Remco Evenepoel eröffnet eine Debatte, die einst undenkbar schien: Ist er der größte Zeitfahrer der Geschichte?
Radsport
Remco Evenepoel hat bei der Radsport-WM 2026 in Montreal einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt, warum er im Kampf gegen die Uhr derzeit das Maß aller Dinge ist. Der Belgier sicherte sich seinen vierten WM-Titel in Serie und bewältigte die 39,2 Kilometer in 44:53,13 Minuten. Filippo Ganna verlor als Zweiter bereits 57 Sekunden, während der erst 19 Jahre alte Paul Seixas mit 1:13 Minuten Rückstand sensationell Bronze gewann.
Das Ergebnis bestätigte nicht nur eine Überlegenheit, die in den vergangenen Jahren beinahe zur Gewohnheit geworden ist. Es wirft zugleich eine weitaus größere Frage auf: Erleben wir bereits den besten Zeitfahrer der Geschichte? Wie Juan Larra und Jorge P. Borreguero in einer neuen Folge von El Espresso de CiclismoAlDia diskutierten, lässt sich diese Frage nur beantworten, wenn Evenepoels aktuelle Zahlen in den historischen Kontext zu einigen der größten Legenden des Radsports gesetzt werden.
Evenepoel schreibt mit viertem Titel in Folge Geschichte
Mit seinem vierten WM-Titel in Serie zog Evenepoel bei der Anzahl der Regenbogentrikots im Einzelzeitfahren mit Fabian Cancellara und Tony Martin gleich. Gleichzeitig gelang ihm etwas, das weder Cancellara noch Martin geschafft hatten: Der Belgier ist der erste Fahrer überhaupt, der vier Titel bei der Radsport-WM im Einzelzeitfahren hintereinander gewinnen konnte.

Remco Evenepoel dominierte das Einzelzeitfahren der Radsport-WM 2026 in Montreal und holte als erster Fahrer der Geschichte seinen vierten Titel in Serie.
Für Juan Larra hat der Triumph in Montreal beinahe offiziell bestätigt, was ohnehin längst offensichtlich erscheint: Evenepoel ist mit deutlichem Abstand der stärkste Zeitfahrspezialist im aktuellen Peloton. Dabei dominierte er auf einem Kurs, der lange Passagen für hohe Wattzahlen mit einem technisch anspruchsvollen urbanen Streckenprofil kombinierte.
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Jorge P. Borreguero stimmt dieser Einschätzung zu und verweist vor allem auf die gewaltigen Abstände zu Evenepoels Konkurrenten. Fast eine Minute nahm der Belgier Ganna ab – und auf den letzten Metern blieb ihm sogar noch Zeit zum Jubeln. Ein ungewöhnlicher Anblick in einer Disziplin, in der normalerweise bis zur Ziellinie um jede einzelne Sekunde gekämpft wird.
Ein im Gespräch gezogener Vergleich verdeutlicht die Aura, die Evenepoels Dominanz mittlerweile umgibt: Ähnlich wie Tadej Pogacar auf einer Bergetappe jederzeit dazu in der Lage scheint, gewaltige Abstände herauszufahren, hat Evenepoel im Zeitfahren ein Niveau erreicht, auf dem sich häufig nicht mehr die Frage stellt, ob er gewinnt, sondern mit welchem Vorsprung.
Genau daraus ergibt sich ein zentrales Argument der Diskussion. Pogacar, Jonas Vingegaard und andere Spitzenfahrer haben sich zu Allroundern entwickelt, die auf nahezu jedem Terrain zur absoluten Weltklasse gehören. Sobald jedoch ein reines Zeitfahren ansteht, bleibt der Abstand zwischen Evenepoel und dem Rest des Feldes außergewöhnlich groß.
Ist Evenepoel der größte Zeitfahrer der Geschichte?
An diesem Punkt zieht Juan Larra eine wichtige Trennlinie zwischen zwei unterschiedlichen Fragen: Ist Evenepoel der beste Zeitfahrer der Gegenwart – oder ist er bereits der beste Zeitfahrer aller Zeiten?
Die erste Frage lässt inzwischen kaum noch Raum für Zweifel. Bei der zweiten ist dagegen historische Perspektive erforderlich. Das Einzelzeitfahren der Männer gehört erst seit Mitte der 1990er-Jahre zum Programm der Radsport-WM. Ein Vergleich, der ausschließlich auf der Anzahl gewonnener WM-Titel basiert, kann die Geschichte dieser Disziplin deshalb nicht vollständig abbilden.
