Bruno Armirail verließ die
Europameisterschaft 2026 mit einer Silbermedaille und einer unmissverständlichen Botschaft an alle, die seine Leistung kleinreden wollten. Im Einzelzeitfahren der Männer-Elite in Slowenien fehlten dem Franzosen lediglich etwas mehr als sieben Sekunden auf Sieger
Primoz Roglic. Armirail hatte zunächst eine beeindruckende Bestzeit vorgelegt, die am Ende nur noch der slowenische Lokalmatador unterbieten konnte.
Dass Remco Evenepoel, Filippo Ganna und Tadej Pogacar nicht am Start standen, war dem 32-Jährigen durchaus bewusst. Armirail ahnte bereits, dass die Abwesenheit der drei Stars zum Anlass genommen werden könnte, die Qualität des Teilnehmerfeldes und damit auch seine Silbermedaille infrage zu stellen.
„Dann hätten sie eben kommen sollen“ – Armirail lässt Kritik nicht gelten
„Die Leute werden sagen, dass die besten Fahrer nicht hier waren“, erklärte Armirail anschließend gegenüber
DirectVelo. „Dann hätten sie eben kommen sollen. So ist es nun einmal.“
Bruno Armirail verpasste den Europameistertitel im Einzelzeitfahren um lediglich 7,13 Sekunden. Nach Gold in der Mixed-Staffel setzte der Franzose mit Silber ein weiteres Ausrufezeichen.
Der Franzose sah jedenfalls keinen Grund, sich für seinen zweiten Platz rechtfertigen zu müssen. „Vielleicht waren die drei besten Zeitfahrer der Welt nicht hier, aber alle anderen schon. Das ist ein gutes Ergebnis.“
Eine Antwort auf die Enttäuschung von Montreal
Nur wenige Tage zuvor hatte Armirail das Einzelzeitfahren der Radsport-WM noch tief enttäuscht verlassen. Sein Abschneiden hatte weder zu seinem Gefühl während des Rennens noch zu den Leistungsdaten gepasst. Eine schlüssige Erklärung für das aus seiner Sicht unbefriedigende Ergebnis hatte er auch im Nachhinein nicht gefunden.
„Für mein Ergebnis bei der Radsport-WM wurde ich stark kritisiert“, erklärte er. „Aber ich bleibe dabei, dass ich dort keinen schlechten Tag hatte. Auch rückblickend verstehe ich es noch immer nicht. Ich habe keine Erklärung. Die Daten waren sehr gut, und ich glaube, das konnte man am Sonntag im Straßenrennen sehen. Ich habe klar gezeigt, dass ich da bin und nicht wegen des Giro-Tour-Doppels völlig ausgelaugt war.“
Bei der Europameisterschaft lieferte Armirail nun deutlich überzeugendere Argumente für seine Leistungsfähigkeit. Bereits am Dienstag hatte er Frankreich in der Mixed-Staffel zur Goldmedaille verholfen. Nur 24 Stunden später stand er erneut an der Startlinie, diesmal im Einzelzeitfahren. Mit einer Zeit von 28:23,190 Minuten unterbot er die bis dahin führende Marke von Maxime Decomble um beinahe 22 Sekunden und behauptete sich an der Spitze, bis Roglic das Ziel erreichte.
„Zumindest habe ich bewiesen, dass ich im Zeitfahren nicht ganz so schlecht bin, wie manche denken“, stellte Armirail nach seiner Silberfahrt zufrieden fest.
Auch die Vermutung, sein Einsatz in der Mixed-Staffel am Vortag könnte ihn die entscheidenden Kraftreserven im Kampf um Gold gekostet haben, ließ der Franzose nicht gelten. „Ich glaube nicht, dass die Mixed-Staffel irgendeinen Einfluss auf mein heutiges Ergebnis hatte“, betonte er. „Wenn ich einen schlechten Tag gehabt hätte, könnte man diese Frage vielleicht stellen. Aber nicht nach einer solchen Fahrt.“
Sieben Sekunden fehlten zu Gold
Dass er sich ausgerechnet Primoz Roglic geschlagen geben musste, konnte Armirail ohne Weiteres akzeptieren. Dennoch blieb angesichts des hauchdünnen Rückstands das Gefühl, dass sogar der ganz große Triumph möglich gewesen wäre. „Es gibt natürlich keine Schande darin, gegen Primoz zu verlieren, aber ich glaube, dass es möglich gewesen wäre, ihn zu schlagen“, sagte er. „Es war ein guter Tag, aber kein perfekter.“
Dabei hatte es zwischenzeitlich noch nach einem deutlicheren Vorsprung für den Slowenen ausgesehen. An der ersten Zwischenzeit lag Roglic bereits fast 13 Sekunden vor Armirail. Doch der Franzose kämpfte sich auf der zweiten Streckenhälfte eindrucksvoll zurück und verkürzte seinen Rückstand bis ins Ziel auf lediglich 7,13 Sekunden.
Gleichzeitig würdigte Armirail die besondere Bedeutung des Erfolgs für seinen Konkurrenten, der vor heimischem Publikum zum Europameistertitel fuhr. „Ich kann mir vorstellen, dass es etwas Besonderes ist, im eigenen Land vor den eigenen Fans zu gewinnen.“
Für Armirail war Silber nach der Enttäuschung von Montreal zwar eine persönliche Genugtuung, doch der Traum vom eigenen Titel bleibt bestehen. „Ja, es ist eine kleine Revanche, auch wenn es natürlich noch besser gewesen wäre, das Trikot zu tragen. Ich werde zurückkommen und eines Tages versuchen, es zu gewinnen.“
Die offenen Fragen nach seinem Abschneiden bei der Radsport-WM konnte Armirail damit zumindest sportlich eindrucksvoll beantworten. Innerhalb von weniger als 24 Stunden gewann er zunächst Gold mit Frankreich in der Mixed-Staffel und anschließend Silber im Einzelzeitfahren. Zwei Medaillen, die seine Qualitäten im Kampf gegen die Uhr eindrucksvoll unterstrichen.