„Mach einfach deinen Job“ – Michael Rasmussen kritisiert scharf Vingegaards viralen Helfer Tim Rex wegen einer Giro-d’Italia-‚Zirkusnummer‘

Radsport
Montag, 08 Juni 2026 um 16:15
Tim Rex grimaces at the front of the peloton during the 2026 Giro d'Italia
Tim Rex wurde zu einem der unerwarteten viralen Gesichter der Dominanz von Team Visma | Lease a Bike beim Giro d’Italia – doch nicht alle waren begeistert davon, wie sich der junge Helfer von Jonas Vingegaard an der Spitze verausgabte.
Der 22-Jährige stieg 2026 nach seiner Zeit im Visma-Entwicklungsteam in die WorldTour auf, und seine erste Grand Tour wurde zur harten Einführung in die Arbeit rund um einen Maglia-Rosa-Anwärter. Rex wurde wiederholt als erster Fahrer in Vismas Bergzug eingesetzt, machte Tempo, bevor die schwereren Kletterwaffen des Teams übernahmen.
Diese Führungsfahrten waren unübersehbar. TV-Kameras fingen Rex an der Spitze der Gruppe ein, das Gesicht vor Anstrengung verzerrt, der Mund offen, das Trikot geöffnet, während Visma das Feld zu einem weiteren Vingegaard-Angriff trieb. Die Bilder verbreiteten sich rasant in den sozialen Medien und fügten der Geschichte eines von der niederländischen Equipe kontrollierten Giro eine weitere Ebene hinzu.
Ex-Profi und Viaplay-Analyst Michael Rasmussen fand jedoch, die Show sei zu weit gegangen. „Er hat einen guten Job gemacht, aber man muss daraus keine Zirkusnummer machen“, sagte Rasmussen.

Rasmussen kritisiert viralen Visma-Moment

Rasmussens Kritik zielte darauf ab, wie Rex nach einer seiner langen Führungen offenbar die Kameras suchte. Die Leistung an sich stellte der Däne nicht infrage, das Drumherum hielt er jedoch für überflüssig.
„Er übertreibt es völlig“, sagte Rasmussen. „An einem Tag fuhr er schnell über die Straße, nahm seinen Radcomputer ab und hielt ihn dem Kamerateam hin. Mach einfach deinen Job.“
Rasmussen stellte zudem die Frage, ob Rex sein Pull so weit ausdehnen musste, angesichts der Breite, die Visma hinter ihm noch sitzen hatte. Mehrfach kamen bei diesem Giro nach Rex noch Fahrer wie Victor Campenaerts, Bart Lemmen, Sepp Kuss und Davide Piganzoli im Anstieg zum Einsatz.
Das war Teil von Vismas Stärke im gesamten Rennen. Vingegaard gewann fünf Etappen, Kuss holte die Königsetappe, Piganzoli wurde Gesamtachter, und das Team kontrollierte die entscheidenden Bergetappen ohne Anzeichen von Hektik. Rex’ Rolle war einer der frühesten und härtesten Bausteine dieser Struktur.
Tim Rex bei Tirreno-Adriatico 2026
Rex war einer der Durchbruchsstars des Giro d’Italia 2026

Rex: „Mir sind die Sterne vor Augen geflogen“

Rex selbst beschreibt die Anstrengung deutlich nüchterner. Nach Etappe 14 sagte er bei Sporza, er sei bereits am Limit gewesen, als man ihn anwies, weiter von vorn zu fahren. „Ich war eigentlich schon fertig, aber plötzlich hieß es, ich müsse einfach weiterfahren“, sagte Rex. „Mir sind die Sterne vor Augen geflogen, ich sah alles – nur nicht mehr die Straße.“
Für einen Fahrer in seiner ersten Grand Tour zeigte der Moment, welche Motoren Visma für Vingegaards Giro-Angriff zu zünden bereit war. Rex fuhr nicht nur, bis seine Ablösung kam. Er fuhr, bis fast nichts mehr übrig war.
„Es ist eine meiner Stärken, dass ich weiterfahren kann, bis komplett die Lichter ausgehen“, sagte er. „Ich habe mir richtig wehgetan. Als ich sah, wie klein die Gruppe war, war ich von mir selbst überrascht.“
Was für Rasmussen theatralisch wirkte, war aus Rex’ Sicht ein Fahrer, der so tief ging, bis selbst die Straße zu verschwimmen begann.

Giro-Scheinwerfer entdecken Vismas neuen Motor

Rex’ Arbeit wurde zum kleinen, aber prägnanten Symbol für Vismas Giro im Großen. Vingegaard war der Star, doch die Kontrolle der Mannschaft basierte auf Ebenen von Helfern, die zu klar definierten Momenten präzise Aufgaben erledigten.
Die Rolle des Deutschen in diesem Zug war nicht glamourös. Sie bestand darin, zu fahren, bis er explodierte, und dann die anderen den Job beenden zu lassen. In einem Giro, in dem Visma das Feld immer wieder ausdünnte, bevor Vingegaard den entscheidenden Stich setzte, wurden selbst die frühen Führungen Teil des Spektakels.
Rasmussen sah zu viel Inszenierung im Leiden. Rex beschrieb einen Fahrer, der fährt, bis die Lichter ausgehen. So oder so: Die Bilder blieben haften. In einem Rennen, das von Vingegaards Rosa Trikot geprägt war, wurde Rex zu einem der Gesichter der Arbeit dahinter.
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