„Nicht der nächste Nibali, sondern der erste Lorenzo Finn" - Red Bull setzt auf Italiens neues GrandTour-Talent
Radsport
Lorenzo Finn hat gerade seine erste Saison in der U23-Mannschaft hinter sich, doch in Italien ist der Hype um den 18-Jährigen bereits riesig. Nur zwölf Monate nach seinem Titelgewinn bei den Junioren holte er bei den U23-Weltmeisterschaften das Regenbogentrikot – ein Erfolg, der zwangsläufig Vergleiche mit den Großen nach sich zieht. Manche nennen ihn bereits „den nächsten Vincenzo Nibali“.
Bei Red Bull – BORA – hansgrohe, wo Finn behutsam aufgebaut wird, herrscht jedoch eine klare Botschaft: Er muss nicht der nächste irgendjemand sein. Er soll einfach Lorenzo Finn sein.
„Nein, ich glaube nicht an diese Vergleiche“, sagt Leistungsdirektor John Wakefield, der Finn persönlich trainiert, im Gespräch mit Bici.Pro. „Jemand meinte zu mir, er sei der nächste Nibali. Aber ich antworte immer: Er ist der erste Lorenzo Finn, nicht der zweite Nibali.“
Ein Wunderkind begleiten - Schritt für Schritt
Der Aufstieg von Lorenzo Finn verlief zwar schnell, aber bewusst gesteuert. Nach seinem Gewinn des Regenbogentrikots der Junioren 2024 stieg er in dieser Saison in die U23-Kategorie auf und wurde erst der fünfte Fahrer überhaupt – neben Größen wie Greg LeMond, Remco Evenepoel, Mathieu van der Poel und Matej Mohorič –, dem das seltene Kunststück gelang, zwei Weltmeistertitel in verschiedenen Altersklassen zu erringen. Sein Team erkannte sein außergewöhnliches Potenzial lange bevor die breite Öffentlichkeit darauf aufmerksam wurde.
Wakefield begann Ende 2021, mit Finn zu arbeiten: „Er war sehr jung, respektvoll und ruhig“, erinnert er sich. „Als ich seine Leistungsdaten sah, bemerkte ich sofort etwas Besonderes. Aber am meisten beeindruckte mich sein taktisches Bewusstsein. Er fuhr wie jemand, der älter und erfahrener ist – schon fast wie ein Profi.“
Diese Reife übertrug sich nahtlos auf jede neue Stufe seiner Entwicklung. „Schon als Junior passte er sich unglaublich schnell an. Und beim Aufstieg in die U23 wirkte es, als hätte er dort schon zwei oder drei Saisons Erfahrung gesammelt“, erklärt Wakefield. „Er durchlief die verschiedenen Entwicklungsstufen in rasantem Tempo. Deshalb hat uns das, was er in dieser Saison geleistet hat, nicht wirklich überrascht.“

Finn feiert seinen jüngsten Sieg in Kigali
Gewinnen lernen - und arbeiten
Der entscheidende Moment von Finns erster U23-Saison war vielleicht weniger sein Weltmeisterschaftssieg, sondern der Giro Next Gen. Ursprünglich als einer der Fahrer für die Gesamtwertung eingeplant, änderte er mitten im Rennen seine Strategie, um seinem Teamkollegen Luke Tuckwell beim Verteidigen des Rosa Trikots zu helfen.
„Natürlich wollten wir ein GC-Ergebnis mit ihm“, erklärt Wakefield. „Aber als Luke das Rosa Trikot übernahm, stellte Lorenzo sofort seine eigenen Ambitionen zurück und unterstützte ihn in jeder erdenklichen Weise. Für mich war das ein klares Zeichen von echter Reife. Ich war sehr zufrieden mit seiner Leistung beim Giro Next Gen.“
Diese Anpassungsfähigkeit setzte sich auch bei seinen ersten Einsätzen mit der WorldTour-Mannschaft fort. Weit davon entfernt, eingeschüchtert zu sein, beeindruckte Finn die erfahrenen Teamkollegen: „Das Feedback war fantastisch“, erzählt Wakefield. „Er bewegte sich perfekt durchs Feld, war immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort und machte genau das, was nötig war – egal ob er vorne Tempo machte, Flaschen holte oder aggressiv attackierte, wie bei der Weltmeisterschaft.“
Ein weiteres Jahr in der Entwicklung
Trotz des enormen Hypes rund um Finn wird er 2026 nicht sofort in der WorldTour voll durchstarten. Stattdessen bleibt er eine weitere Saison im Entwicklungsteam, während er bei ausgewählten Rennen mit der A-Mannschaft Erfahrung sammelt.
„Ja, er braucht definitiv noch ein Jahr in der U23“, betont Wakefield. „Das Umfeld dort ist ideal für seine Entwicklung. Er kann sich kontrolliert weiterentwickeln. Der Giro Next Gen und die Tour de l’Avenir sind die großen Ziele im kommenden Jahr. Gleichzeitig gibt es auch persönliche Aspekte, die er meistern muss – er hat gerade die Schule beendet und lebt noch zu Hause. Der Übergang eines jungen Fahrers in die WorldTour muss Schritt für Schritt erfolgen.“
Dieser vorsichtige Ansatz soll vermeiden, dass das Wunderkind zu früh unter Druck gerät. „Er ist ein Gewinner – er will immer Ergebnisse“, sagt Wakefield. „Aber wir setzen nicht nur auf kurzfristigen Erfolg. Jedes Rennen, das er fährt, ist ein Test, der uns hilft, seine Entwicklung zu beobachten. Selbst wenn etwas nicht nach Plan läuft, ziehen wir wertvolle Lehren daraus.“

Der Finne war Teil des Red Bull - BORA - hansgrohe Teams beim Gran Piemonte
Die Last der Erwartungen bewältigen
Die Begeisterung in Italien ist nachvollziehbar: Seit Vincenzo Nibali hat das Land keinen echten Grand-Tour-Anwärter mehr hervorgebracht. Finn gilt mit seinem taktischen Gespür, seinen Kletterqualitäten und seiner Vielseitigkeit als Hoffnungsträger – doch Hoffnung kann schnell in Druck umschlagen.
„Ja, der Druck ist real“, räumt Wakefield ein. „Der Schlüssel liegt darin, wie wir als Team ihn darin unterstützen und wie er selbst damit umgeht. Es ist fantastisch, dass das Land so leidenschaftlich ist. Aber all das Gewicht, das auf einem jungen Fahrer lastet, kann sich negativ auswirken, wenn die Dinge nicht perfekt laufen. Die Fans müssen ihn unterstützen, ohne ihn mit Erwartungen zu erdrücken.“
Anklänge an Nibali - aber seine eigene Geschichte zu schreiben
Wenn es eine moderne Parallele gibt, gibt Wakefield zu, dass es leicht nachzuvollziehen ist, warum Nibalis Name immer wieder fällt. „Im modernen Radsport reicht es nicht mehr, nur ein guter Fahrer zu sein“, sagt er. „Man muss vielseitig sein. Nibali war genau das – er gewann Eintagesrennen, einwöchige Etappenrennen und Grand Tours. Das ist das Profil, das Lorenzo möglicherweise anstreben könnte. Aber er wird es auf seine eigene Art tun.“
Finns erstes Jahr in der U23 endete mit drei Siegen und sechs weiteren Podiumsplätzen. Solche Ergebnisse beflügeln nationale Träume – und in den Händen von Red Bull handelt es sich um ein Talent, das geduldig gefördert und behutsam entwickelt werden kann.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









