„Red Bull brauchte nur Remco, um ein Spitzenteam zu sein“: Joaquim Rodríguez hat keine Zweifel an den Gewinnern der Transferphase

Radsport
durch Nic Gayer
Dienstag, 06 Januar 2026 um 12:30
Collage_RemcoEvenepoelJoaquimRodriguez
Der Transfermarkt vor der Saison 2026 zählt zu den geschäftigsten der vergangenen Jahre. Teamfusionen, das Verschwinden historischer Strukturen und neue Projekte mit ambitionierten Budgets lösten eine Domino-Wirkung aus, die das Profi-Peloton durch Vertragsausstiege kräftig durcheinanderwirbelte. Für Ex-Profi Joaquim Rodriguez steht dabei ein Wechsel über allem: jener von Remco Evenepoel.
Mitten in diesem Umbruch analysiert Joaquim „Purito“ Rodriguez die wichtigsten Bewegungen in der ersten Folge des PURO CICLISMO Podcasts, einem Format, das aktuelle Themen mit der Erfahrung eines langjährigen Insiders verbindet. Erwartungsgemäß rücken vor allem die Transfers von Remco Evenepoel zu Red Bull - BORA - hansgrohe und Juan Ayuso zu Lidl-Trek in den Fokus, ergänzt durch den Wechsel von Cian Uijtdebroeks zum Movistar Team.

Evenepoel, Ayuso und ein Markt ohne Halt

Aufgezeichnet Ende Dezember, mitten in der Off-Season, liefert die Folge mit dem Titel „Il Mercato“ ein Röntgenbild eines außergewöhnlich turbulenten Winters. Von lange vorbereiteten Verpflichtungen bis hin zu überraschenden Deals geht Purito Name für Name und Team für Team durch. Er ordnet einen Markt ein, der maßgeblich vom Verschwinden von Strukturen wie Arkea und der Fusion Intermarché - Lotto geprägt ist - ein Kontext, der, wie er selbst sagt, „den ganzen Markt gesprengt hat“.
Ein Wechsel dominiert das Gespräch: Remco Evenepoel zu Red Bull - BORA - hansgrohe. Für Purito war dieser Schritt seit Langem absehbar. „Ich glaube, die Leute wussten das schon vor hundert Jahren. Bevor Red Bull überhaupt geboren wurde, wussten sie es.“ Abseits der Erwartbarkeit betont er den enormen Druck, der mit diesem Transfer einhergeht, und den qualitativen Sprung für das deutsche Team. „Für mich war das eine massive Veränderung. Das ist ein brutales Team, die haben einen Roglic geholt, der fliegt. Dieses Team, Bora, ist vollgeladen.“ In seinen Augen fehlte Evenepoel als letztes Puzzleteil, um die Mannschaft endgültig an der Spitze zu etablieren. „Red Bull hat Remco gefehlt, um wirklich ein Top-Team zu sein.“
In derselben Kategorie großer Namen sieht Purito den Wechsel von Juan Ayuso, ebenfalls ein Transfer, der seiner Einschätzung nach lange in der Luft lag. „Es war auch bekannt, dass er gehen würde, obwohl UAE sagte, sie ließen ihn für nichts ziehen.“ Für ihn profitieren alle Seiten. „Ich glaube, alle gewinnen dabei. Es ist ein Triple, ein Win-win-win.“ Besonders hebt er die Planung hinter dem Deal hervor und lobt die neue Mannschaft des Spaniers. „Lidl hat ihn sehr gut verpflichtet.“
Rodriguez würdigt zudem das entschlossene Vorgehen von Decathlon auf dem Transfermarkt, mit Zugängen wie Olav Kooij und Tiesj Benoot. „Decathlon hat zwei sehr coole Verpflichtungen gemacht.“ Über Benoot findet er klare Worte. „Er ist ein Top-Fahrer.“ Im gleichen Atemzug erwähnt er Richie Richeze und junge Fahrer mit starken Auftritten bei Grand Tours und unterstreicht die finanzielle Schlagkraft des Teams. „Die haben viel Geld, eine riesige Menge, und sie machen sehr gute Verpflichtungen.“

