„Neben einem Leader auf dem Podium zu stehen, gehört zu meinen Karrierezielen“ – Jay Vine zwischen Familie, Giro-Traum und Zeitfahr-Fokus

Radsport
durch Nic Gayer
Dienstag, 06 Januar 2026 um 14:30
Almeida, Vine, UAE
Jay Vine startet mit Rückenwind in das neue Jahr. Beim UAE Team Emirates - XRG hat der Australier seine sportliche Heimat gefunden – und privat kündigt sich mit Baby Nummer zwei der nächste große Schritt an. Vine darf eigene Ergebnisse anpeilen, versteht sich aber ebenso als Teil siegfähiger Grand-Tour-Formationen mit Fahrern wie Tadej Pogacar, Isaac del Toro oder Joao Almeida.
Nach seinem Durchbruch als Kletterer im Jahr 2022, als er bei der Vuelta a España zwei Bergetappen gewann – darunter ein direkter Schlagabtausch mit Remco Evenepoel, Primoz Roglic und Enric Mas – zählte Vine zu den prominentesten Neuzugängen der Emiratis. Drei Saisons später hat er geliefert: Gesamtsieg bei der Tour Down Under, zwei weitere Vuelta-Etappensiege inklusive Bergtrikot 2023 und 2024 sowie große Resultate wie Silber im Zeitfahren bei den Weltmeisterschaften dieses Jahres. Jay Vine hat seinen Platz im Peloton gefunden.

Giro-Ziel, flexible Rolle und ein klarer Anspruch

Der elfte Platz bei der Tour Down Under im vergangenen Jahr blieb jedoch hinter seinen Erwartungen zurück – ein Ergebnis, das er korrigieren will. „Ich bin ein bisschen unvorbereitet nach Australien gekommen, das versuche ich dieses Jahr zu beheben“, sagte Vine gegenüber Cyclingnews. „Ich war dennoch gut drauf, aber der Sport hat sich in den zwei Jahren seit meinem letzten Australien-Start weiterentwickelt. Man muss jetzt auf sehr hohem Niveau sein, um dort zu bestehen. Vor allem gegen das Jayco-Team und besonders bei den Nationals.“
Vine mit Remco Evenepoel und Ilan van Wilder auf dem Podium des WM-Zeitfahrens in Ruanda
Vine mit Remco Evenepoel und Ilan van Wilder auf dem Podium des WM-Zeitfahrens in Ruanda
Im Anschluss steht erneut die UAE Tour auf dem Programm, ein Rennen, das Vine 2024 bis zum Schlusstag anführte, bevor er spektakulär einbrach. Sein Rennkalender bleibt dabei bewusst flexibel. „Ich habe keine Ahnung, was das Team will. Mir wurde letztes Jahr bei der Vuelta auch nicht gesagt, ob ich aufs Bergtrikot fahren darf, und ich erfuhr erst zwei Tage vor San Sebastián, dass ich überhaupt die Vuelta fahre.“
Klar ist inzwischen jedoch ein Fixpunkt. Beim Medientag des Teams Mitte Dezember bestätigte Vine gegenüber CyclingUpToDate seinen Start beim Giro d’Italia. „Ich möchte den Giro dieses Jahr sicher beenden. Offensichtlich gibt es ein 40-km-Zeitfahren, das steht auf meiner Liste. Es ist bretteben, aber an beiden Enden technisch – darauf freue ich mich.“
In der vergangenen Saison startete Vine sowohl beim Giro d’Italia, den er nicht beendete, als auch bei der Vuelta a España. Dort half er Isaac del Toro und Joao Almeida jeweils zu zweiten Plätzen. Ein eigener Sieg in einer Grand-Tour-Aufstellung mit ihm steht allerdings noch aus.
„Ich möchte mit dem Team immer noch eine Grand Tour gewinnen. Neben einem Leader zu stehen, der mit welchem Pokal auch immer auf dem Podium steht – das gehört weiterhin zu meinen Karrierezielen“, sagt Vine offen. „Und wenn es nicht mit Tadej ist, dann mit Isaac oder Joao oder etwas in der Art. Das ist eines meiner Karriereziele.“

Ein besserer Zeitfahrer werden

Sein sportlicher Schwerpunkt verschiebt sich zunehmend vom reinen Klettern in Richtung Zeitfahren. Vine bleibt ein Top-Kletterer, mit zwei Bergetappensiegen bei der Vuelta, zwei Solotriumphen bei der Settimana Internazionale Coppi e Bartali, einem Podium bei der Tour de Romandie und einem Top-10-Ergebnis bei Il Lombardia, obwohl er dort nicht als Kapitän startete.
Doch gegen die Uhr will er sich profilieren. Dort setzt er seinen Fokus. Ein WM-Titel? Vine bleibt realistisch. „Wenn du gewinnen willst, ist das fast unmöglich. Ist es ein superhartes Zeitfahren, ist Evenepoel der Beste der Welt. Und ist es bretteben, ist Evenepoel der Beste der Welt, dicht gefolgt von Ganna und Tarling.“
Auf höchstem Niveau fährt Vine längst, ein Sieg blieb ihm in dieser Disziplin in diesem Jahr jedoch verwehrt – trotz vier zweiter Plätze: bei den nationalen Meisterschaften hinter Luke Plapp, bei der Vuelta a España hinter Filippo Ganna, bei den Weltmeisterschaften hinter Remco Evenepoel und beim Chrono des Nations hinter Joshua Tarling.
Am meisten schmerzte die knappe Niederlage bei der Vuelta. „Ich habe bei der Vuelta um eine Sekunde gegen Ganna verloren. Wir wissen nicht, ob ich auf dem ursprünglichen Kurs hätte gewinnen können, und ein Zeitfahren in der Schlusswoche einer Grand Tour ist ein ganz anderes Biest als ein eintägiges Einzel-Zeitfahren. Also sind dort weiterhin Ergebnisse möglich.“
Sein Fazit klingt nach klarem Plan. „Zeitfahren ist mir wichtig, und ich glaube, ich kann beides. Ich werde nie ein Super-Kletterer sein, deshalb bin ich mit meinem Klettern zufrieden. Es geht eher darum, das Zeitfahren weiter zu verbessern.“
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