„Nur noch einen schweren Sturz vom Aufhören entfernt“ – Thomas De Gendt hofft, dass Wout Van Aerts Karriere so lange wie möglich weitergeht

Radsport
Mittwoch, 19 August 2026 um 8:00
Wout van Aert
Wout Van Aert ist nicht nur in Belgien ein Publikumsliebling – aus vielen Gründen. Einer davon ist seine enge Bindung zu den Fans, die er bereits zu Cross-Zeiten aufgebaut hat und die seither weiter gewachsen ist. Als Belgiens letzter Weltmeister (dreimal) genießt Van Aert naturgemäß hohes Ansehen.

Einfach ein feiner Kerl

Es ist jedoch nicht nur sein mitreißender Fahrstil, der die Massen anzieht. Thomas De Gendt betont Van Aerts Persönlichkeit als Schlüssel zu seinem exzellenten Ruf abseits des Rads. Der Ex-Profi untermalt das mit einer Anekdote über ein geliehenes Höhenschlafzelt in Spanien.
Als De Gendt zwei Monate später zurückkam, war alles ordentlich aufgebaut – dazu eine Flasche Champagner und ein Dankeszettel. „Er hätte das nicht tun müssen, aber so ist er eben: freundlich“, schreibt De Gendt in seiner Cyclingnews-Kolumne.
Nach dem Wechsel auf die Straße wurde Van Aert auch dort äußerst erfolgreich, auch wenn Verletzungspech ihn phasenweise daran hinderte, sein volles Potenzial auszuschöpfen. Umso größer war die Euphorie über seinen Sieg bei Paris-Roubaix 2026 – bei seinen Fans ebenso wie bei Van Aert selbst.

Außenseiter werden geliebt

Zumal der Visma-Profi bei Monumenten in Anwesenheit seines langjährigen Rivalen Mathieu van der Poel selten zu den Topfavoriten zählte. In jüngerer Zeit kam auch Tadej Pogacar hinzu. Genau das, so De Gendt, unterscheidet ihn vom zweimaligen Olympiasieger Remco Evenepoel.
„Wir Belgier lieben Underdogs“, erklärt De Gendt. „Remco Evenepoel sagt vorher, dass er gewinnen wird, und wenn das nicht passiert, freuen sich manche darüber“, analysiert er.
Wout Van Aert gewinnt Paris-Roubaix 2026
Wout Van Aert gewinnt Paris-Roubaix 2026

Bedeutung der Vuelta

Auch wenn Van Aert einen großen Meilenstein von seiner Liste gestrichen hat, war der Rest der Saison 2026 erneut kein Spaziergang. Zwar gewann Van Aert etwas häufiger als üblich, doch seine Form war eine Achterbahnfahrt, weshalb er die Tour de France verpasste.
Das ist bedauerlich, aber auch eine neue Chance: Van Aert kehrt als Anführer von Visma zur Vuelta a España zurück – gemeinsam mit dem jungen Sprinter Matthew Brennan. In Abwesenheit von Jonas Vingegaard bietet sich dem 31-Jährigen eine seltene Möglichkeit, sich zu behaupten. Diese Führungsrolle könnte nach und nach auf jüngere Teamkollegen übergehen, doch bei einer Grand Tour kann Van Aert allen seine Klasse in Erinnerung rufen.
„Er kann auf den Tisch hauen und sagen, dass er nur für sich fährt“, sagt De Gendt. Er werde seine eigenen Chancen nicht für irgendeinen Teamkollegen opfern. Und die Vuelta ist ebenso eine wichtige Bühne für Van Aerts Ambitionen bei den Weltmeisterschaften in Montreal einen Monat später … zumindest bis der Titelverteidiger es wieder zu seiner eigenen Show macht: „Jeder hat einen Plan, bis Pogacar angreift.“

Bitte keine Stürze mehr

Van Aert selbst legt sich nicht fest, wie lange er noch fahren will. De Gendt sieht den Rücktritt seines Landsmanns jedoch angesichts der Verletzungshistorie näher, als man zugeben möchte. „Ich glaube, er ist nur einen schweren Sturz vom Aufhören entfernt.“
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