„Mir wäre beinahe der Arm amputiert worden“ – italienische Legende beendet nach 16 Profisaisons ihre Karriere
Radsport
Nach sechzehn Saisons im Profi-Peloton hat Davide Cimolai beschlossen, seine lange Karriere zu beenden. Der Italiener kann auf neun Siege, 15 Grand Tours, 27 Monumente sowie Stationen bei sechs verschiedenen Teams zurückblicken – zuletzt verbrachte er zwei Jahre bei Movistar.
In einem aktuellen Interview mit bici.pro sprach Cimolai über seine ereignisreiche Laufbahn und seine Pläne für die Zeit nach dem Profiradsport. Dabei verriet er, dass er zwei große Vorhaben verfolgt – eines kurzfristig, eines langfristig.
„Eines liegt außerhalb des Sports, im Agrarsektor – ein Bereich, der mich schon immer interessiert hat. Da sich dieses Projekt jedoch noch in einer sehr frühen Phase befindet, möchte ich derzeit nicht näher darauf eingehen.“
„Das andere zielt darauf ab, dem Radsport treu zu bleiben. Ich möchte diese Welt nicht vollständig hinter mir lassen. Sechzehn Jahre Erfahrung im Profibereich sind ein wertvolles Kapital, das man nicht ungenutzt lassen sollte – und das habe ich auch nicht vor. Mein Ziel ist es, meine Erfahrung weiterzugeben, vor allem an junge Fahrer. Ich arbeite an der Eröffnung eines ‚Studios‘, in dem junge Menschen und Athleten unterstützt werden sollen, damit sie diesen Sport professionell und mit Leidenschaft ausüben können. Eine offizielle Ankündigung wird folgen, sobald alles bereit ist.“
Eine Saison geprägt von Krankheit und Rückschlägen
Cimolai erklärte, dass der Rücktritt ursprünglich nicht für dieses Jahr geplant gewesen sei. „Ich beginne am Anfang der Saison: Ich bin mit der Absicht gestartet, noch ein weiteres Jahr zu fahren – also bis 2026. Doch die Realität entfernte sich sehr schnell von meinen Erwartungen.“
Schon früh war seine Saison von Rückschlägen geprägt, die ihn daran hinderten, sein wahres Leistungsvermögen zu zeigen. „In Oman habe ich mir eine schwere Grippe eingefangen, die mich stark geschwächt hat, und trotzdem musste ich fahren. Danach bin ich – obwohl es eigentlich falsch war – direkt zur UAE Tour weitergereist, weil ich ohnehin schon dort war. Das Team hat mich in letzter Minute nominiert, und glauben Sie mir: Ich habe gekämpft und alles gegeben, nur um überhaupt ins Ziel zu kommen. Ähnlich verlief es anschließend bei mehreren Rennen, darunter der Strade Bianche und einige Nordklassiker.“
Dann folgte ein schwerwiegender Zwischenfall, der beinahe das Ende seiner Karriere – und mehr – bedeutet hätte. „Ich war für den Giro d’Italia vorgesehen und fuhr deshalb die Tour de Romandie. Dort passierte dann das Schlimmste: eine schwere Infektion im Arm, ausgelöst durch eine vernachlässigte Wunde. Ich sage nur so viel: Ich musste ins Krankenhaus und stand kurz vor einer Amputation. Ironischerweise war nicht einmal der Arm selbst das größte Problem, sondern die enormen Antibiotikamengen, die ich einnehmen musste.“
Die anschließende aggressive Behandlung forderte einen hohen Preis und beendete praktisch seine Saison. „Sie haben mich extrem geschwächt. Ich hatte in meinem Leben zuvor nie eine Ohrenentzündung – und dann hatte ich innerhalb weniger Wochen gleich drei. Diese gesundheitlichen Probleme verhinderten, dass ich jemals wieder bei 100 Prozent war – und das ist mit 36 Jahren unerlässlich, um konkurrenzfähig zu sein und vor allem Freude am Rennfahren zu haben.“
Nach der langsamen Genesung folgte der letzte Rückschlag – und der war endgültig. „Es waren insgesamt drei extrem harte Monate, in denen ich fast gar nicht gefahren bin. In Livigno konnte ich mich dann zwar gut vorbereiten und bestritt noch ordentliche Rennen, etwa in Wallonien und Polen. Doch in Polen habe ich – wie viele andere – schwer Covid bekommen. Am Ende hat mich die Summe der körperlichen, aber vor allem der mentalen Schwierigkeiten erkennen lassen, dass meine Zeit als Profi vorbei ist. Und das, obwohl ich dem Team bereits für ein weiteres Jahr zugesagt hatte.“
Auch die Situation rund um Fernando Gaviria, für den er als Anfahrer vorgesehen war, spielte bei seiner Entscheidung eine Rolle – zumal der Kolumbianer 2025 sieglos blieb.
