Paris-Roubaix 2026 Vorschau, Streckenprofil, Favoriten & Prognosen – Tadej Pogacar oder Mathieu van der Poel: Wer gewinnt die Hölle des Nordens?
Radsport
Die Königin aller Frühjahrsklassiker; die „Hölle des Nordens“… Paris–Roubaix ist wohl eines der einzigartigsten und markantesten Rennen im gesamten Radsport – aus gutem Grund. 2026 steigt der letzte WorldTour-Klassiker auf Kopfsteinpflaster am 12.04. und bringt die besten Klassikerfahrer in Nordfrankreich direkt gegeneinander.
Das Rennen genießt einen Ruf ohnegleichen; seine Premiere reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als der Deutsche Josef Fischer 1896 den ersten Sieg holte. Flandrien-Legenden Roger De Vlaeminck und Tom Boonen halten mit je vier Erfolgen den Rekord – errungen in den 70ern bzw. in den 2000er/2010er-Jahren.
Ein Rennen ohne einen einzigen Anstieg, aber eines der härtesten im Kalender: wegen der Distanz, der Vielzahl an Sektoren und der brutalen Beschaffenheit der Pflasterstraßen – viele davon inzwischen als Kulturgut geschützt. Marcel Kint, Rik Van Steenbergen, Fausto Coppi, Rik Van Looy, Eddy Merckx, Felice Gimondi, Roger De Vlaeminck, Francesco Moser, Bernard Hinault, Sean Kelly, Johan Museeuw… Das 20. Jahrhundert ist eine Fundgrube an Siegern, in einem Rennen, in dem oft der stärkste Fahrer gewann – unabhängig von der eigentlichen Spezialisierung.
Ein Rennen, in dem große Namen und Sensationssieger koexistieren. Das zeigte das Jahrzehnt der 2010er mit Fabian Cancellara, Tom Boonen, Peter Sagan und Philippe Gilbert als Galionsfiguren; zugleich sorgten Johan Vansummeren und Matthew Hayman an ganz speziellen Tagen für staunende Münder und wurden aus dem Nichts zu großen Stars. Denn hier zählen Taktik, Fortune und der Mut zur frühen Attacke – oft belohnt das Glück die Offensive.
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Die letzten 15 Gewinner von Paris-Roubaix
| Jahr | Sieger |
| 2025 | Mathieu van der Poel |
| 2024 | Mathieu van der Poel |
| 2023 | Mathieu van der Poel |
| 2022 | Dylan van Baarle |
| 2021 | Sonny Colbrelli |
| 2019 | Philippe Gilbert (2020 wurde abgesagt) |
| 2018 | Peter Sagan |
| 2017 | Greg Van Avermaet |
| 2016 | Mathew Hayman |
| 2015 | John Degenkolb |
| 2014 | Niki Terpstra |
| 2013 | Fabian Cancellara |
| 2012 | Tom Boonen |
| 2011 | Johan Vansummeren |
| 2010 | Fabian Cancellara |
Sonny Colbrelli gewann 2021 die bislang letzte Schlammschlacht, 2022 eröffnete Dylan van Baarle mit einem Solo einen niederländischen Lauf. Seither haben die letzten drei Ausgaben der generationenprägende Offroad-Spezialist Mathieu van der Poel gewonnen, der kurz davorsteht, den Rekord einzustellen. 2025 gewann er nach einem dramatischen Duell mit Debütant Tadej Pogacar.
Streckenprofil: Compiègne - Roubaix

Compiègne - Roubaix, 259 Kilometer
Eines der härtesten Rennen im Kalender. Paris–Roubaix ist ein Unikat, mit einer gewaltigen Distanz durch den Norden Frankreichs und 29 Kopfsteinpflaster-Sektoren, die zusammen rund 55 Kilometer abseits des Asphalts ergeben. Ein Rennen für Klassiker-Spezialisten, Kraftpakete und Ausdauer-Monster, die über Ikonen wie die Trouée d’Arenberg, Mons-en-Pévèle und den Carrefour de l’Arbre fliegen.
