Am 26. September steht bei der
Radsport-WM in Montreal das Straßenrennen der Frauen-Elite auf dem Programm. Magdeleine Vallières sorgte 2025 mit ihrem Triumph für eine große Überraschung und darf ihr Regenbogentrikot nun ausgerechnet vor heimischem Publikum verteidigen. Mit
Demi Vollering, Katarzyna Niewiadoma und Kim Le Court wartet allerdings hochkarätige Konkurrenz. Wir blicken auf die Ausgangslage und analysieren das anspruchsvolle Profil.
Erstmals wurde das WM-Straßenrennen der Frauen 1958 ausgetragen, als die Luxemburgerin Elsy Jacobs den Titel gewann. Nachdem es in den folgenden Jahrzehnten einzelne Jahre ohne Austragung gegeben hatte, rückte in den 1980er-Jahren mit Jeannie Longo eine der größten Fahrerinnen der Radsportgeschichte ins Rampenlicht. Die Französin wurde 1985, 1986, 1987, 1989 und 1995 Weltmeisterin und ist mit ihren fünf Titeln bis heute alleinige Rekordhalterin.
Von Longo und Vos bis zum Überraschungscoup von Vallières
Vor 20 Jahren gewann Marianne Vos ihr erstes Regenbogentrikot – und die Niederländerin ist bis heute aktiv. Weitere WM-Titel folgten 2012 und 2013. Anschließend trugen sich unter anderem Pauline Ferrand-Prévot und Lizzie Deignan in die Siegerliste ein.
Die Niederlande setzten ihre beeindruckende Erfolgsserie danach fort. Chantal van den Broek-Blaak triumphierte 2017, Anna van der Breggen gewann 2018 und 2020, während Annemiek van Vleuten 2019 und 2022 Weltmeisterin wurde.
In den vergangenen Jahren endete die niederländische Dominanz jedoch. Lotte Kopecky übernahm mit zwei aufeinanderfolgenden WM-Titeln 2023 und 2024 das Kommando. 2025 entwickelte sich in Kigali schließlich ein taktisch geprägtes Rennen, das mit einem Überraschungssieg von Magdeleine Vallières endete.
Magdeleine Vallières sorgte 2025 in Kigali mit ihrem WM-Triumph für eine große Überraschung – nun verteidigt die Kanadierin das Regenbogentrikot vor heimischem Publikum in Montreal.
Vorschau auf das Straßenrennen der Frauen bei der Rad-WM 2026
Das Rennen ist mit zahlreichen Spitzenfahrerinnen besetzt, doch nur eine kann das Regenbogentrikot gewinnen. Zwar gibt es eine gewisse Favoritinnenhierarchie, realistische Titelchancen haben aber etwa ein Dutzend Fahrerinnen. Im vergangenen Jahr entwickelte sich auf dem schweren Kurs in Kigali ein taktisch geprägtes Rennen. Magdeleine Vallières gewann vor Niamh Fisher-Black und Mavi García. Alle drei stehen erneut am Start, und der Kurs dürfte ihnen liegen. Zugleich hat Kigali gezeigt, wie schnell ein solches Rennen eine unerwartete Wendung nehmen kann.
Dazu kommt: Ohne Teamfunk und angesichts der individuellen Ambitionen dürften manche Nationalteams von den üblichen taktischen Mustern abweichen. Die Niederlande stellen mit Demi Vollering wohl die größte Favoritin. Sie kann am Berg und mit explosiven Antritten den Unterschied machen, bringt aber auch einen starken Sprint mit. Mit Puck Pieterse und Riejanne Markus haben die Niederländerinnen mindestens zwei weitere potenzielle Siegerinnen im Aufgebot.
Ähnlich stark sind andere Nationalteams besetzt. Vollerings Rivalin von der Tour de France Femmes, Katarzyna Niewiadoma, könnte sich für ihre Niederlage revanchieren. Sie erhält Unterstützung von Dominika Włodarczyk. Einige von Vollerings Teamkolleginnen fahren dagegen für konkurrierende Nationen: Célia Gery, Cédrine Kerbaol und Juliette Berthet für Frankreich, Lauren Dickson und Zoe Bäckstedt für Großbritannien sowie Franziska Koch, Antonia Niedermaier und Liane Lippert für Deutschland.
Die Liste der antrittsstarken Fahrerinnen mit Siegchancen ließe sich noch deutlich verlängern, auch wenn einige wegen des anspruchsvollen Kurses auf einen Start verzichten. Kim Le Court bringt alles mit, um ihr Trikot als mauritische Meisterin gegen das Regenbogentrikot einzutauschen. Lotte Kopecky hat den WM-Titel bereits zweimal gewonnen. Zuletzt zeigte sie zwar nicht ihre beste Form, doch ihr Sieg bei Mailand–Sanremo in diesem Jahr beweist, dass sie weiterhin auf höchstem Niveau gewinnen kann.
