Jonas Vingegaard ist ein Fahrer, der in seiner Karriere viele Stürze erlebt hat. In seinen ersten Renntagen 2026 findet er, dass Sicherheit die Debatte im Profiradsport bestimmen sollte. Der Däne erläuterte seine Sicht auf die Straßen der Paris–Nizza sowie die Verantwortung von Veranstaltern und Fahrern.
„Manchmal ist es, als würde man mit dem Kopf gegen die Wand laufen. Aber ich würde sagen, so oder so fühle ich mich verantwortlich, den Radsport sicherer zu machen“, sagte Vingegaard gegenüber TuttoBiciWeb.
Nach der 1. Etappe übte der Däne deutliche Kritik an den Straßen, die das Feld befahren musste; und zum Start der 2. Etappe kündigte er an, dass er und seine Visma-Teamkollegen auf der flachen Etappe nicht an der Spitze um Positionen kämpfen würden.
Stattdessen sah man häufig eine Gruppe gelber Trikots am Ende des Feldes. Stürze passierten trotzdem, doch in diesem Szenario ließe sich die Position schneller wieder gutmachen. Nach dem, was er am Eröffnungstag sah – seinem ersten Renntag seit Monaten –, hielt Vingegaard das für die beste Taktik.
„Wenn wir nichts sagen, passiert nichts. Ich will Anführer des Pelotons sein, nicht nur wegen meiner Ergebnisse, sondern auch wegen der Sicherheit“, erklärte er. „Die Straßen auf der ersten Etappe waren miserabel, ständig ging es nach rechts und links. Es gab viele Schlaglöcher, und die Schlussabfahrt war für ein WorldTour-Rennen nicht angemessen.“
Fahrer tragen ebenso viel Verantwortung
Der Visma-Kapitän ist ein Fahrer, dessen Karriere und Leben vor zwei Jahren bei der Itzulia Basque Country beinahe durch einen Sturz endeten. Er prallte bei hoher Geschwindigkeit gegen Felsen, weil eine Abfahrt schlecht abgesichert war und Baumwurzeln in einer schnellen Kurve Wellen im Asphalt bildeten.
Er erlitt zwei punktierte Lungen, mehrere gebrochene Rippen und ein Schlüsselbein – Verletzungen, von denen er auf wundersame Weise genas. Doch vor 12 Monaten zog er sich bei genau diesem Rennen eine schwere Gehirnerschütterung zu, und solche Erinnerungen verblassen nicht.
Da die beiden Auftaktetappen der Paris–Nizza ohne GC-Action blieben, konzentrierte sich Vingegaard auf das Thema Sicherheit. Er versucht nach eigenen Angaben auch, das Gespräch mit anderen Fahrern zu suchen, um die Sicherheit im Peloton zu verbessern.
„Es ist eine Frage der Gegenseitigkeit. Klar ist, dass auch wir Fahrer eine große Verantwortung tragen, aber das gilt ebenso für die Veranstalter. Wir können nicht einfach mit dem Finger auf andere zeigen“, mahnt er. „Auch gestern wurde im Peloton viel darüber diskutiert, wie sich die Leute verhalten. Grundsätzlich brauchen wir mehr gegenseitigen Respekt im Feld.“