Hinzu kommen die großen Champions früherer Generationen, die ebenfalls außergewöhnliche Bilanzen im Kampf gegen die Uhr vorweisen konnten. Eddy Merckx, Bernard Hinault, Jacques Anquetil und Miguel Indurain bauten einen erheblichen Teil ihrer Dominanz bei den Grand Tours auf ihren Fähigkeiten im Zeitfahren auf.
Die Zahlen verdeutlichen, wie komplex die historische Debatte ist. Merckx gewann insgesamt 69 Zeitfahren, Hinault feierte allein bei der Tour de France 20 Siege gegen die Uhr und Indurain machte diese Disziplin zu einer seiner wichtigsten Waffen bei der Grande Boucle. Evenepoel wiederum ist mit 26 Jahren noch längst nicht am Ende seiner Karriere und arbeitet weiterhin daran, sein Palmares auszubauen. Sein derzeitiges Leistungsniveau ist außergewöhnlich, für ein endgültiges historisches Urteil dieser Größenordnung ist es jedoch noch zu früh.
Ein weiterer Aspekt, den beide Journalisten für entscheidend halten: Der Radsport hat sich verändert. Die heutigen Grand Tours weisen weniger Zeitfahrkilometer auf als manche Rundfahrten früherer Epochen. Gleichzeitig sind die besten Fahrer wesentlich kompletter geworden.
Genau diese Entwicklung gehört zu den interessantesten Punkten der Analyse von El Espresso de CiclismoAlDia.
Juan Larra erinnert daran, dass ein herausragender Zeitfahrer in früheren Epochen gegen die Uhr gewaltige Abstände herausfahren und diesen Vorsprung anschließend in den Bergen verteidigen konnte. Fahrer wie Miguel Indurain stehen beispielhaft dafür, welch entscheidenden Einfluss ein einzelnes Zeitfahren auf die Gesamtwertung einer großen Rundfahrt haben konnte.
Heute präsentiert sich die Situation grundlegend anders. Die wichtigsten Favoriten auf die Gesamtwertung überzeugen im Zeitfahren ebenso wie im Hochgebirge, bei Klassikern und sogar auf Streckenprofilen, die früher deutlich spezialisierteren Fahrertypen vorbehalten waren.
Jorge P. Borreguero vergleicht diese Entwicklung mit anderen Sportarten, in denen Athletinnen und Athleten ebenfalls immer vielseitigere Fähigkeiten entwickelt haben. Im Radsport ermöglicht dieser Wandel Fahrern wie Pogacar, Vingegaard und Evenepoel sowie den nachrückenden Talenten, in mehreren Spezialdisziplinen auf höchstem Niveau konkurrenzfähig zu sein.
Und genau an diesem Punkt kommt Paul Seixas ins Spiel, der zu den herausragenden Beispielen dieser neuen Fahrergeneration gehört.
Paul Seixas sorgt mit Bronze für die nächste Sensation
Die Bronzemedaille von Paul Seixas war eine weitere große Geschichte des WM-Zeitfahrens in Montreal. Der erst 19 Jahre alte Franzose belegte über die 39,2 Kilometer den dritten Platz und hatte im Ziel 1:13 Minuten Rückstand auf Weltmeister Evenepoel.

Das Podium des WM-Zeitfahrens 2026: Remco Evenepoel, Filippo Ganna und Paul Seixas
Für Jorge P. Borreguero sticht dieses Resultat insbesondere deshalb heraus, weil Seixas im Gegensatz zu anderen Fahrern auf der Startliste nicht mit dem Ruf eines ausgewiesenen Zeitfahrspezialisten ins Rennen gegangen war. Dennoch ließ der Franzose zahlreiche Konkurrenten hinter sich, deren größte Stärke ausgerechnet diese Disziplin ist.
Juan Larra ergänzt allerdings eine wichtige Nuance. Seixas hatte bereits zuvor erkennen lassen, dass er die Voraussetzungen für einen kompletten Fahrertyp besitzt und auch im Zeitfahren starke Leistungen abrufen kann. Die Bronzemedaille von Montreal kommt deshalb nicht völlig aus dem Nichts, sondern unterstreicht vielmehr das enorme Potenzial eines Profis, der gerade einmal 19 Jahre alt ist.
Zusätzliche Bedeutung erhält seine Leistung mit Blick auf die Generationen, gegen die er sich in den kommenden Jahren behaupten muss. Evenepoel, Pogacar und Vingegaard befinden sich sportlich weiterhin auf höchstem Niveau, sodass Seixas die große Bühne noch über Jahre mit einigen der besten Fahrer seiner Epoche teilen dürfte. Dass er ihnen bereits jetzt in einer derart spezifischen Disziplin nahekommt, eröffnet für die Zukunft ein besonders spannendes Szenario.