Wie seit einigen Jahren führt die Route über satte 259 Kilometer. Start ist in Compiègne, dann geht es gen Norden. Die ersten Pavés warten nach knapp 100 Rennkilometern – gut zwei Stunden, um Ausreißergruppe und Rennbild zu formen. Die Gruppe des Tages wird wie gewohnt hart umkämpft sein, das sorgt für einen furios schnellen Auftakt. Die kontrollierenden Teams legen die Leine eng an, wer fahren darf und wer nicht. Viele Mannschaften wollen aus taktischen Gründen Fahrer vorn positionieren – erst recht bei den zu erwartenden Witterungsbedingungen.
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Dieses Bild kennen die meisten Fahrer nur zu gut. Manche sind erleichtert, dort durchzukommen, andere weniger begeistert. Der Sektor Troisville, der erste von 30, erscheint nach etwas mehr als 95 Rennkilometern. Er ist 2,2 km lang, doch schon die anfängliche Sektorenkombination richtete im Vorjahr früh Schaden im Feld an. Hier, sagen manche, beginnt das eigentliche Rennen.

Peloton bei Paris–Roubaix 2024. @Sirotti
Haveluy nach Wallers (2.500 Meter, 102 km vor dem Ziel) führt direkt zum ikonischsten Abschnitt des Rennens. Jeder Radsportfan kennt ihn: Die Trouée d’Arenberg misst „nur“ 2.300 Meter, ist aber eine der klassischsten Szenerien des modernen Radsports. Der Sektor verläuft schnurgerade, verlangt höchste Fahrtechnik und zeigt die ganze Rohheit des Pflasters, die dieses Rennen einzigartig macht.
Die Linienwahl ist entscheidend, denn die Steine sind von brutaler Beschaffenheit. Bei hohem Tempo wird der Eingang in den Sektor zu einem der angespanntesten Momente des Tages. Das Anfahren nach Arenberg ist stets ein harter Kampf; es beginnt leicht bergab und zieht dann sanft an – Beschleunigungen sind hier schwierig, gefragt ist konstante, hohe Leistung über die gesamte Passage. Das Ende folgt bei 93 km Restdistanz, und die kleine Rampe danach ist ein klassischer Ort für Attacken.
An den Ausfahrten der Schlüsselsektoren warten die Teams mit Ersatzlaufrädern, um ihre Kapitäne schnellstmöglich zu versorgen. Glück spielt eine zentrale Rolle, Material wird oft monatelang im Voraus getestet. Ein unpassender Plattfuß oder Defekt – hier keine Seltenheit – kann das Rennen im Handumdrehen drehen und erhöht die Unberechenbarkeit.

Die Hauptfavoriten im Arenberg-Wald 2025. @Sirotti
Hornaing–Wandignies misst 3700 Meter und ist der nächste Sektor mit vier Sternen, 79 km vor dem Ziel. Danach folgt Tilloy–Sars-et-Rosières über 2400 Meter, 70 km vor Schluss. Mit 52 km verbleibend wartet der Sektor Auchy–Bersée über 2700 Meter, der das Feld für den folgenden Schlüsselabschnitt sortiert. Gemeint ist natürlich Mons-en-Pévèle: 3 km lang, endet 46 km vor dem Ziel, der zweite Fünf-Sterne-Sektor des Rennens – in einer Phase, in der die entscheidenden Attacken zu erwarten sind.
Die letzte Kombination, in der die größten Unterschiede zu erwarten sind, bilden Camphin-en-Pévèle und der Carrefour de l’Abre. Sie sind mit vier bzw. fünf Sternen bewertet, 1800 bzw. 2100 Meter lang und liegen 18,5 km bzw. 14 km vor dem Ziel.

