Bei der
Tour de France Femmes 2026 verschärft der Weltradsportverband UCI die Kontrollen vor dem Einzelzeitfahren der vierten Etappe. Die Kommissäre haben alle Teams darüber informiert, dass am Dienstag die Bekleidung der Fahrerinnen verstärkt überprüft wird. Hintergrund sind Hinweise mehrerer Mannschaften, wonach Fahrerinnen ihre Körbchengröße künstlich vergrößern sollen, um sich einen aerodynamischen Vorteil zu verschaffen.
Mehrere Frauen-WorldTour-Teams hatten sich an die UCI gewandt und eine konsequente Durchsetzung des Reglements gefordert. Dieses untersagt ausdrücklich das Platzieren von Gegenständen zur Vergrößerung der Brustpartie im Zeitfahren. Nach aktuellen Erkenntnissen kann ein solcher Eingriff einen aerodynamischen Vorteil von bis zu 0,78 Sekunden pro Kilometer bringen.
UCI kündigt verstärkte Kontrollen vor dem Zeitfahren an
Das UCI-Reglement verbietet das Anbringen zusätzlicher Objekte im Brustbereich. In Artikel 1.3.033 ist festgelegt, dass Bekleidung ausschließlich ihrer eigentlichen Funktion dienen darf und die natürliche Körperform einer Fahrerin nicht künstlich verändern darf.
Eine besondere Disziplin des Radsports: Das Zeitfahren.
Wie
Wielerflits berichtet, haben mehrere Teams die UCI dazu aufgefordert, diese Regel während der Grand Tour konsequent durchzusetzen. Dem Bericht zufolge wurde die künstliche Manipulation von Bekleidungsgrößen oder -formen bei verschiedenen Zeitfahren in den vergangenen Monaten und Jahren mehrfach beobachtet.
Am Montagabend informierte die UCI-Jury sämtliche Teams darüber, dass die Kleidung der Fahrerinnen gezielt kontrolliert werde, um die Ausnutzung künstlich vergrößerter Körbchengrößen zu verhindern. Die Überprüfungen sollen vor dem Start des Zeitfahrens von einer weiblichen UCI-Kommissärin durchgeführt werden.
„Besondere Aufmerksamkeit gilt der Einhaltung von Artikel 1.3.032 des UCI-Reglements, einschließlich nicht wesentlicher Elemente sowie Kleidung oder anderer von einer Fahrerin getragener Gegenstände/Accessoires (einschließlich, aber nicht beschränkt auf Helme, Brillen, Schuhe oder Kommunikationsausrüstung während des Rennens), die die Physis der Fahrerin verändern könnten“, erklärte die UCI-Jury.
Als sogenanntes „Chest Fairing“ kann eine vergrößerte Brustfläche die Luftströmung um die Fahrerin verändern und dadurch im Zeitfahren über mehrere Kilometer hinweg einen messbaren aerodynamischen Vorteil erzeugen.
Aerodynamik-Experte: Sekunden können den Unterschied machen
Gerade auf dem 21 Kilometer langen Einzelzeitfahren der vierten Etappe könnte sich dieser Effekt, wenn er konsequent ausgereizt wird, deutlich bemerkbar machen.
„Das ist eindeutig nicht in Ordnung“, sagte Bert Blocken, Professor für Aerodynamik an der Heriot-Watt University in Schottland sowie an der LUT University in Finnland, gegenüber Wielerflits.
„Wir sprechen hier von einer Chest Fairing, die die Strömung um den Körper verändert und dadurch den Überdruck an den Oberschenkeln reduziert. In der Folge erfährt die Fahrerin weniger Luftwiderstand. Es ist nicht so, dass man damit im Zeitfahren Dutzende Sekunden gewinnt, aber auf einer Strecke von 20 bis 30 Kilometern können Sekunden herausspringen, die entscheidend sein können.“