Auch Marlen Reusser, Elisa Longo Borghini und Paula Blasi standen bei der Tour de France Femmes im Blickpunkt. Dank ihrer Kletterstärke gehören alle drei in Montréal zu den gefährlichsten Fahrerinnen.
Prognose für das Straßenrennen der Frauen bei der Rad-WM 2026
★★★ Demi Vollering, Kim Le Court
★★ Elisa Longo Borghini, Katarzyna Niewiadoma, Franziska Koch, Marlen Reusser
★ Magdeleine Vallières, Cédrine Kerbaol, Célia Gery, Riejanne Markus, Puck Pieterse, Lotte Kopecky, Paula Blasi, Antonia Niedermaier, Liane Lippert, Niamh Fisher-Black, Dominika Włodarczyk
Siegtipp: Demi Vollering
So gewinnt sie: Mit einer Attacke am Hauptanstieg setzt sie sich ab und fährt solo ins Ziel.
Streckenprofil: Brossard - Montréal
Brossard - Montréal, 181 Kilometer
Mit 181 Kilometern gehört das WM-Straßenrennen zu den längsten Rennen im Frauenkalender – und gleichzeitig zu den anspruchsvollsten. Gerade die wiederholten Anstiege dürften das Rennen besonders selektiv machen und den stärksten Kletterinnen entgegenkommen.
Gestartet wird in Brossard. Erst nach rund 70 Kilometern erreicht das Peloton das Zentrum von Montreal, wo anschließend acht Runden auf dem bekannten Rundkurs absolviert werden. Während die Strecke vielen Radsportfans vom GP de Montreal bestens vertraut ist, betritt das Frauenpeloton hier Neuland: Der kanadische WorldTour-Klassiker wird bislang ausschließlich für die Männer ausgetragen.
Das Herzstück des Rundkurses bildet die Voie Camillien-Houde am Mount Royal. Der Anstieg ist 1,6 Kilometer lang und durchschnittlich 7,7 Prozent steil. Seine Kuppe liegt rund elf Kilometer vor dem Ziel. Damit bietet er den stärksten Kletterinnen auf jeder Runde die beste Gelegenheit, das Feld zu dezimieren – und im Finale möglicherweise die entscheidende Attacke zu setzen.
Auch danach bleibt kaum Gelegenheit zur Erholung. Die Anfahrt zur Zielgeraden ist unrhythmisch und beinhaltet zunächst zwei kleinere Kuppen. Anschließend wartet die Cote de Polytechnique, deren Kuppe sechs Kilometer vor dem Ziel erreicht wird. Sie ist 800 Meter lang, weist im Durchschnitt vier Prozent Steigung auf und beinhaltet Rampen von bis zu zehn Prozent.
Drei Kilometer vor dem Ziel folgt mit der Cote Pagnuelo die nächste Herausforderung. Auf 500 Metern geht es dort durchschnittlich mit 7,5 Prozent bergauf. Nach einem ohnehin langen und höhenmeterreichen Rennen könnte bereits dieser kurze Anstieg ausreichen, um eine kleine Spitzengruppe endgültig auseinanderzureißen.
Selbst die Zielgerade bietet keinen klassischen Sprint. Die letzten 500 Meter steigen mit durchschnittlich fünf Prozent an. Sollte eine Gruppe gemeinsam um das Regenbogentrikot kämpfen, werden deshalb nicht allein Sprintqualitäten entscheiden: Nach 181 Kilometern und acht anspruchsvollen Runden dürften vor allem Widerstandsfähigkeit, Explosivität und starke Kletterbeine den Ausschlag geben.