Wout van Aert and Stefan Küng ride Carrefour de l'Arbre at 2022 Paris-Roubaix. @Sirotti
Es sind nicht die finalen Pavé-Abschnitte, doch bei der bis dahin enormen Belastung und der kurzen Distanz bis ins Ziel ist dies der ideale Ort für alle, die noch Beine haben, um zu attackieren. Der Carrefour de l’Abre verlangt technisch alles ab und fordert wiederholte Beschleunigungen – etwas, das zu diesem Zeitpunkt nicht mehr jedem Fahrer liegt.
Mit 7 km verbleibend folgt noch Willems–Hem, ein neuerer Drei-Sterne-Sektor. Dort öffnen sich selten Lücken, aber in einer Gruppe kann es passieren. Die finalen Kilometer sind bekannt: die flache Anfahrt nach Roubaix. Kommt ein größeres Feld in die Stadt, sind späte Überraschungsangriffe wahrscheinlich. Danach führt alles ins alte Vélodrome, fast schon das Symbol dieses Rennens, wo sich nach einem brutalen Tag der verdiente Sieger durchsetzt.

Map Paris-Roubaix 2026
Die Favoriten
Tadej Pogacar
Der Weltmeister geht als Topfavorit an den Start. Nicht so deutlich wie bei der Ronde van Vlaanderen (wo es eher 90/10 war), sondern eher 60/40 gegenüber Mathieu van der Poel. Das Terrain liegt ihm nicht perfekt, aber mit Florian Vermeersch hat er einen extrem starken Teamkollegen, der ideal für dieses Rennen ist und das Rennen in den letzten 110 Kilometern permanent schwer machen kann.
Das war bereits die Taktik in Flandern, und UAE hat erkannt, dass Pogacars Schlüssel zum Sieg bei Parijs-Roubaix in der Ausdauer liegt.
Damit ist gemeint: so früh wie möglich attackieren und den Gegnern über Stunden hinweg Ermüdung zufügen. Er hat vielleicht nicht die höchsten Spitzenwerte, aber am Ende von Roubaix fährt niemand mehr seine Bestwerte. Je früher das Rennen explodiert, desto größer sind seine Chancen, alle Richtung Finale abzuhängen.
Zudem sorgen kleinere Gruppen für weniger Chaos, weniger Positionskämpfe und weniger Unvorhersehbarkeit. UAE muss das gleiche Spiel spielen und auf ein anderes Ergebnis als im letzten Jahr hoffen.
Mathieu van der Poel
Wenn Pogacar 60% hat, dann hat Van der Poel 40%. Das unterschätzt nicht die anderen Favoriten, aber diese beiden liefern immer dann, wenn es darauf ankommt – und bleiben meist auch dann auf dem Rad, wenn andere stürzen.
Van der Poel hat Paris-Roubaix bereits dreimal in Folge gewonnen – eine unglaubliche Leistung in einem so chaotischen Rennen. Das liegt zum Teil daran, dass Alpecin-Deceuninck Stürze und Defekte hervorragend vermieden hat, aber auch an seinen Qualitäten: Positionierung, Ausdauer und konstant hohe Wattwerte bei langen Attacken. Und falls nötig, hat er auch einen starken Sprint.
Ein vierter Sieg in Folge wäre historisch – und absolut möglich. Seine Form ist hervorragend und sein Team deutlich stärker als in Flandern, mit Jasper Philipsen und Tibor del Grosso in Topform.
Dennoch muss er vorsichtig sein: Eine Zusammenarbeit mit Pogacar könnte ihm erneut zum Verhängnis werden. In Flandern hat er das Rennen verschenkt, indem er ohne klare Taktik mitgearbeitet hat, obwohl klar war, dass er am Ende abgehängt wird. So fährt man kein Rennen auf diesem Niveau – erst recht nicht, wenn ein Rekord auf dem Spiel steht.
Wout van Aert
Team Visma | Lease a Bike befindet sich in einer schwierigen Lage. Van Aert ist in Topform, aber steckt zwischen den Welten: zu stark, um von Pogacar und Van der Poel ziehen gelassen zu werden, aber auf dem Papier nicht stark genug, um sie abzuhängen.