„Das hatte einen erheblichen Einfluss. Es hat meine Arbeit als Lead-out-Fahrer noch wertvoller gemacht. Vielleicht hätte sich mit einem Sieg auch für mich etwas verändert. Trotzdem bin ich stolz auf meinen Einsatz und auf die neue Rolle, die ich mir erarbeitet habe: nah bei den jungen Fahrern zu sein und ihnen beim Wachsen zu helfen. Aber ich möchte klarstellen, dass ich nicht mit Reue oder Ausreden aufhöre. Das hier ist einfach die Realität.“
Von zentraler Bedeutung war dabei die Unterstützung seiner Familie – insbesondere seiner Partnerin. „Ich hatte Familie und Freunden meinen möglichen Rücktritt bereits angedeutet. Meine Partnerin Alessia war über all die Jahre meine größte Stütze und mein Orientierungspunkt. Sie hat mich immer ermutigt weiterzumachen, selbst in den schwierigsten Momenten – etwa nach meiner Zeit bei Cofidis, als ich große Risiken eingegangen bin. Sie war überzeugt, dass sich ein anderes Team melden würde. Jetzt ist sie auch mit meiner Entscheidung glücklich … nicht zuletzt, weil sie mich öfter zu Hause sieht. Ehrlich gesagt: Ich bin jetzt seit einem Monat daheim – und in mancher Hinsicht war das Leben als Profiathlet tatsächlich bequemer!“

Davide Cimolai war über seine Karriere ein äußerst verlässlicher Helfer
Rückblende ins Jahr 2010
Mit Blick auf sein Profidebüt in Argentinien erinnert sich Cimolai noch sehr lebhaft – einfach war der Einstieg ins Profileben keineswegs.
„Ich erinnere mich gut an mein Debüt 2010 bei der Tour de San Luis in Argentinien. Ich war damals bei Liquigas. Als Amateur war ich es gewohnt zu gewinnen und im Wind zu fahren, um mich auf den Sprint vorzubereiten. In San Luis hingegen war Francesco Chicchi unser Sprintkapitän. Ich fand mich also sofort in der Rolle wieder, Ausreißer zurückzuholen und ihn im Finale nach vorn zu bringen. Gleichzeitig war auch Vincenzo Nibali im Team. Und so kam es, dass Vincenzo das Zeitfahren gewann und das Leadertrikot übernahm – was es für mich noch schwieriger machte. Von Beginn an musste ich ganz vorne fahren, um die Führung zu verteidigen.“
Für Cimolai war damals nahezu alles neu. Sogar das Preisgeld, das zu jener Zeit noch bar ausgezahlt wurde, hielt eine Überraschung für ihn bereit. „Es war schön zu sehen, dass man mit Prämien teilweise mehr einnehmen konnte, als man ausgab. Ich kam zu einem Team wie Liquigas, aber startete mit dem Mindestvertrag. Ich verdiente sehr wenig. Das Preisgeld wurde damals noch bar ausbezahlt, und ich kehrte mit ein paar Dollar in der Tasche nach Hause zurück. Das war ebenfalls eine Überraschung – aber eine angenehme.“
Als Mensch und Athlet, sagt er, sei er gemeinsam mit einem Sport gereift, der selbst immer anspruchsvoller geworden ist. „Der Radsport hat sich verändert, vielleicht sogar auf eine interessante Weise. Mit der Reife, die ich heute habe, und mit dem Einsatz der letzten Jahre habe ich erkannt, dass ich früher mehr hätte investieren können. Ich sage nicht, dass ich dadurch mehr gewonnen hätte. Aber vieles fiel mir damals leichter. Ich habe meinen Teil mit großem Engagement erfüllt – doch im Rückblick hätte ich noch einen weiteren Schritt machen müssen, um wirklich bei 100 Prozent zu sein. Ich habe verstanden, dass ich mental fragiler war, als mir bewusst war.“