Isaac del Toro macht ebenfalls einen großen Schritt
Ein weiterer Fahrer, der in der Analyse eine wichtige Rolle spielt, ist Isaac del Toro. Der Mexikaner belegte in Montreal mit 1:38 Minuten Rückstand auf den Weltmeister den sechsten Rang. Ein bemerkenswertes Ergebnis, zumal das Zeitfahren bislang nicht zu seinen stärksten Disziplinen gehörte.
Juan Larra wertet seinen Auftritt zugleich als positives Signal für das Straßenrennen. Del Toro war mit dem Rückenwind seines jüngsten Sieges beim Grand Prix Cycliste de Montreal angereist, bei dem er Evenepoel und Seixas hinter sich gelassen hatte. Seine Vorstellung gegen die Uhr bestätigt nun zusätzlich, dass er sich auch in einer Disziplin weiterentwickelt, in der weiterhin Verbesserungspotenzial vorhanden ist.
Für Jorge P. Borreguero ist diese Entwicklung insbesondere deshalb interessant, weil sie einen allgemeinen Trend unter den jungen Talenten widerspiegelt. Fahrer, die zu Beginn ihrer Karriere im Zeitfahren nicht unbedingt herausragten, verbessern sich durch die gezielte Arbeit mit ihren Teams Schritt für Schritt.
Ein sechster Platz bei der Radsport-WM macht Del Toro zwar noch lange nicht zu einem ausgewiesenen Zeitfahrspezialisten. Das Ergebnis liefert jedoch ein weiteres Indiz dafür, dass sich der Mexikaner zunehmend zu einem noch kompletteren Fahrer entwickelt.
Evenepoel und die Zukunft des Zeitfahrens
Am Ende führt die große Debatte dennoch immer wieder zu derselben Frage zurück: Wie weit kann Remco Evenepoel seine Dominanz noch treiben?
Mit vier WM-Titeln in Folge hat der Belgier Fabian Cancellara und Tony Martin bei der Anzahl der Titel im Einzelzeitfahren eingeholt. Der entscheidende Unterschied: Weder Cancellara noch Martin gelang es, viermal hintereinander zu triumphieren.
Juan Larra ist deshalb der Ansicht, dass eine endgültige historische Einordnung noch Zeit benötigt. Das liegt auch daran, dass die großen Zeitfahrspezialisten anderer Generationen über verschiedenste Rennen und Formate hinweg deutlich mehr Siege gegen die Uhr gesammelt haben.
Ein entscheidender Faktor spricht allerdings für Evenepoel: sein Alter. Mit 26 Jahren bleiben ihm noch zahlreiche Gelegenheiten, sein ohnehin beeindruckendes Palmares weiter auszubauen. Kann er das in Montreal demonstrierte Niveau über die kommenden Jahre halten, dürfte sich die historische Diskussion irgendwann nicht mehr nur um seine vier WM-Titel drehen, sondern zunehmend darum, wie lange er diese außergewöhnliche Dominanz in seiner Paradedisziplin aufrechterhalten kann.
Jorge P. Borreguero bringt darüber hinaus einen weiteren interessanten Aspekt ins Spiel: die mögliche zukünftige Bedeutung des Zeitfahrens bei der Tour de France. Evenepoels Überlegenheit gegenüber Pogacar in dieser Disziplin gehört zu den wenigen Bereichen, in denen derzeit ein derart klarer Abstand zwischen den beiden besteht.
Mehr Zeitfahrkilometer könnten deshalb das Kräfteverhältnis innerhalb einer Grand Tour verschieben. Für Evenepoel könnte der Kampf gegen die Uhr zu einem Mittel werden, um mögliche Nachteile gegenüber Pogacar im Hochgebirge auszugleichen.
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Eine historische Debatte, die gerade erst beginnt
Das Einzelzeitfahren der Radsport-WM in Montreal hat damit eine Gewissheit hinterlassen – und gleichzeitig mehrere große Fragen aufgeworfen. Fest steht: Remco Evenepoel fährt gegen die Uhr weiterhin in einer eigenen Liga. Mit vier WM-Titeln in Serie ist der Belgier der erste Fahrer in der Geschichte dieses Wettbewerbs, dem eine solche Siegesserie gelungen ist.
Offen bleibt hingegen, was in den kommenden Jahren folgen wird. Kann Paul Seixas über das nächste Jahrzehnt zu einem seiner großen Rivalen heranwachsen? Wird Isaac del Toro in einer Disziplin, in der er sich noch immer weiterentwickelt, den Rückstand weiter verkürzen? Und vor allem: Kann Evenepoel seine aktuelle Dominanz in ein historisches Vermächtnis verwandeln, das eines Tages mit den größten Zeitfahrspezialisten aller Epochen vergleichbar sein wird?

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
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