Die Radsaison erreicht an diesem Sonntag, 12.04., einen entscheidenden Moment, wenn
Paris–Roubaix 2026 im Mittelpunkt steht. Doch dies ist nicht einfach ein weiteres Monument.
Tadej Pogacar reist mit der Chance an, einem Stück Geschichte näherzukommen, das bislang nur drei Fahrern gelungen ist.
Paris–Roubaix 2026: Fünf Rivalen gegen Pogacars Historienjagd
Ein Sieg in der „Hölle des Nordens“ würde den Leader von UAE Team Emirates - XRG dem kompletten Satz aller fünf Monumente zum Greifen nahe bringen und ihn in eine Reihe mit Merckx, De Vlaeminck und Van Looy stellen. Nachdem er in diesem Jahr bereits Milano–Sanremo
und die Flandern-Rundfahrt abgehakt hat, bleibt Roubaix eine der letzten Barrieren in einer Karriere, die die Grenzen des Sports stetig verschiebt.
Will Pogacar diesen Schritt gehen, muss er es auf die harte Tour schaffen. Die Konkurrenz, die sich ihm entgegenstellt, ist so stark und spezialisiert wie nur möglich.
Im Vorjahr debütierte Pogacar bei Paris–Roubaix und wurde Zweiter hinter
Mathieu van der Poel. Der Niederländer kehrt 2026 an der Spitze eines hochkarätigen Feldes zurück, das auch
Wout van Aert,
Mads Pedersen,
Filippo Ganna,
Jasper Philipsen und zahlreiche weitere Anwärter umfasst. Wer stellt sich also zwischen Pogacar und Radsportgeschichte?
1. Mathieu van der Poel
Wenn es einen Fahrer gibt, den Pogacar lösen muss, dann ist es Mathieu van der Poel. Der Anführer von Alpecin hat die letzten drei Ausgaben von Paris–Roubaix gewonnen und setzt auf diesem Terrain weiterhin den Maßstab.
Kaum ein Fahrer im modernen Peloton bewegt sich so kontrolliert und effizient über Kopfsteinpflaster. Selbst mit Pogacars rasantem Aufstieg in den Klassikern stellt Roubaix eine ganz andere Prüfung dar als die Anstiege Flanderns oder der Poggio. Dem Slowenen fehlen hier auch die steilen Sektoren, die ihm zuvor halfen, Rivalen abzuschütteln. Ohne Oude Kwaremont oder Paterberg wird ein Siegzug eher über dauernden Druck als über eine einzelne, entscheidende Attacke kommen müssen.
Van der Poel wiederum hat nach den verpassten Siegen bei Milano–Sanremo und der Flandern-Rundfahrt noch eine Rechnung offen – zusätzliche Motivation zu einer ohnehin beeindruckenden Bilanz.
Mathieu van der Poel posiert mit der Paris-Roubaix-Trophäe
2. Wout van Aert
Wout van Aert bleibt einer der komplettesten Fahrer im Peloton, und Paris–Roubaix ist das Monument, das ihm weiterhin entgleitet.
Seine jüngsten Auftritte deuten darauf hin, dass er auf ein weiteres Topresultat zusteuert. Ein starker Auftritt bei der Flandern-Rundfahrt, kombiniert mit konstanten Leistungen über die Kopfsteinpflaster-Kampagne, unterstreicht seine Form Richtung Roubaix.
Für Pogacar ist die taktische Aufgabenstellung klar. Van Aert in der Schlussphase auf der Radrennbahn in Schlagdistanz zu lassen, birgt offensichtliche Risiken. Nach einem so langen, harten Rennen ist ein Sprint gegen Van der Poel oder Van Aert ein Szenario, das kaum jemand freiwillig wählt.
3. Filippo Ganna
Filippo Ganna zählt zu den spannendsten Namen im Feld. Seine Fähigkeit, in großen Rennen zu liefern, ist erwiesen, und seine jüngste Form stärkt seine Ansprüche zusätzlich.
Sein Auftritt bei Milano–Sanremo 2025, als er zu Pogacar und Van der Poel zurückfuhr und Zweiter wurde, zeigte, dass er im Eintagesrennen auf höchstem Niveau mithalten kann. Zuletzt bestätigten sein Sieg bei Dwars door Vlaanderen sowohl Verfassung als auch Renninstinkt.
Letztes Jahr wurde sein Roubaix früh durch einen Defekt aus der Bahn geworfen. Bleibt er diesmal aus dem Gröbsten heraus und ist nach dem Arenberg-Wald gut platziert, hat er die Power, mit den Allerbesten bis tief ins Finale zu gehen.
4. Mads Pedersen
Mads Pedersens Frühjahr wurde von einem frühen Rückschlag geprägt, doch seine Resultate seither deuten auf stetigen Aufbau. Eine Serie starker Platzierungen bei Milano–Sanremo, E3 Saxo Classic, Dwars door Vlaanderen und der Flandern-Rundfahrt zeigt Konstanz und Widerstandsfähigkeit. Allerdings könnte das fehlende Durchrennen gegenüber Fahrern im Vollrhythmus den Ausschlag geben.
Bei der Flandern-Rundfahrt konnte er nicht mitgehen, als Pogacar an den entscheidenden Anstiegen beschleunigte – die zentrale Frage auch vor Roubaix. Dennoch legt sein früherer Auftritt hier, gepaart mit dem aktuellen Trend, nahe, dass er nicht abzuschreiben ist.
5. Jasper Philipsen
Jasper Philipsen bringt eine ganz andere Art Gefahr mit. Sein Weg zum Sieg führt nicht über die Attacke aus der Distanz, sondern darüber, das Rennen zu überstehen und mit Sprintchance im Vélodrome anzukommen.
Seine jüngste Form zeigt nach oben, mit einem Sieg bei Nokere Koerse und weiteren starken Resultaten in den belgischen Rennen. Entscheidender noch: Er hat seine Roubaix-Tauglichkeit bereits bewiesen, mit zwei zweiten Plätzen in den jüngsten Ausgaben. Kommt es spät im Rennen wieder zusammen, wird Philipsen zu einem der gefährlichsten Männer im Feld.
Kurz gesagt: Die Fahrer, die Pogacar in Paris–Roubaix am ehesten stoppen können, heißen Van der Poel, Van Aert, Ganna, Pedersen und Philipsen. Dahinter sorgt eine breite Gruppe von Außenseitern für zusätzliche Unwägbarkeiten.
Die Frage ist nun, ob einer von ihnen verhindern kann, dass Pogacar das einzige noch fehlende Monument in seine Palmares aufnimmt – und damit einen weiteren Schritt Richtung Spitze der Radsportgeschichte macht.