Die
Tour de France Femmes begeistert in ihrer ersten Rennhälfte mit einem hochklassigen Kampf um das Gelbe Trikot. Vor den entscheidenden Bergetappen liefern sich vor allem
Demi Vollering und
Marlen Reusser ein enges Duell um die Gesamtführung.
Lance Armstrong sieht allerdings eine Fahrerin, die aus dem Kreis der Titelanwärterinnen vorerst herausgefallen ist.
Nach den ersten fünf Etappen ordnete der US-Amerikaner das Rennen im Podcast
The Move ein und äußerte sich insbesondere zur Form von
Pauline Ferrand-Prevot. Die Französin konnte die hohen Erwartungen bislang nicht erfüllen und verlor bereits deutlich an Boden.
Armstrong: Ferrand-Prevot weit von ihrer Bestform entfernt
„Der Unterschied zwischen Pauline 2026 und Pauline 2025 ist gewaltig. Gemessen an den Prozenten, die sie verliert, stimmt einfach etwas nicht – ob wegen Verletzungen, mangelhafter Vorbereitung oder Regeneration“, sagte Armstrong.
Pauline Ferrand-Prevot konnte den hohen Erwartungen bei der Tour de France Femmes bislang nicht gerecht werden und verlor nach den ersten Etappen bereits deutlich an Boden im Gesamtklassement.
Ferrand-Prevot fand in den ersten Tagen der Rundfahrt nie zu ihrer gewohnten Stärke. Bereits im Einzelzeitfahren der vierten Etappe büßte sie deutlich Zeit ein. Zudem sorgte ihre Aeroposition auf dem Zeitfahrrad für Diskussionen. Einen Tag später fehlte ihr am Schlussanstieg die Explosivität, um den Attacken von Demi Vollering folgen zu können.
„Vorher sprachen wir vom ‚großen Trio‘, aber sie wirkte vom Start weg unruhig auf dem Rad“, sagte Armstrong über ihren Auftritt im Zeitfahren, der die Titelverteidigerin im Gesamtklassement weit zurückwarf. „Es war ein trauriger Tag für sie.“
Während Ferrand-Prevot den Anschluss verlor, präsentierte sich Vollering in bestechender Form. Die Niederländerin gewann die fünfte Etappe und verkürzte durch den Etappensieg sowie die Bonifikationssekunden ihren Rückstand auf das Gelbe Trikot weiter.
„Sie wirkt sehr stark, und die Bonifikationen im Ziel zählen. Dort hat sie sich weitere zwei Sekunden zurückgeholt“, erklärte Armstrong.
Reusser erinnert Armstrong an Miguel Indurain
An der Spitze der Gesamtwertung steht jedoch weiterhin Marlen Reusser. Die Schweizerin beeindruckt Armstrong vor allem mit ihrer kontrollierten und konstanten Fahrweise.
„Wenn ich sie sehe, erinnert sie mich so sehr an eine Fahrerin – nein, an einen Fahrer. Sie erinnert mich stark an Miguel Indurain.“
Armstrong zog den Vergleich weiter aus: „Sie redet wenig, bleibt im Sattel und fährt in diesem ruhigen, gleichmäßigen, metronomartigen Stil. Sie bleibt cool. Sie kann Zeitfahren und klettern. Sie wird keinen sofortigen Angriff lancieren oder extrem dynamische Moves setzen, aber das muss sie auch nicht.“
Mit ihrem dominanten Sieg im Einzelzeitfahren der vierten Etappe übernahm Reusser das Gelbe Trikot. Auf der folgenden Etappe wehrte sie zudem die Angriffe von Demi Vollering und Katarzyna Niewiadoma erfolgreich ab und verteidigte ihre Gesamtführung. Der Vorsprung auf die Europameisterin ist zwar knapp, ermöglicht ihr aber weiterhin eine kontrollierte Rennstrategie.
Armstrong sieht darin auch eine Folge ihres starken Saisonverlaufs. „Sie schaut auf das, was früher in der Saison passiert ist. Sie blickt auf Paula Blasi, die die Vuelta gewonnen hat. Sie kennt die Zahlen und denkt: ‚Moment mal, ich kann auch auf die Gesamtwertung fahren.‘ Unterschätzt nicht, wie sehr das eine Fahrerin motivieren kann. Sie wurde bereits Zweite bei Vuelta und Giro und gewann dieses Jahr die Tour de Suisse.“
Der Mont Ventoux dürfte das Rennen entscheiden
Reusser geht damit als Gesamtführende in den sechsten Renntag und präsentiert sich in der Form ihres Lebens. Die größte Herausforderung wartet jedoch noch: Auf der siebten Etappe steht die Bergankunft am legendären Mont Ventoux auf dem Programm – für Armstrong der entscheidende Prüfstein im Kampf um den Gesamtsieg.
„Er ist in aller Köpfen. Es ist der härteste Anstieg des Landes. Selbst wenn es nicht brütend heiß ist, fühlt es sich wie im Ofen an“, erklärte Armstrong.
Besonders die Charakteristik des Anstiegs macht den Ventoux aus seiner Sicht so gefürchtet: „Und es gibt keine Kehren, die sonst kurz Entlastung bieten, weil sie leicht abflachen. Der Ventoux ist eine einzige, gerade Rampe nach oben. Er kennt kein Erbarmen.“