Wie im letzten Jahr droht ihm daher erneut der Kampf um Platz vier. Er braucht seinen absoluten Sahnetag, viel Glück und Pech bei seinen Rivalen.
Unter den „Menschen“ ist er aber klar der Beste – genauso wie in Flandern (wenn man Remco Evenepoel außen vor lässt, der hier nicht startet). Visma hat ein starkes Team, aber vermutlich nicht stark genug, um UAE und Alpecin ernsthaft unter Druck zu setzen.
Mads Pedersen
Bei Lidl-Trek ist Mads Pedersen die große Karte. Sein fünfter Platz in Flandern zeigt, dass er in Topform ist. Seine Leistung am vergangenen Sonntag war wahrscheinlich das Maximum.
Roubaix liegt ihm besser, und ohne einen schlecht getimten Defekt im letzten Jahr hätte er wohl um den Sieg mitfahren können. Auch diesmal gilt: Er ist ein Kandidat für ganz vorne – und vielleicht derjenige, der am ehesten eine Zusammenarbeit mit Pogacar verweigert.
Die große Stärke des Teams ist jedoch die Tiefe.
- Jonathan Milan und Max Walscheid sind wahre Watt-Monster
- Jakob Söderqvist wurde Zweiter bei der U23-Ausgabe von Roubaix
- Mit Mathias Vacek und Søren Kragh Andersen hat er starke Helfer
Man darf erwarten, dass Lidl-Trek Fahrer früh in die Ausreißergruppe schickt.
Filippo Ganna
Der Fahrer von INEOS Grenadiers überzeugte zuletzt bei Gent-Wevelgem und Dwars door Vlaanderen. Seine Entscheidung, Flandern auszulassen, war nachvollziehbar – gegen Pogacar wäre dort kaum etwas möglich gewesen.
Roubaix hingegen liegt ihm besser: hohe Wattwerte, lange Belastungen und ein starkes Team mit Joshua Tarling. Positionierung und Ausdauer sind nicht seine größten Stärken, aber solide genug. Wenn alles zusammenpasst, kann er um den Sieg kämpfen.
Breites Favoritenfeld
Das Feld ist insgesamt extrem stark. Hinter den Topfavoriten folgt eine breite Gruppe von Weltklassefahrern in Topform:
- Jonas Abrahamsen
- Matej Mohoric und Alec Segaert bei Bahrain Victorious
- Jasper Stuyven und Dylan van Baarle bei Soudal Quick-Step
Auch Decathlon AG2R La Mondiale ist stark aufgestellt mit Stefan Bissegger, Daan Hoole und Oliver Naesen.
Und dann ist da noch Red Bull–Bora–Hansgrohe mit Tim van Dijke sowie Gianni Vermeersch, Laurence Pithie und Jordi Meeus.
Außenseiter
Wie jedes Jahr in Roubaix sind Überraschungen möglich. Einige Fahrer verdienen besondere Aufmerksamkeit:
- Søren Wærenskjold
- Davide Ballerini
- Marco Haller
- Fred Wright
- Michael Valgren
- Iván García Cortina
Fazit: Zwei klare Topfavoriten, aber dahinter ein extrem breites und starkes Feld. Und wie immer gilt in Roubaix: Die Kopfsteinpflaster entscheiden alles.
Prognose Paris–Roubaix 2026
*** Tadej Pogacar, Mathieu van der Poel
** Florian Vermeersch, Wout Van Aert, Mads Pedersen, Filippo Ganna
* Christophe Laporte, Jasper Philipsen, Jonas Abrahamsen, Matej Mohoric, Alec Segaert, Jasper Stuyven, Daan Hoole, Gianni Vermeersch, Tim van Dijke

Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
Radsport ist für mich mehr als Leidenschaft. Er ist ein komplexer Leistungssport, der Kontext, Genauigkeit und Verantwortung verlangt – genau diesen Anspruch vertrete ich in unserer täglichen Berichterstattung.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
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- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026











