Daniel Mangeas, die prägende Stimme des französischen Radsports, tastet sich nach einem Schlaganfall zu Beginn des Jahres 2025 langsam zurück ans Mikrofon. In einem ausführlichen Gespräch blickte der 76-Jährige auf seine Genesung, seine Liebe zum Radsport und seine Erwartungen an die Saison 2026.
Vorsichtiger Neustart nach plötzlichem Gesundheitsschock
Ein Schlaganfall ist kein Spaß, erst recht nicht mit 76 Jahren. Entsprechend behutsam wird Mangeas’ Comeback gestaltet. „Der Radsport gehört zu meinem Leben, und deshalb wollte ich Schritt für Schritt zurückkehren – nicht unbedingt direkt in den alten Rhythmus, sondern über ein paar kleinere Rennen, bei denen ich Freunde treffe, die mir enorm viel Rückhalt gegeben haben“, sagte er gegenüber
Cyclism Actu.
Mangeas blickte auf den Schlaganfall zurück. „Ich beginne mit dem, was mir das Leben kürzlich und völlig unerwartet auferlegt hat: ein Schlaganfall. Trotzdem habe ich beschlossen, einige Rennen zu kommentieren, um wieder Vertrauen zu fassen und auch, um Freunde wiederzusehen. Ich glaube, das ist das Wichtigste im Leben. Ich möchte allen danken, denn ich habe unglaublich viel Unterstützung erhalten, die mir sehr geholfen hat. Ich wollte ein wenig wieder anfangen, um einen zu abrupten Bruch zu vermeiden.“
Er bestätigte, dass er nicht allein zurückkehrt, sondern an der Seite von Kolleginnen und Kollegen. „Ich werde wieder Rennen im Duo kommentieren, mit Co-Kommentatoren wie Damien Martin, Marion Hérault-Garnier und Michel Gélizé, unter anderen. Ein paar Rennen zu zweit. Es geht auch darum, dieses Comeback gelingen zu lassen, nachdem es durch den Schlaganfall jäh gestoppt wurde. Ich will diese Rückkehr sehr schlicht gestalten, nicht spektakulär.“
Emotionale Wegmarken im Kalender 2026
Mehrere Rennen stehen bereits provisorisch im Programm, beginnend mit einem, das besondere symbolische Bedeutung trägt. „Ich kehre zuerst beim Grand Prix de la Marseillaise zurück. Das ist das erste Rennen, das ich machen werde, und mein Schlaganfall passierte an dem Tag, an dem ich eigentlich beim Grand Prix de la Marseillaise wieder einsteigen sollte. Das wird emotional sehr stark und wahrscheinlich sehr bewegend.“
Sein Plan umfasst auch weitere französische Klassiker. „Ich mache die Tour du Finistère, dann die Boucles de l'Aulne in Châteaulin mit Éric Le Balch. Danach fahre ich mit einem Freund die Franco-Belge sowie Bessèges.“
Auf die sportlichen Höhepunkte der Saison 2025 angesprochen, hob Mangeas eine Fahrerin besonders hervor. „Für mich ragt eine Frau heraus: Pauline Ferrand-Prévot. Sie hat eine außergewöhnliche Karriere im Gelben Trikot hingelegt. Sie war mehrfache Weltmeisterin und ihre Laufbahn war absolut großartig. Sie war wirklich herausragend. Für mich ist Pauline Ferrand-Prévot eine außergewöhnliche Championess.“
Mangeas lobte zudem die Entwicklung des Frauenradsports, der in den vergangenen Jahren rasant gewachsen ist. „Ich finde das absolut phänomenal. Das Publikum kam von selbst. Früher hieß es, die Männer brächten die Massen. Heute gehen die Leute gezielt zu den Frauen. Das hat Erfolge ermöglicht und vor allem Anerkennung.“
Seixas ist Frankreichs größtes Talent
Hat Seixas das Potenzial, die Tour zu gewinnen?
Beim Blick auf französische Nachwuchshoffnungen riet Mangeas zu Geduld bei Paul Seixas und glaubt nicht an ein Debüt bei der Tour de France in diesem Jahr. „Für mich nein. Ich denke, er fährt stattdessen die Vuelta. Mit erst 19 Jahren ist das, was er geschafft hat, phänomenal. Er kennt die hohen Erwartungen, aber er hat sie gut im Griff. Er hat ein außergewöhnliches Naturell und wirkt sehr souverän in der Steuerung seiner Karriere – entscheidend in einer zunehmend stressigen Radsportwelt.“
Er sagte zudem, Seixas erinnere ihn an einen der größten Franzosen – den bislang letzten französischen Tour-de-France-Sieger. „Ja, absolut. Bei Bernard Hinault spürte man, dass da etwas Großes heranwächst. Man fühlte es kommen. Bernard Hinault hatte einen sehr starken Charakter, konnte Berge versetzen. Paul Seixas wirkt ruhiger, vielleicht introvertierter oder einfach gefasster. Aber ich denke, sie folgen demselben Weg: jenem der Fahrer, die die Tour de France gewinnen wollen. Bernard Hinault hat es geschafft, und Paul Seixas scheint durchaus in der Lage, es eines Tages auch zu schaffen.“
Abschließend teilte Mangeas seine Erwartungen an die kommende Saison, in der er auf starke französische Auftritte hofft. „Ich habe große Erwartungen an diese Generation französischer Fahrer. Kevin Vauquelin – ich hoffe, er hat sich gut von der Tour de France und seiner Verletzung erholt. Romain Grégoire, Axel Laurance und Valentin Madouas sind extrem talentierte Fahrer. Ich bin auch gespannt auf Paul Magnier. Ich weiß nicht, ob er die nächste Tour de France fährt, aber er sticht klar heraus“, schloss er.