Robert Gesink wurde 2007 Profi und beendete 2024 seine Karriere. In all den Jahren im Peloton erlebte er, wie der Sport deutlich transparenter wurde, wie er in einem jüngsten Interview offen einräumte.
Gesink wurde in den Rabobank-Dopingjahren Profi
„Als ich ins Profigeschäft kam, war
Doping an der Tagesordnung“, sagte Gesink gegenüber
Bahamontes. Der Niederländer fuhr in seinem Debütjahr für Rabobank, just in dem Jahr, als Teamkollege Michael Rasmussen in der Schlusswoche als Gesamtführender aus der Tour de France genommen wurde. Der Däne wurde vom Team fristlos entlassen und für zwei Jahre gesperrt, weil er falsche Aufenthaltsangaben gemacht hatte; nach seiner Laufbahn gab er zu, mehrfach leistungssteigernde Mittel genommen zu haben.
„Ich war bereits Teil des Teams, aber nicht im Tour-Aufgebot, als sie Rasmussen 2007 aus dem Rennen nahmen. Das waren gewiss nicht die besten Jahre. Es herrschten viel Misstrauen, Neid und Unsicherheit. Immer wenn jemand starke Ergebnisse fuhr, dachten die anderen sofort: ‚Der hat etwas Neues gefunden.‘“
Auch Fahrer wie Michael Boogerd und Thomas Dekker prägten diese Phase des Teams, das heute die
Visma-Struktur bildet – allerdings aus den falschen Gründen. Gesink blieb der Struktur seine gesamte Karriere über treu und war anfangs oft versucht, denselben Weg zu gehen, um ähnliche Resultate zu erzielen.
„Statt härter zu trainieren, griff mancher zu leistungssteigernden Mitteln. Als junger Fahrer dachte ich manchmal: ‚Wenn ich so gut werden will, muss ich ihrem Beispiel folgen.‘ Zum Glück haben mir die Menschen um mich herum geholfen, auf dem richtigen Weg zu bleiben.“
Robert Gesink racing for Visma
Saubererer Radsport, aber nicht vollständig
Gesink fuhr in seiner Laufbahn zahlreiche Erfolge ein, darunter den GP de Québec und den GP de Montréal, gewann 2016 eine Etappe der Vuelta a España und belegte fünfmal einen Top-10-Platz bei Grand Tours (zweimal bei der Tour de France).
Seine Karriere hätte ganz anders verlaufen können, hätte er sich als junger Profi an Fahrern orientiert, die später wegen Dopings überführt und gesperrt wurden.
„Michael Boogerd hätte mich bei meinem ersten Trainingslager problemlos unter seine Fittiche nehmen können, und ich hätte ihm vorbehaltlos folgen können, denn insgeheim wollte ich leidenschaftlich so gut sein wie er“, räumt Gesink ein.
In den 2010er-Jahren gingen die Leistungen im Radsport spürbar zurück, das allgemeine Misstrauen ließ nach Jahrzehnten mit Imageschäden für den Sport allmählich nach. In den vergangenen Jahren gab es wegen sprunghafter Leistungssteigerungen und schnelleren Kletterzeiten viel Spekulation. Gesink führt das jedoch nicht auf eine breite Rückkehr verbotener Methoden zurück.
„Der Radsport ist heute viel sauberer“, sagt er. „Natürlich wird es immer Menschen geben, die betrügen.“