier fährt derzeit für Alpecin - Premier Tech und könnte bei der französischen Mannschaft künftig größere persönliche Freiheiten erhalten.
Auch Arjen Livyns vom XDS Astana Team und
Tom Van Asbroeck von NSN werden mit einem Wechsel in Verbindung gebracht. Beide müssten dafür die WorldTour verlassen und künftig auf ProTeam-Niveau antreten. Im Gegenzug könnten sich ihnen jedoch bessere Möglichkeiten bieten, eigene sportliche Ziele zu verfolgen und innerhalb der Mannschaft mehr Verantwortung zu übernehmen.
Darüber hinaus soll Dylan Vandenstorme vom Team Flanders - Baloise auf der Liste möglicher Neuzugänge stehen. Auch bei ihm gibt es bislang keine offizielle Bestätigung.
Für die Mannschaft aus der Vendée könnten diese Verpflichtungen entscheidend sein, um nach dem Verlust ihrer bisherigen Leistungsträger wieder eine konkurrenzfähige Struktur aufzubauen. Mit erfahrenen Klassikerspezialisten, einem neuen Sprintkapitän und möglichen Führungsspielern wie Teuns ließe sich zumindest ein Teil der entstandenen Lücken schließen.
Noch sind sowohl der künftige Teamname als auch die genaue Zusammensetzung des Kaders offen. Der Dreijahresvertrag mit Parus und die laufenden Gespräche mit mehreren WorldTour-Profis lassen jedoch erkennen, dass TotalEnergies beziehungsweise sein Nachfolgeprojekt für 2027 einen umfassenden Neustart vorbereitet – und nach einer schwierigen Phase wieder sportliche Perspektiven entwickeln will.