„Sein Fehlen macht einen großen Unterschied“: Belgiens Nationaltrainer räumt ein, dass sich die WM-Pläne nach Pogacars Ausfall drastisch geändert haben

Radsport
durch Nic Gayer
Donnerstag, 10 September 2026 um 9:00
pogacar
Serge Pauwels hatte bereits damit begonnen, sich auf eine der größten taktischen Herausforderungen der Weltmeisterschaft in Montreal vorzubereiten: einen Weg zu finden, wie Belgien Tadej Pogacar schlagen kann. Nach dessen Sturz bei der Vuelta a Espana und dem inzwischen feststehenden Ausfall sind diese Pläne jedoch hinfällig. Noch bedeutender ist, dass Belgien nun als eines jener Teams ins Rennen geht, von denen erwartet werden dürfte, Verantwortung zu übernehmen und das Geschehen zu kontrollieren.
Pogacars Abwesenheit könnte die gesamte Dynamik des Rennens verändern. Die Fähigkeit des Slowenen, das Tempo zu bestimmen, Selektionen zu erzwingen und bereits früh offensiv zu fahren, hätte die taktischen Überlegungen sämtlicher großer Nationen geprägt. Ohne den Titelverteidiger rückt Belgien in der Favoritenhierarchie und damit auch bei der Verantwortung für die Gestaltung des Rennens deutlich stärker in den Vordergrund.

Pogacars Ausfall zwingt Belgien zum taktischen Umdenken

Pauwels hatte seine beiden Hauptkapitäne Wout Van Aert und Remco Evenepoel bereits auf die besondere Herausforderung durch Pogacar eingestellt.
Wout Van Aert gewinnt die 15. Etappe der Vuelta a Espana 2026.
Wout Van Aert soll gemeinsam mit Remco Evenepoel die belgischen Hoffnungen bei der Weltmeisterschaft in Montreal tragen und nach Pogacars Ausfall Verantwortung übernehmen.
Der belgische Nationalcoach verriet, schon vor mehreren Wochen mit beiden Fahrern mögliche Rennszenarien besprochen zu haben. Dabei forderte er Van Aert und Evenepoel dazu auf, sich konkret vorzustellen, auf welche Weise sie den Slowenen bezwingen könnten.
„Es ist völlig klar. Seine Abwesenheit macht einen großen Unterschied“, erklärte Pauwels in Aussagen, die von RTBF zusammengetragen wurden. „Um ganz ehrlich zu sein, ich habe die Einzelgespräche mit Wout und Remco schon vor ein paar Wochen begonnen. Ich habe ihnen diese Frage gestellt: ‚Was ist das ideale Szenario für euch, in dem ihr Pogacar schlagen könnt?‘ Denn das ist immer die Schlüsselfrage.“
Diese Frage stellt sich nun nicht mehr in derselben Form. Nach den Verletzungen, die Pogacar bei seinem Sturz während der Vuelta erlitten hat, wird er in Montreal nicht am Start stehen. Für Belgien bedeutet das, den WM-Tag aus einer grundlegend veränderten Ausgangslage heraus bestreiten zu müssen.
„Das verändert sofort die Dynamik des Rennens“, sagte Pauwels. „Unsere Verantwortung als belgisches Team wird eine ganz andere sein. Davor können wir jetzt nicht davonlaufen. Wir müssen clever agieren, aber wir können der Verantwortung nicht ausweichen und müssen in der ersten Phase der Weltmeisterschaft die Kontrolle über das Rennen übernehmen.“
Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass Belgien das Rennen vom Start bis ins Ziel an der Spitze des Feldes kontrollieren möchte. Pauwels hat wiederholt betont, dass seine Mannschaft ihre Stärke intelligent einsetzen müsse, anstatt bereits ab Kilometer null die Zügel in die Hand zu nehmen. Ohne Pogacar werden die anderen Nationen bei der Gestaltung des Rennens jedoch unweigerlich verstärkt auf Belgien schauen.
Für Van Aert und Evenepoel ist der damit verbundene Druck keineswegs neu – und genau darin erkennt Pauwels einen Vorteil. „Sie sind es gewohnt, als Favoriten Rennen zu gewinnen“, sagte er. „Es wird sie also nicht überraschen, dass sie diese Verantwortung tragen müssen.“

Van Aert und Evenepoel bilden ein erprobtes belgisches Duo

Belgien verfügt zudem über einen entscheidenden Trumpf: Die beiden Kapitäne wissen genau, wie sie gemeinsam ein Rennen lesen und ihre jeweiligen Stärken ausspielen können. Van Aert und Evenepoel haben bereits mehrfach bewiesen, dass sich ihre unterschiedlichen Qualitäten in den entscheidenden Rennsituationen hervorragend ergänzen.
Besonders eindrucksvoll funktionierte ihre Zusammenarbeit bei der Weltmeisterschaft 2022 in Wollongong. Damals setzte Evenepoel die entscheidende Attacke und sicherte sich das Regenbogentrikot, während Van Aert eine wichtige unterstützende Rolle übernahm und das Rennen auf dem vierten Platz beendete.
Zwei Jahre später fügten sich beide in Paris erneut nahtlos in die belgische Strategie ein, auch wenn das olympische Straßenrennen letztlich an Evenepoel ging.
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