Siegerinnenliste Straßenrennen Frauen-Elite Weltmeisterschaften
| Jahr | 1. | 2. | 3. |
| 2025 | Magdeleine Vallieres | Niamh Fisher-Black | Mavi García |
| 2024 | Lotte Kopecky | Chloé Dygert | Elisa Longo Borghini |
| 2023 | Lotte Kopecky | Demi Vollering | Cecilie Uttrup Ludwig |
| 2022 | Annemiek van Vleuten | Lotte Kopecky | Silvia Persico |
| 2021 | Elisa Balsamo | Marianne Vos | Kasia Niewiadoma |
| 2020 | Anna van der Breggen | Annemiek van Vleuten | Elisa Longo Borghini |
| 2019 | Annemiek van Vleuten | Anna van der Breggen | Amanda Spratt |
| 2018 | Anna van der Breggen | Amanda Spratt | Tatiana Guderzo |
| 2017 | Chantal van den Broek-Blaak | Katrin Garfoot | Amalie Dideriksen |
| 2016 | Amalie Dideriksen | Kirsten Wild | Lotta Henttala |
| 2015 | Elizabeth Deignan | Anna van der Breggen | Megan Guarnier |
| 2014 | Pauline Ferrand-Prévot | Lisa Brennauer | Emma Johansson |
| 2013 | Marianne Vos | Emma Johansson | Rossella Ratto |
| 2012 | Marianne Vos | Rachel Neylan | Elisa Longo Borghini |
| 2011 | Giorgia Bronzini | Marianne Vos | Ina-Yoko Teutenberg |
| 2010 | Giorgia Bronzini | Marianne Vos | Emma Johansson |
| 2009 | Tatiana Guderzo | Marianne Vos | Noemi Cantele |
| 2008 | Nicole Cooke | Marianne Vos | Judith Arndt |
| 2007 | Marta Bastianelli | Marianne Vos | Giorgia Bronzini |
| 2006 | Marianne Vos | Trixi Worrack | Nicole Cooke |
| 2005 | Regina Schleicher | Nicole Cooke | Oenone Wood |
| 2004 | Judith Arndt | Tatiana Guderzo | Anita Valen |
| 2003 | Susanne Ljungskog | Mirjam Melchers-van Poppel | Nicole Cooke |
| 2002 | Susanne Ljungskog | Nicole Brändli | Joane Somarriba |
| 2001 | Rasa Polikevičiūtė | Edita Pučinskaitė | Jeannie Longo |
| 2000 | Zinaida Stahurskaya | Chantal Beltman | Madeleine Lindberg |
| 1999 | Edita Pučinskaitė | Anna Millward | Diana Žiliūtė |
| 1998 | Diana Žiliūtė | Leontien Zijlaard-van Moorsel | Hanka Kupfernagel |
| 1997 | Alessandra Cappellotto | Elisabeth Tadich | Catherine Marsal |
| 1996 | Barbara Heeb | Rasa Polikevičiūtė | Linda Jackson |
| 1995 | Jeannie Longo | Catherine Marsal | Edita Pučinskaitė |
| 1994 | Monica Valen | Patsy Maegerman | Jeanne Golay |
| 1993 | Leontien Zijlaard-van Moorsel | Jeannie Longo | Laura Charameda |
| 1992 | — | — | — |
| 1991 | Leontien Zijlaard-van Moorsel | Inga Thompson | Alison Sydor |
| 1990 | Catherine Marsal | Ruthie Matthes | Luisa Seghezzi |
| 1989 | Jeannie Longo | Catherine Marsal | Maria Canins |
| 1988 | — | — | — |
| 1987 | Jeannie Longo | Heleen Hage | Connie Meijer |
| 1986 | Jeannie Longo | Janelle Parks | Alla Jakovleva |
| 1985 | Jeannie Longo | Maria Canins | Sandra Schumacher |
| 1984 | — | — | — |
| 1983 | Marianne Berglund | Rebecca Twigg | Maria Canins |
| 1982 | Mandy Jones | Maria Canins | Gerda Sierens |
| 1981 | Ute Enzenauer | Jeannie Longo | Connie Carpenter-Phinney |
| 1980 | Beth Heiden | Tuulikki Jahre | Mandy Jones |
| 1979 | Petra de Bruin | Jenny de Smet | Beate Habetz |
| 1978 | Beate Habetz | Keetie Hage | Emanuella Lorenzon |
| 1977 | Josiane Bost | Connie Carpenter-Phinney | Minie Brinkhoff-Nieuwenhuis |
| 1976 | Keetie Hage | Luigina Bissoli | Yvonne Reynders |
| 1975 | Tineke Fopma | Geneviève Gambillon | Keetie Hage |
| 1974 | Geneviève Gambillon | Baiba Evina Tsaune-Morzik | Keetie Hage |
| 1973 | Nicole Van den Broeck | Keetie Hage | Valentina Rebrovskaia |
| 1972 | Geneviève Gambillon | Lubov Zadorojnaya | Anna Konkina |
| 1971 | Anna Konkina | Morena Tartagni | Keetie Hage |
| 1970 | Anna Konkina | Morena Tartagni | Raisa Obodovskaya |
| 1969 | Audrey McElmury | Bernadette Swinnerton | Nina Trofimova |
| 1968 | Keetie Hage | Baiba Evina Tsaune-Morzik | Morena Tartagni |
| 1967 | Beryl Burton | Lubov Zadorojnaya | Anna Konkina |
| 1966 | Yvonne Reynders | Keetie Hage | Aino Puronen |
| 1965 | Elisabeth Kleinhans-Eicholz | Yvonne Reynders | Aino Puronen |
| 1964 | Emīlija Sonka | Galina Yudina | Rosa Sels |
| 1963 | Yvonne Reynders | Rosa Sels | Aino Puronen |
| 1962 | Marie-Rose Gaillard | Yvonne Reynders | Marie-Thérèse Naessens |
| 1961 | Yvonne Reynders | Beryl Burton | Elsy Jacobs |
| 1960 | Beryl Burton | Rosa Sels | Elisabeth Kleinhans-Eicholz |
| 1959 | Yvonne Reynders | Aino Puronen | Vera Gorbatcheva |
| 1958 | Elsy Jacobs | Tamara Novikova | Mariya Lukshina |