„Mit João Almeida war das Verhältnis gut“ - Juan Ayuso über Pogacar, Auseinandersetzung mit Gianetti, Giro-Drama, Lidl-Trek und mehr
Radsport
Juan Ayuso konzentriert sich derzeit mit dem spanischen National Cycling Team, bevor er sich am Sonntag dem Straßenrennen der Weltmeisterschaften in Kigali stellt, bei dem er einer der Favoriten ist. Jedoch wurde er vor dem Rennen zu vielen Themen befragt, darunter seine Zeit bei UAE Team Emirates - XRG, seine Beziehungen zu seinen Teamkollegen und Managern und auch die Grand-Tour-Momente, die seine Karriere geprägt haben. Er hat einige sehr interessante Antworten gegeben.
Der UAE-Fahrer hat ein Interview mit Marca gegeben, in dem er erneut über die Schlüssel zu seinem Weggang vom UAE-Team spricht, um sich nächste Saison Lidl-Trek anzuschließen. Er äußerte sich besonders kritisch über Mauro Gianetti, den er direkt für das schlechte Gefühl verantwortlich macht, das schließlich zu seinem Ausscheiden aus Tadej Pogacars Team geführt hat.
Der 23-Jährige argumentiert, dass Gianetti die Haupttriebkraft hinter Ayusos Vertragsbruch war und es ihm nicht nur schwierig gemacht hat, sondern auch Ayuso ziemlich genervt hat, so sehr, dass es seinen Trainingsplan beeinträchtigte.
Bruch mit UAE Team Emirates
- "Diese Entscheidungen fallen nicht über Nacht. Es war Tropfen für Tropfen, bis wir sagten: das ist es."
- "Vom Giro bis La Vuelta waren es ein bisschen komplizierte Monate. Das war ein anderer Druck und Stress: der Versuch, einen Start zu verhandeln... Das hat auch viel Energie vom Training abgezogen."
- "Es verdreht sich, als Gianetti verstand, dass es keine Möglichkeit gibt, egal wie sehr er es versuchte, mich zu behalten. Von da an änderte sich seine Einstellung."
- "Wir hatten vereinbart, es nach der Vuelta anzukündigen... An diesem Montag wusste ich nichts. Um 18:30 Uhr rief mich mein Agent an und die Pressemitteilung kam pünktlich heraus. Es gab Kontroversen und sie wollten sie nutzen, um mein Image zu schädigen."
- "Das Kuriose ist, dass zu Beginn des Jahres eine Vereinbarung möglich war, aber ohne ins Detail zu gehen, hinderte erneut Mauros intolerante Haltung dies."
- "Am Ende bricht die Beziehung ab, weil es zu schwierig wurde und du wütend wirst."
- "Jetzt gehe ich zu einem neuen Team, neuen Hoffnungen. Ich möchte die guten Erinnerungen an dieses Team behalten."

Juan Ayuso hat immer betont, dass er ein gutes Verhältnis zu João Almeida hat. @Sirotti
Er legt Wert darauf zu erklären, dass der Grund für das Ausscheiden seine Beziehung zur Teamleitung und nicht zu den Fahrern ist. Auf João Almeida und Tadej Pogacar direkt angesprochen, antwortete er direkt auf die Kalenderkonflikte, die er mit beiden hatte.
Weiterlesen
Beziehung zu Kollegen und Managern
- "Mit den Teamkollegen war die Stimmung sehr gut. Das Problem lag immer mehr bei der Teamleitung. Sie haben die Situation gut verstanden und mir dabei geholfen, sie mit Humor zu nehmen."
- "Mit João Almeida war das Verhältnis gut. Sie versuchen immer, Drama zu machen, wo keines ist."
- "Mit Pogacar? Ich lasse den Zeitplan durch, den das Team für mich festgelegt hatte. Diese Entscheidungen liegen bei Matxin."
- "Mit Matxin hatte ich ein sehr gutes Verhältnis, aber es gab einen unhaltbaren Moment. Er sah sich in der Mitte, aber er respektierte mich und half mir, das Team zu verlassen."
- "Vor der Vuelta hatte ich nie ein schlechtes Bild beim Team oder ein Verhalten, das öffentliche Kritik von deinem Chef rechtfertigen würde. Solche Dinge beeinflussen dich und du verstehst die Notwendigkeit dafür nicht."
- "Bei UAE gab es nie irgendwelche Selbstkritik: Eine Etappe endete und wurde nie diskutiert, ob sie gut oder schlecht lief. Das ist es, was dann Spannungen erzeugt."