Movistar Team, Klassikerfahrer und neue Projekte

Die Analyse setzt sich mit weiteren Schlüsselwechseln fort, darunter Cian Uijtdebroeks zum Movistar Team. Das Ziel überraschte auch Purito. „Das ist einer, den … ich für niemanden gesehen habe. Ja, zu Movistar. Brutal.“ Er liest diesen Transfer als gegenseitige Notwendigkeit. „Ich glaube, er brauchte Movistar.“ Fahrertyp und Vertragslaufzeit bewertet er als bewusste Wette auf die Zukunft. „Ein ausländischer Fahrer, der bei einer Grand Tour sehr gut fährt, sehr jung. Ich glaube, sie haben ihn für ziemlich lange verpflichtet. Vier Jahre.“
Im Movistar-Block ordnet Purito auch die Verpflichtung von Roger Adria ein. Ohne ihn in das Rampenlicht größerer Namen zu stellen, schätzt er dessen Qualitäten und die Passung ins Team. „Sehr guter Fahrer, zudem Spanier.“ Für ihn gehört das zur Identität der Mannschaft. „Movistar macht, was es soll. Ein starker spanischer Fahrer sollte normalerweise in Richtung Movistar geschoben werden.“
Bei den Klassikern und Allroundern tauchen Namen wie Jasper Stuyven und Dylan Van Baarle auf, beide auf dem Weg zu Soudal - Quick-Step. Über Stuyven sagt Purito, er sei eine „sichere Bank für diese Klassiker“ und sieht seine Hauptaufgabe darin, sich Freiräume zu erarbeiten. „Worum es ihm gehen wird, ist, seine Freiheit zu finden.“ Zu Van Baarle fällt das Urteil knapp, aber eindeutig aus. „Auch ein sehr guter Fahrer.“
Ein Transfer, der Purito besonders ins Auge springt, ist Stefan Küng zu Tudor. „Der gefällt mir wirklich. Ein starker Zeitfahrer … Achtung auf Tudor, zweite Division, aber Schweizer mit Schweizer, das funktioniert meistens. Er wird dort auch sehr gut fahren.“
Der Wechsel von Stefan Küng zum Tudor Pro Cycling Team stach Joaquim Rodríguez besonders ins Auge
Der Wechsel von Stefan Küng zum Tudor Pro Cycling Team stach Joaquim Rodríguez besonders ins Auge
Der Blick kehrt zu Movistar zurück, diesmal mit Juan Pedro Lopez, der von Lidl-Trek kommt. Purito nennt das eine „schwere Neuigkeit“, gerade mit Blick auf dessen Laufbahn. „Er war lange bei Lidl Trek.“ Er hätte es zwar gut gefunden, wenn Lopez geblieben wäre, versteht den Wechsel aber. „Ich will sehen, wie er sich bei Movistar anpasst.“ Das Umfeld könne helfen. „Er ist ein spanischer Fahrer, wird von seinen Leuten, seinen Freunden umgeben sein, und er wird sich sehr gut einleben.“
Besonders angetan zeigt sich Purito von Raul Garcia Pierna, einem weiteren Neuzugang des Movistar Teams. „Er ist der, der mir am besten gefällt.“ Er hebt dessen Mut und Entwicklungspotenzial hervor. „Er ist ein mutiger Fahrer, der viele Möglichkeiten bekommen wird.“ Den Wechsel ordnet er auch in das Chaos ein, das durch das Verschwinden von Arkea ausgelöst wurde. „Von Arkea zu Movistar zu gehen, sowohl für den Fahrer als auch für das Team … Arkea verschwand bereits und da musste etwas passieren.“

Fusionen, Verlierer und Gewinner des Winters

Dieser Hintergrund aus Verschwindenden und Fusionen bildet für Rodriguez einen der Schlüssel des Transfermarktes 2026. „Zwischen der Intermarché-Fusion mit Lotto und dem Verschwinden von Arkea … das sind 90 Fahrer, die in nur eines gehen.“ Besonders hart treffe das Fahrer mit geringerem Profil. „Ein Top-Fahrer findet immer einen Platz. Aber für diejenigen, die nicht so gut sind … ist es für viele hart.“
Ein weiteres Projekt, das seine Aufmerksamkeit gewinnt, ist Unibet Rose Rockets, ein Team mit klarer strategischer Ausrichtung. „Dieses Team hat mir gefallen.“ Besonders schätzt er den Fokus. „Wir haben ein Budget, wir müssen in etwas die Besten sein. Wir werden das beste Sprintteam.“ In diesem Zusammenhang hebt er Verpflichtungen wie Dylan Groenewegen hervor sowie die Rolle von Marcel Kittel als Sprintcoach. „Sie haben Kittel, den legendären Kittel, als Sprintcoach verpflichtet.“
Zum Abschluss beantwortet Purito direkte Fragen nach Gewinnern und Verlierern des Winters. Für ihn steht fest, welches Team am besten rekrutiert hat. „Moeglicherweise Lidl Trek.“ Auf der anderen Seite sieht er den größten Substanzverlust klar verortet. „Israel, logischerweise.“
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