Primoz Roglics großer Versuch, als erster Fahrer der Geschichte fünfmal die
Vuelta a Espana zu gewinnen, steht ernsthaft auf der Kippe. Nach seinem jüngsten Trainingsunfall soll die Wahrscheinlichkeit für einen Start des Slowenen bei der letzten Grand Tour des Jahres nur noch bei 50 Prozent liegen.
Gazzetta-dello-Sport-Journalist
Ciro Scognamiglio berichtete am Samstagabend unter Berufung auf seine Quellen, Roglics aktuelle Chancen auf eine Teilnahme an der Vuelta stünden „fifty-fifty“. Weniger als zwei Wochen vor dem Start der Rundfahrt bedeutet diese Einschätzung einen deutlichen Stimmungsumschwung.
Trainingsunfall bringt Roglics Vuelta-Pläne ins Wanken
Roglic war Ende Juli während einer Trainingsfahrt von einem Auto erfasst worden. In der Folge strich der Slowene sowohl die Clasica San Sebastian als auch die Vuelta a Burgos aus seinem Rennprogramm. Zunächst blieb der Fokus dennoch klar darauf gerichtet, rechtzeitig für die Vuelta wieder vollständig fit zu werden. Roglic selbst bezeichnete den Unfall zwar als „nicht das beste Szenario“, hielt aber weiterhin an seinem geplanten Start in Spanien fest.
Primoz Roglic hat seine Saison 2026 auf die Jagd nach dem historischen fünften Vuelta-Gesamtsieg ausgerichtet. Nach einem Trainingsunfall steht sein Start nun jedoch auf der Kippe.
Der jüngste Bericht lässt die Zweifel nun erheblich wachsen. Besonders bitter wäre ein Ausfall, weil Roglic praktisch seine gesamte Saison 2026 auf die Vuelta und die Jagd nach einem historischen fünften Gesamtsieg ausgerichtet hat.
Roglics gesamte Saison 2026 war auf die Vuelta zugeschnitten
Roglic verzichtete in diesem Jahr sowohl auf den Giro d'Italia als auch auf die Tour de France. Stattdessen setzte er seine Priorität auf einen weiteren Anlauf bei jener Grand Tour, die er in seiner Karriere bereits viermal gewinnen konnte.
Entsprechend kompakter fiel sein Rennprogramm im Vergleich zu vielen früheren Jahren aus. Roglic begann seine Saison mit dem fünften Gesamtrang bei Tirreno-Adriatico, belegte anschließend Platz drei bei Milano-Torino und bestritt später die Baskenland-Rundfahrt, die Tour de Romandie sowie die Ronde van Zwitserland. Sein bislang einziger Sieg im Jahr 2026 gelang ihm Ende Juni, als er sich den slowenischen Meistertitel im Einzelzeitfahren sicherte.
Die Clasica San Sebastian und die Vuelta a Burgos sollten Roglic anschließend die notwendige Wettkampfhärte für den Saisonhöhepunkt in Spanien verschaffen. Durch den Trainingsunfall fielen jedoch beide Rennen aus. Damit wird der Slowene beim Vuelta-Start am 22. August seit mehr als einem Monat keine Rennkilometer mehr absolviert haben – vorausgesetzt, er kann überhaupt antreten.
Zusätzliche Bedeutung erhält die Situation dadurch, dass Roglic seine letzten Monate bei
Red Bull - BORA - hansgrohe absolviert. Teamchef Ralph Denk hat bereits bestätigt, dass der 36-Jährige den Rennstall nach Ablauf seines Vertrags Ende 2026 verlassen wird. Seine Karriere möchte Roglic allerdings auch in der kommenden Saison fortsetzen.
Sollte er tatsächlich in Spanien antreten, könnte die Vuelta somit seine letzte Grand Tour für Red Bull - BORA - hansgrohe werden. Roglic war vor Beginn der Saison 2024 zum Team gewechselt.
Fünfter Vuelta-Sieg würde Roglic zum alleinigen Rekordhalter machen
Seit seinem Vuelta-Debüt im Jahr 2019 hat Roglic eine der beeindruckendsten Bilanzen in der Geschichte der Spanien-Rundfahrt aufgebaut. Gleich bei seinem ersten Start gewann er die Gesamtwertung. 2020 und 2021 verteidigte er das Rote Trikot erfolgreich, ehe er 2024 erneut auf die oberste Stufe des Podiums zurückkehrte. Mit seinem vierten Gesamtsieg zog Roglic mit Roberto Heras als Rekordsieger der Vuelta gleich.
Auch seine beiden anderen Teilnahmen ändern kaum etwas an dieser außergewöhnlichen Bilanz. 2022 lag Roglic auf dem zweiten Gesamtrang, als ein Sturz seine Rundfahrt vorzeitig beendete. Ein Jahr später wurde er Dritter und komplettierte gemeinsam mit Gesamtsieger Sepp Kuss und Jonas Vingegaard ein rein von Jumbo-Visma besetztes Podium.
Ein weiterer Triumph im Jahr 2026 hätte deshalb historische Bedeutung. Mit fünf Gesamtsiegen würde Roglic allein an Heras vorbeiziehen und zum alleinigen Rekordsieger der Vuelta aufsteigen.
Neuauflage des historischen Duells mit Pogacar droht zu platzen
Gleichzeitig würde es bei der Vuelta erneut zu einem direkten Grand-Tour-Duell mit Tadej Pogacar kommen – ausgerechnet bei jenem Rennen, bei dem sich die Wege der beiden Slowenen erstmals auf dieser Bühne kreuzten.
Roglic gewann die Vuelta 2019 vor Alejandro Valverde. Der damals erst 20 Jahre alte Pogacar bestritt seinerseits seine erste Grand Tour, sorgte mit drei Etappensiegen für Aufsehen und beendete die Rundfahrt auf dem dritten Gesamtrang.
2026 kehrt Pogacar erstmals seit diesem spektakulären Durchbruch zur Vuelta zurück. Seine Ausgangslage könnte inzwischen kaum unterschiedlicher sein: Der Slowene kommt als fünffacher Tour-de-France-Sieger und dominierender Grand-Tour-Fahrer der Gegenwart nach Spanien.
Roglic hatte dagegen bewusst auf Giro und Tour verzichtet, um mit einer anderen und gezielt auf die Vuelta abgestimmten Vorbereitung in die letzte Grand Tour des Jahres zu gehen. Nun haben ausgerechnet ein weiterer Unfall und der daraus resultierende Verzicht auf seine beiden geplanten Vorbereitungsrennen die entscheidenden Wochen vor dem Start erheblich durcheinandergebracht.
Seine bisherige Vuelta-Bilanz unterstreicht, was für Roglic auf dem Spiel steht: Sechs Starts brachten ihm vier Gesamtsiege, 15 Etappenerfolge, einen dritten Platz und lediglich eine Rundfahrt, bei der er Madrid nicht erreichte.
Ob am 22. August tatsächlich der siebte Start hinzukommt, ist inzwischen völlig offen. Ausgerechnet die Vuelta, um die Roglic seine gesamte Saison 2026 aufgebaut hat und bei der er Radsportgeschichte schreiben könnte, ist plötzlich nicht mehr garantiert Teil seines Programms.