Ayuso wurde beim Giro d'Italia von Isaac del Toro überschattet. @Sirotti
Beim Giro d'Italia trat er als Anführer auf dem Papier an, aber Isaac del Toro übernahm nach und nach, während das Rennen fortschritt, obwohl das Team Ayuso schützte, bis er einbrach. Schließlich gab er das Rennen nach einem Bienenstich auf, während er bei einem Sturz auf der Strade Bianche-Etappe verletzt wurde.
Die Erfahrung mit dem Giro und der Vuelta
- "Nach dem Giro wollte ich zur Vuelta gehen. Dann hatte ich im Training mit der Verhandlung Höhen und Tiefen. Uns wurde immer gesagt, dass ich gehe, wenn Tadej nicht geht, und das ging bis zum Ende der Tour. Dieses Ausbleiben der Bestätigung bis Tage später habe ich auch nicht sehr gut verstanden."
- "Ich habe die Vuelta genossen, ich habe gute Ergebnisse erzielt und, wenn man es so betrachtet, kann ich mich nicht beklagen."
- "Das Sterrato ist immer chaotisch... Das sind Rennereien. Ich werde mich nie über Entscheidungen im Wettkampf ärgern. Was ich einforderte, war Selbstkritik, und das wurde in UAE nicht gemacht."
- "Warum habe ich am letzten Ruhetag [Pressekonferenz] nicht gesprochen? Es war die Entscheidung des Teams, ich hatte kein Problem."
Er tritt jetzt in 2026 Lidl-Trek bei, aber seine Verpflichtung weckte Bedenken bei Mattias Skjelmose, dem eine Führungsrolle und ein um ihn herum aufgebautes Team für die Zukunft versprochen worden war. Es ist ungewiss, wie die beiden zusammenarbeiten werden und wie ihr Kalender mit anderen Führungskräften wie Jonathan Milan und Mads Pedersen kombiniert werden wird.
Neues Projekt bei Lidl-Trek
- "Ich habe viele, viele Nachrichten erhalten. Vom ersten Treffen an wusste ich, dass ich passe: Das Team, das mir am meisten gefiel, war das, das am meisten auf mich gesetzt hat."
- "Ich habe aus sportlicher Überzeugung für fünf Jahre unterschrieben, nicht um eine Geldsumme sicherzustellen. Ich glaube fest an das Projekt."
- "Luca [Guarcilena] war derjenige, der am meisten Druck machte und es als möglich sah. Ich setzte mich mit ihnen und den Eigentümern von Lidl zusammen. Sie erklärten mir das Projekt und wohin sie wollen."
- "Das Erste und Wichtigste ist die Philosophie und die Mentalität. Ich bevorzuge klare Entscheidungen, ob sie gefallen oder nicht, anstatt sie in der Schwebe zu lassen. Ihre Mentalität stimmt mit meiner überein."
- "Im Oktober haben wir das erste Trainingslager. Ich möchte mich integrieren wie ein weiterer, von Teamkollegen und Personal lernen und meinen Teil beitragen."
- "Ich kenne noch nicht den Kalender. Vielleicht Tour und Vuelta, ich werfe es dort hin. Ich weiß es nicht."
- "Veränderung bringt neue Energie. Es wird ein Jahr der Veränderung."
Beziehung zu Movistar
- "Ja, ich sprach mit Eusebio und Sebas Unzué; auch Lomba. Aber es ging nicht weiter, weil die Ausgangstür von UAE mehr geschlossen als offen war. Es waren Gespräche, die nicht weitergeführt werden konnten."
Die Weltmeisterschaften in Kigali
- "Was ich meinte mit nicht für Silber unterschreiben ist, dass ich nicht mit dem Ansatz gehe, Zweiter zu sein. Ich gehe raus um zu gewinnen und dann sehen wir, was dabei herauskommt."
- "Eine Weltmeisterschaft ist eine Weltmeisterschaft. Nach den drei Grand Tours ist es meiner Meinung nach das Größte im Radsport - wer würde es nicht gerne gewinnen?"

Franco PerezRedakteur
Franco Perez ist seit 2025 Redakteur bei Radsportaktuell.de und arbeitet von Deutschland aus. Er berichtet über den professionellen Radsport mit Schwerpunkt auf der WorldTour, den großen Klassikern und den Grand Tours – darunter die Tour de France, der Giro d’Italia und La Vuelta a España – sowie über den internationalen Cyclocross-Kalender. Seine Arbeit umfasst Vorberichte und Rennberichte, in denen er Renndynamik, Taktik und Entwicklungen im Peloton klar und nachvollziehbar einordnet.
Neben eigenen Beiträgen unterstützt Franco die Redaktion vor allem redaktionell: Er überarbeitet Texte, strukturiert Inhalte und achtet auf Konsistenz und Qualität, damit Berichte präzise, verständlich und sachlich belastbar bleiben. In seiner redaktionellen Arbeit legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
Klatscht 0Besucher 0
Gerade In
Beliebte Nachrichten
Aktuelle Kommentare
- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
- Wer ist Kimi Antonelli und hat Mercedes jetzt ein Radteam?Wurm29-10-2026
- Sorry für meine Vertipper. Seltsam, dass man nichtmal 5 Minuten lang editieren kann.Wurm25-10-2026
- Ich bon etwas verwirrt, das ganze Jahr hieß es "Ineos hat mit Netcompany nen 100 Millionen Euro Fisch an Land gezogen. Plus das Total Enerfie Geld sollte doch genug vorhanden sein. Oder hat ne absurde Ablöse für Onley alles verbraucht? Dann sollte dwe Verantwortliche evtl gehangen werden ;)Wurm25-10-2026
- Hoffe sie setzen sich durch, ist überfällig und so kann's ja echt nicht weitergehen.Bonos10-10-2026
- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








