Mit der Bestätigung von Tadej Pogacars Start bei der
Vuelta a Espana 2026 hat sich die Ausgangslage der Spanien-Rundfahrt grundlegend verändert. Was noch vor wenigen Tagen nach einer offen gestalteten Grand Tour mit zahlreichen Anwärtern auf das Rote Trikot aussah, hat sich nun zu einem Rennen mit einem klaren Topfavoriten entwickelt.
Der Slowene, der den Weltradsport derzeit dominiert, nimmt in Spanien das nächste historische Ziel ins Visier. Mit einem Triumph bei der Vuelta würde er auch die dritte Grand Tour in sein Palmarès aufnehmen und seine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte um ein weiteres Kapitel erweitern.
Die Strecke bietet Pogacar nahezu perfekte Voraussetzungen
Neben der Frage nach dem Gesamtsieg beschäftigt die Fans vor allem eines: Wie viele Etappen kann Pogacar gewinnen? Ein Blick auf
die von Vuelta-Direktor Javier Guillén entworfene Strecke zeigt, dass sich dem Kapitän von UAE Team Emirates-XRG außergewöhnlich viele Möglichkeiten bieten. Natürlich werden Rennverlauf, Ausreißergruppen, Teamtaktik und die Tagesform des Slowenen Einfluss auf das Geschehen nehmen. Dennoch gibt das Streckenprofil Anlass zu der Annahme, dass Pogacar an bis zu zwölf Etappen als klarer Favorit ins Rennen gehen könnte.
Tadej Pogacar zählt bei der Vuelta a Espana 2026 auf zahlreichen Etappen zu den Topfavoriten auf den Tagessieg.
Den Auftakt bildet ein nur knapp neun Kilometer langes Einzelzeitfahren durch die Straßen von Monaco. Auf dem Papier zählt diese Prüfung zwar nicht zu Pogacars besten Gelegenheiten, da ausgewiesene Zeitfahrspezialisten hier im Vorteil sein dürften. Dennoch sollte der Slowene bereits am ersten Tag zu den stärksten Fahrern gehören.
Die ersten echten Siegchancen folgen unmittelbar danach. Die zweite Etappe endet an einem kurzen Schlussanstieg, der wie geschaffen für einen explosiven Fahrer seines Kalibers ist. Noch besser scheint ihm die dritte Etappe zu liegen, auf der mehrere aufeinanderfolgende Anstiege im Mittelgebirge auf die Fahrer warten. Bereits dort könnte Pogacar erstmals das Rote Trikot übernehmen.
Auch die vierte Etappe mit Ziel in Andorra gehört zu den Tagesabschnitten, die der Weltmeister rot im Kalender markieren dürfte. Zwar liegt der letzte große Anstieg relativ weit vor dem Ziel, doch Pogacar hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass er Rennen nicht erst auf den letzten Kilometern entscheidet. Attacken aus großer Distanz zählen seit Jahren zu seinen größten Stärken.
Nicht jede wellige Etappe spricht allerdings automatisch für den Slowenen. Die fünfte Etappe mit einem Anstieg der dritten Kategorie rund 25 Kilometer vor dem Ziel dürfte eher einer Fluchtgruppe oder anderen Fahrertypen entgegenkommen und zählt deshalb zu den wenigen Tagen, an denen Pogacar wohl nicht als erster Sieganwärter gilt.
Kaum flache Etappen eröffnen immer neue Möglichkeiten
Auffällig ist der Mangel an komplett flachen Abschnitten in der ersten Rennhälfte. So bietet die sechste Etappe mit einem Anstieg der ersten Kategorie rund 20 Kilometer vor dem Ziel in Castellón erneut ideale Voraussetzungen für eine Attacke des UAE-Kapitäns. Auf der siebten Etappe nach Valdelinares scheint ihm das Profil sogar noch besser entgegenzukommen.
Die achte Etappe richtet sich dagegen eher an kraftvolle Fahrer, die kurze, intensive Anstiege gut verkraften, weshalb sie nicht zu Pogacars aussichtsreichsten Chancen zählt. Ganz anders präsentiert sich die neunte Etappe: Das Finale am Alto de Aitana nach einer anspruchsvollen Bergetappe macht den Slowenen einmal mehr zum Topfavoriten auf den Tagessieg.
Nach dem ersten Ruhetag stehen einige Etappen auf dem Programm, die den Klassementfahrern weniger entgegenkommen. Sowohl das Finale in Elche de la Sierra als auch die Ankunft in Lorca scheinen eher für Ausreißer oder die wenigen verbliebenen Sprinter geeignet zu sein, die ein anspruchsvolles Profil überstehen. An diesen Tagen dürfte Pogacar vor allem darauf bedacht sein, das Rennen zu kontrollieren und seine Position im Gesamtklassement abzusichern.
Auch die zweite Rennhälfte spielt Pogacar in die Karten
Mit Beginn der zweiten Woche steigen die Erfolgsaussichten des Slowenen erneut deutlich. Die zwölfte Etappe mit einer Bergankunft nach zwei Anstiegen der ersten Kategorie gehört zu den vielversprechendsten Etappen der gesamten Rundfahrt. Gleiches gilt für die legendäre Sierra de la Pandera, deren steile Rampen ideale Voraussetzungen bieten, um die Konkurrenz im Kampf um das Rote Trikot unter Druck zu setzen.
Zwar dürfte nicht jeder Bergtag automatisch in Pogacars Hände spielen. Einige mittelschwere Etappen könnten durchaus an erfolgreiche Fluchtgruppen gehen, zumal UAE Team Emirates-XRG seine Kräfte gezielt für die entscheidenden Tage einteilen dürfte. Dennoch reiht der Streckenverlauf weiterhin zahlreiche explosive Finals aneinander, die den Qualitäten des Slowenen entgegenkommen.
In der Schlusswoche stehen schließlich zwei nahezu flache Etappen auf dem Programm, die den Sprintern vorbehalten sein könnten. Das sind zugleich die wenigen Tage, an denen Pogacar kaum als Favorit auf den Etappensieg gelten dürfte, weil das Streckenprofil keine seiner typischen Stärken fordert.
Anschließend eröffnen sich dem Weltmeister jedoch wieder mehrere Möglichkeiten. Das Einzelzeitfahren könnte ihm eine weitere Siegchance bieten, zumal einige seiner stärksten Konkurrenten gegen die Uhr entweder Schwächen besitzen oder die Strapazen der Rundfahrt stärker zu spüren bekommen könnten. Hinzu kommen die Bergankünfte an den Peñas Blancas, der Hors-Catégorie-Anstieg der 20. Etappe sowie das Finale in Granada – allesamt Abschnitte, auf denen Pogacar erneut als erster Anwärter auf den Tagessieg gelten dürfte.
Die Streckenanalyse lässt damit theoretisch bis zu zwölf Etappensiege für den Slowenen zu. Dass Pogacar diese Zahl tatsächlich erreicht, erscheint allerdings äußerst unwahrscheinlich. Rennverlauf, Fluchtgruppen, die zunehmende Belastung über drei Wochen sowie die Rennstrategie von UAE Team Emirates-XRG dürften verhindern, dass er jede dieser Chancen konsequent nutzt.
Realistisch erscheint vielmehr eine Ausbeute von fünf bis sieben Etappensiegen. Bereits das wäre ein außergewöhnliches Ergebnis und würde an seine sechs Erfolge beim Giro d'Italia 2024 erinnern. Fest steht jedoch schon jetzt: Mit
Tadej Pogacar am Start besitzt die Vuelta a Espana 2026 vom ersten bis zum letzten Tag ihren alles überragenden Protagonisten.