Diese Entwicklung sei schrittweise erfolgt – mit entscheidender, wenn auch möglicherweise etwas später Unterstützung durch seinen Trainer bei Movistar. „Es ging nicht von heute auf morgen. Aber Leonardo Piepoli, mein Trainer bei Movistar, hat mir die Augen geöffnet. Er war extrem hilfreich, hat mir geholfen zu reifen und die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten – sogar das Training selbst. Als wir analysierten, wie ich in den Jahren zuvor gearbeitet hatte, sagte er mir ganz offen, dass ich in der Vorbereitung zahlenmäßig mehr hätte leisten können.“
Was sind seine schönsten Erinnerungen?
Unter all den Rennen, die er im Laufe seiner Karriere bestritten hat, berührt Milano–Sanremo Cimolai am tiefsten. „Davon habe ich immer geträumt. Vielleicht, weil ich Italiener bin – wer weiß. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit vor Covid, als es noch ein klassisches Sprinterrennen war. Schon beim Start in Mailand konnte ich es kaum erwarten, zum Poggio zu kommen, immer mit diesem inneren Dilemma: sprinten oder angreifen? Verstehst du – ich hielt es damals fast für selbstverständlich, über den Poggio zu kommen. Heute ist das unmöglich.“
Neben der Classicissima nennt er auch eine belgische Klassikerin sowie das größte Rennen der Welt. „Mich hat vor allem auch die Flandern-Rundfahrt extrem gepackt. Ich hatte das Glück, sie mehrmals fahren zu dürfen, und diese Atmosphäre dort oben – unglaublich. Und außerdem ist man kein richtiger Profi, wenn man nicht wenigstens versucht hat, eine Tour de France zu fahren und sie auch zu beenden.“
An die Tour erinnert sich Cimolai besonders an sein Debüt im Jahr 2013. „Ich habe meine erste Tour sehr klar in Erinnerung, schon allein, weil ich auf einer Etappe fast aufs Podium gefahren wäre. Vielleicht, weil ich alles recht locker angegangen bin und den enormen Stress der Grande Boucle damals noch nicht richtig gespürt habe. Insgesamt bin ich die Tour fünfmal gefahren und habe jedes Mal Paris erreicht. Und das Gefühl, auf die Champs-Élysées einzubiegen, war jedes Jahr genau dasselbe. Das ist meine schönste Tour-Erinnerung.“
Zum Abschluss richtete er noch einen klaren Rat an die junge Generation. „Wenn du Profi werden willst, musst du diese Realität annehmen und dich anpassen. Mit 20 oder 21 musst du heute bereits in Topform sein. Früher hat man gewisse Mentalitäten und Fähigkeiten erst mit 20 oder 22 entwickelt – heute musst du sie mit 15 haben. Du brauchst diesen Traum, Profi zu werden. Ich hatte ihn mit 18 oder 19. In diesem Alter war ich regelrecht besessen vom Rennfahren und vom Weg in den Profibereich. Heute musst du dem Spiel immer einen Schritt voraus sein.“
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- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









