Demi Vollering hat ihre Teamkollegin Celia Gery nach den
scharfen Vorwürfen von Kasia Niewiadoma-Phinney im Anschluss an die achte Etappe der
Tour de France Femmes verteidigt. Die Niederländerin ist überzeugt, dass die französische Meisterin ihre Rivalin nicht absichtlich behindert hat – räumte allerdings gleichzeitig ein, die umstrittene Situation selbst nicht gesehen zu haben.
Niewiadoma-Phinney hatte nach dem Verlust des Gelben Trikots in Nizza ihrem Ärger freien Lauf gelassen. Die Polin warf Gery vor, sie unmittelbar vor Vollerings letztlich etappenentscheidender Attacke bewusst in Richtung der Absperrgitter gedrängt zu haben.
Vollering verteidigt Gery: „So etwas kommt im Rennen manchmal vor“
Die Kapitänin von Canyon//SRAM erklärte, dass sie aufgrund von Gerys Manöver aufhören musste zu treten. Die Taktik von FDJ United-SUEZ bezeichnete Niewiadoma-Phinney als „kindisch“ und erklärte darüber hinaus, sie habe „allen Respekt“ vor dem Team verloren.
Demi Vollering verteidigt ihre Teamkollegin Celia Gery gegen die Vorwürfe von Kasia Niewiadoma-Phinney. Vor dem Tour-Finale trennen die Rivalinnen nur acht Sekunden.
Auf die Anschuldigungen angesprochen, widersprach Vollering dieser Darstellung. Gleichzeitig machte die Niederländerin deutlich, dass sie die entscheidende Szene nicht selbst beobachten konnte.
„Ich weiß nicht, was passiert ist, ich habe nichts gesehen“, sagte Vollering. „Ich bin sicher, sie hat es nicht mit Absicht gemacht, und ich glaube auch, dass Kasia tief im Inneren weiß, dass so etwas im Rennen manchmal vorkommt.“
Geplantes FDJ-Manöver steht im Zentrum der Kontroverse
FDJ-Sportdirektor Lars Boom bestätigte später gegenüber NOS allerdings, dass Gery unmittelbar vor der Kurve eine konkrete taktische Anweisung erhalten hatte. „Der Plan war, kurz vor der Kurve nach links die Positionen zu wechseln“, erklärte Boom.
Vollering war zu diesem Zeitpunkt bereits nach vorne gefahren, als die Straße in Richtung der kurzen und steilen Rampe abbog. Niewiadoma-Phinney versuchte, der Niederländerin unmittelbar zu folgen. Nachdem Gery ihre Arbeit als Anfahrerin beendet hatte, zog sie nach links. Dadurch geriet Niewiadoma-Phinney ins Gedränge und verlor ausgerechnet in jenem Moment an Schwung, in dem Vollering ihre entscheidende Beschleunigung startete.
Unterstützung für ihre Interpretation der Situation erhielt Niewiadoma-Phinney vom ehemaligen Profi und heutigen niederländischen Radsportanalysten
Thijs Zonneveld. Nachdem er die verfügbaren Aufnahmen für seinen Substack „In de Waaier“ analysiert hatte, kam er zu einem deutlichen Urteil: „Gery versucht bewusst zu verhindern, dass sie auf Vollering reagiert.“
Zonneveld argumentierte, dass Gery ihre Arbeit als Anfahrerin bereits beendet hatte und zu diesem Zeitpunkt nicht mehr um ihre eigene Position kämpfte, als sie die Straßenseite wechselte. Zudem verwies der Niederländer auf die Bilder unmittelbar nach der Kurve. Dort musste Niewiadoma-Phinney bremsen und sich schließlich hinter Gery einordnen, um anschließend wieder freie Fahrt zu bekommen.
Canyon//SRAM hat mittlerweile beim Weltradsportverband UCI offiziell Beschwerde gegen Gerys Aktion eingelegt.
Nur acht Sekunden trennen Vollering und Niewiadoma-Phinney
Niewiadoma-Phinney war mit einem Vorsprung von 15 Sekunden auf Vollering in die achte Etappe gestartet. Erst am Vortag hatte sie am Mont Ventoux mehr als eine Minute auf ihre niederländische Konkurrentin gutgemacht und damit das Gelbe Trikot übernommen.
FDJ United-SUEZ erhöhte daraufhin auf den letzten Kilometern rund um Nizza das Tempo innerhalb der Favoritinnengruppe. Schließlich setzte Vollering an der steilen Schlussrampe ihre Attacke.
Niewiadoma-Phinney verlor in der umstrittenen Kurve zunächst den Anschluss, konnte die entstandene Lücke mit Unterstützung von Elisa Longo Borghini jedoch wieder schließen. Als Vollering weiter oben an der Rampe ein zweites Mal beschleunigte, war die Polin allerdings nicht mehr in der Lage, dem Tempo ihrer Rivalin zu folgen.
Vollering setzte sich über die Kuppe ab, nahm anschließend die Abfahrt in Angriff und hielt auch auf dem Weg zur Promenade des Anglais das Tempo hoch. Im Ziel feierte sie schließlich den Etappensieg mit 17 Sekunden Vorsprung.
Unter Einbeziehung der Zeitbonifikationen verwandelte Vollering damit ihren Rückstand von 15 Sekunden in einen Vorsprung von acht Sekunden im Gesamtklassement und eroberte das Gelbe Trikot zurück.
Die Entscheidung über den Gesamtsieg fällt damit auf der 99,2 Kilometer langen Bergetappe rund um Nizza am Sonntag. Niewiadoma-Phinney hat bereits angekündigt, erneut in die Offensive gehen zu wollen. Vollering startet dagegen nach ihrer eindrucksvollen Wende gegenüber dem Vortag am Mont Ventoux als Führende ins große Finale.
Nachdem das Gelbe Trikot an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zwischen den beiden Favoritinnen gewechselt hat, trennen Vollering und Niewiadoma-Phinney vor der letzten Etappe lediglich acht Sekunden. Gleichzeitig ist die Beschwerde von Canyon//SRAM gegen Gery weiterhin offen – und Vollering hat den Vorwurf ihrer großen Rivalin, ihre Teamkollegin habe sie absichtlich behindert, nun öffentlich zurückgewiesen.