Mathieu van der Poels „normales Leben“ im neuen Dokumentarfilm: „Zu Hause ist er nicht anders als der Mathieu, den man in den Rennen sieht“

Radsport
Donnerstag, 09 April 2026 um 16:30
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Mathieu van der Poels Saison 2026 hat seinen Status als einer der prägenden Fahrer seiner Generation bereits untermauert, vom frühen Ausrufezeichen beim Omloop Het Nieuwsblad bis zu direkten Duellen mit Tadej Pogacar in Sanremo und Flandern. Abseits von Kopfsteinpflaster und Scheinwerferlicht bietet jedoch eine neu veröffentlichte Dokumentation eine andere Perspektive auf den Alpecin-Premier Tech-Fahrer.
In This is Home, produziert in Zusammenarbeit mit Shimano, öffnet Van der Poel die Tür zu einem privat selten sichtbaren Teil seines Lebens, an der Seite seiner Familie und Partnerin Roxanne. Im Zentrum steht nicht Dominanz oder Rivalität, sondern etwas deutlich Schlichteres. Wie Van der Poel selbst sagt: „Wie normal mein Leben ist. Und die enge Bindung zu meiner Familie.“
Diese Normalität steht im Kontrast zu seiner Rolle im modernen Peloton. Allein im vergangenen Jahr hat Van der Poel weiterhin die größten Rennen geprägt, Monumente gewonnen und seine gewohnte Winterdominanz im Cyclocross bestätigt. Die Doku verlagert den Fokus jedoch bewusst weg von Ergebnissen hin zur Routine.
„Wir hatten das Gefühl, dass jetzt der richtige Moment ist, ein vollständigeres Bild davon zu zeigen, wer ich bin. Als Athlet, aber auch als Mensch“, erklärt er und rahmt das Projekt als bewusste Entscheidung ein, nicht als Abkehr von seiner sonst zurückhaltenden Haltung in Sachen Privatsphäre.

Eine andere Seite eines prägenden Klassikerspezialisten

Der Film wechselt zwischen Schauplätzen in Belgien und Spanien und spiegelt die Struktur von Van der Poels Leben abseits der Rennen. In ’s Gravenwezel unterstreichen Szenen im Familienhaus den Einfluss einer Linie, die seine Karriere geprägt hat, von der Anleitung durch seinen Vater Adrie bis zum weiteren Erbe der Familie Poulidor.
Diese Prägung wird nicht mythisch überhöht, sondern bodenständig erzählt. Geschichten aus seinen frühen Jahren zeichnen einen Fahrer, der schon damals eigenständig war, bisweilen stur, bereit, Ratschläge zu ignorieren und seinem Instinkt zu folgen. Eigenschaften, die in seiner heutigen Rennweise sichtbar bleiben.
Abseits des Rads betont die Doku die Routinen, die seine Konstanz tragen. Zeit mit Freunden auf dem Golfplatz ist ein Beispiel. „Ich bin ein bisschen vom Golf besessen“, gibt er zu. „Es ist eine schöne Art, mit Freunden aufzuholen und mal vom Rad wegzukommen.“
Dieses Gleichgewicht aus Intensität und Abstand ist zu einem Wesenskern von Van der Poels Karriere geworden. Selbst in einer Saison, in der er erneut im Zentrum der größten Rennen steht, liegt der Schwerpunkt darauf, ein stabiles Umfeld zu pflegen, statt ständiger Öffentlichkeit nachzujagen.
„Ich bleibe fokussiert, indem ich in einer vertrauten Umgebung bin und an einfachen Routinen festhalte“, sagt er. „Das gilt aber auch für unsere Basis in Spanien, wo ich wirklich entspannen und auftanken kann, oft bei deutlich besserem Wetter.“

„So wie ihr ihn seht, so sehe ich ihn auch“

Wenn die Dokumentation Einblicke in Van der Poels Umfeld liefert, dann prägt Roxannes Blick womöglich ihre zentrale Botschaft.
In einer Szene zu Hause betont sie eine Konstanz zwischen öffentlichem Bild und Privatleben, die bei Fahrern seines Profils selten ist. „Zuhause ist er nicht anders als der Mathieu, den ihr in den Rennen seht“, sagt sie. „So wie ihr ihn seht, so sehe ich ihn auch.“
Dieser Satz durchschneidet die übliche Trennung zwischen Sportler und Mensch. In einem Sport, in dem Erzählungen oft um Druck, Erwartung und Rivalität kreisen, präsentiert This is Home Van der Poel als jemanden, dessen Identität durch Erfolge weitgehend unverändert bleibt.
Das schmälert seine Leistungen nicht. Im Gegenteil, es rahmt sie neu. Derselbe Fahrer, der die größten Klassiker der Welt diktieren kann, ist auch jemand, der Wert auf Routine, Vertrautheit und einen engen Kreis abseits des Sports legt.
Für einen Fahrer, der einen Großteil des vergangenen Jahrzehnts im Zentrum der größten Momente des Radsports stand, ist das vielleicht die aufschlussreichste Erkenntnis überhaupt.
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