„Das ist kein Zufall“ – UCI verhängt in letzter Minute ein umstrittenes Verbot gegen Vismas Reifendrucksystem vor Paris–Roubaix, während der Sportliche Leiter des Teams über die Entscheidung schäumt

Radsport
Donnerstag, 09 April 2026 um 13:30
Van Aert
Paris-Roubaix ist ein Rennen der schmalen Margen. Über mehr als 50 Kilometer Kopfsteinpflaster entscheidet nicht nur die pure Kraft, sondern wie gut Fahrer und Material das Chaos überstehen.
Das macht die späte Entscheidung der UCI, Vismas Reifendrucksystem zu verbieten, so bedeutend. Nur Tage vor der Ausgabe 2026 fällt eines der wenigen explizit für die Hölle des Nordens entwickelten Werkzeuge weg.

Ein System für die Anforderungen von Roubaix

Anders als andere Monumente zwingt Paris-Roubaix die Fahrer zu ständigen Wechseln zwischen glattem Asphalt und einigen der brutalsten Straßenbeläge im Profiradsport. Das Managen des Reifendrucks über diese Übergänge ist seit Langem eine Herausforderung.
Vismas System bot eine Lösung. Fahrer konnten den Druck im Rennen anpassen, ihn auf dem Pavé für Grip und Komfort senken und auf den Straßenabschnitten für Tempo wieder erhöhen. In einem Rennen, in dem Positionierung, Plattfüße und Fahrtechnik alles entscheiden können, war diese Flexibilität klar wertvoll. Und 2026 hätte sie wichtiger denn je sein können.
Mit engeren frühen Sektoren und weniger Erholung zwischen den Kopfsteinpflasterpassagen dürfte die Strecke in diesem Jahr das Material schon in der Anfangsphase stärker belasten.

Später Eingriff der UCI

Trotz bereits erfolgter Renneinsätze wird das System am Sonntag nicht zu sehen sein. „Wir haben vor zwei Wochen einen Brief erhalten, dass das System bis zum Saisonende verboten ist“, sagte Mathieu Heijboer, Head of Performance bei Team Visma | Lease a Bike, im In De Waaier Podcast.
Die Begründung der UCI zielt auf Regeln zur kommerziellen Verfügbarkeit ab. Der Verband zweifelt, ob das System diese erfüllt, nachdem die dahinterstehende Firma Anfang des Jahres Insolvenz angemeldet hatte.

„Eine vage Geschichte“ und keine Vorwarnung

Für Visma hat die Erklärung keine Klarheit gebracht. „Eine vage Geschichte.“
Das System ist nach dem Neustart des Unternehmens wieder am Markt, seine Nutzung in jüngsten Rennen hatte keine Bedenken ausgelöst. „Es gab auch keine Vorwarnung. Wir haben es sogar noch beim GP Denain eingesetzt.“
Diese fehlende Ankündigung schärft den Frust im Team.

„Das ist kein Zufall“

Paris-Roubaix reagiert sensibel auf Materialentscheidungen, und das Timing des Urteils bleibt nicht unbemerkt. „Das ist natürlich kein Zufall.“
Bei Strafen von Verwarnungen bis zur Disqualifikation bleibt kein Spielraum. „Dieses Risiko werden wir selbstverständlich nicht eingehen.“
Für Wout van Aert ist die Auswirkung unmittelbar. Der Belgier jagt weiterhin seinen ersten Paris-Roubaix-Titel, und in einem Rennen, in dem kleine Vorteile den Ausgang prägen, ist die Streichung eines speziell für das Kopfsteinpflaster entwickelten Systems nicht unerheblich.
Auf die direkte Frage, ob das seine Chancen beeinflusse, war Heijboer deutlich. „Ja.“
Wout van Aert bei der Flandern-Rundfahrt 2026
Wout van Aert at the 2026 Tour of Flanders

Eine Variable weniger in einem Rennen des Chaos

Paris-Roubaix folgt selten der Erwartung. Defekte, Positionierung und pure Unvorhersehbarkeit prägen das Ergebnis ebenso wie rohe Watt. In diesem Jahr ist jedoch eine Variable gestrichen, noch bevor das Rennen beginnt.
In einem Monument, das von Unsicherheit lebt, könnte schon das den Ausschlag geben.
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