„Roglic darf man niemals abschreiben“ – Jens Voigt feiert Sloweniens „alten Meister“ nach emotionalem EM-Triumph

Radsport
durch Nic Gayer
Primoz Roglic at the 2026 European Championships
Primoz Roglic hat Slowenien bei der Heim-Europameisterschaft den lange ersehnten Triumph beschert. Im Einzelzeitfahren der Männer in Sencur setzte sich der 36-Jährige durch und sicherte seinem Heimatland damit die erste und zugleich einzige Medaille der Titelkämpfe. Für den slowenischen Radsport war es ein emotionaler Moment, auf den die Gastgeber lange gewartet hatten.
Auf dem anspruchsvollen, 21,8 Kilometer langen Kurs distanzierte Roglic den Franzosen Bruno Armirail um etwas mehr als sieben Sekunden. Damit fügte er seiner ohnehin beeindruckenden Erfolgsliste einen weiteren bedeutenden Titel hinzu. Nach Olympiagold, vier Gesamtsiegen bei der Vuelta a Espana und einem Triumph beim Giro d'Italia durfte sich Roglic erstmals auch Europameister im Einzelzeitfahren nennen.

„Roglic darf man niemals abschreiben“ – Voigt würdigt den Champion

Für den ehemaligen Radprofi Jens Voigt kam der nächste große Erfolg des Slowenen keineswegs überraschend. „Roglic darf man niemals abschreiben“, erklärte er gegenüber Eurosport.de. „Er ist immer da. Wenn er nicht gewinnt, landet er trotzdem irgendwo auf dem zweiten, dritten, vierten oder fünften Platz.“
Primoz Roglic in Aktion.
Primoz Roglic jubelte am Mittwoch über seinen ersten Europameistertitel im Einzelzeitfahren. Mit dem Triumph vor heimischem Publikum sicherte der 36-Jährige Slowenien die einzige Medaille der Titelkämpfe.
Schon im Verlauf der Saison 2026 hatte Roglic mehrfach unter Beweis gestellt, dass er weiterhin auf höchstem Niveau konkurrenzfähig ist. Besonders eindrucksvoll gelang ihm das mit dem zweiten Gesamtrang bei der Vuelta a Espana. Bei der Heim-Europameisterschaft verwandelte er seine bemerkenswerte Konstanz nun in einen weiteren großen Titel und das begehrte Meistertrikot.

Ein Kurs ganz nach Roglics Geschmack

Den Grundstein für seinen Triumph legte Roglic bereits auf den ersten Kilometern. An der ersten Zwischenzeit hatte er Bruno Armirail fast 13 Sekunden abgenommen. Zwar konnte der Franzose auf der zweiten Streckenhälfte noch einmal Boden gutmachen, doch der Vorsprung des Slowenen reichte am Ende für die Goldmedaille.
Voigt sah insbesondere im anspruchsvollen Streckenprofil einen entscheidenden Vorteil für Roglic gegenüber schwereren Zeitfahrspezialisten wie Stefan Kung und Jakob Soderqvist. „Der Kurs war anspruchsvoll“, analysierte er. „Fahrer wie Kung sind mit ihrem höheren Körpergewicht und ihrer athletischen Statur eher Spezialisten für flache Zeitfahren. Es war absehbar, dass sie hier weniger Chancen haben würden als auf einer anderen Strecke.“
Durch die Abwesenheit von Tadej Pogacar lasteten die Hoffnungen der slowenischen Radsportfans besonders auf Roglic. Der Routinier hielt dem Druck stand und bescherte seinem Heimatland den ersehnten Erfolg. „Er ist sehr gut gefahren und hat eine ganze Nation erlöst“, sagte Voigt. „Nachdem Tadej Pogacar nicht gestartet war, blieb er Sloweniens großer Radsportheld. Als alter Meister hat er bei der Heim-Europameisterschaft erneut geliefert.“
Mit seinem Sieg verhinderte Roglic zugleich, dass Slowenien die Europameisterschaft vor heimischem Publikum ohne eine einzige Medaille beenden musste. Für den 36-Jährigen war es ein weiterer prestigeträchtiger Titel in einer außergewöhnlichen Karriere.

Noch ein Rennen, bevor die Zukunft entschieden wird

Während Roglic sportlich weiterhin auf höchstem Niveau überzeugt, bleibt seine Zukunft offen. Seine Zeit bei Red Bull - BORA - hansgrohe nähert sich dem Ende, und die Spekulationen darüber, für welche Mannschaft der Slowene 2027 an den Start gehen wird, halten an.
Für Voigt gibt es jedenfalls keinen Grund, an Roglics sportlichem Wert zu zweifeln. Auch mit zunehmendem Alter gehört der viermalige Vuelta-Sieger für ihn weiterhin zur absoluten Weltklasse. „Er fährt viele Rennen, ist immer in den Top Ten und sammelt zahlreiche Punkte“, betonte der ehemalige Profi. „Diesmal lief für ihn alles sehr, sehr gut, eigentlich sogar perfekt. Er ist ein Champion, hat fast 100 Siege gefeiert, und wir werden sehen, wo er im nächsten Jahr fährt.“
Bevor Klarheit über seine sportliche Zukunft herrscht, steht für Roglic voraussichtlich noch ein letzter großer Auftritt auf dem Programm. Am Samstag soll der Slowene bei der Lombardei-Rundfahrt an den Start gehen. Auf der Strecke von Bergamo nach Como bietet sich ihm damit die Gelegenheit, eine ohnehin erfolgreiche Saison mit einem weiteren Höhepunkt abzuschließen. Nach Platz zwei bei der Vuelta a Espana und dem Europameistertitel vor heimischem Publikum könnte Roglic seinem Radsportjahr 2026 noch einmal die Krone aufsetzen.
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