Können diese Fahrer Tadej Pogačar bei der Tour de Suisse 2026 herausfordern? – Fünf Top-Konkurrenten, die den Slowenen vor der Tour de France fordern

Radsport
Dienstag, 16 Juni 2026 um 12:45
Tadej Pogacar
Der Einfluss von Tadej Pogačar im Peloton ist unbestritten. Mit 27 gilt er bereits als Sportlegende. Nur Eddy Merckx überragt ihn in der historischen Dominanz im Radsport. Und genau wegen des „Kannibalen“ steht er bei der Tour de Suisse am Start: um Lücken in seiner Palmares zu schließen und seine Titel zu egalisieren.
Auf dem Weg zur Tour de France 2026 reist der Slowene nach einer makellosen Saisoneröffnung an, in der er alles gewann, was er anvisierte – mit Ausnahme von Paris–Roubaix. Er siegte bei Strade Bianche, Milano–Sanremo, Flandern-Rundfahrt, Lüttich–Bastogne–Lüttich und der Tour de Romandie.
Die Tour de Suisse bleibt trotz der diesjährigen Verkürzung von acht auf fünf Etappen eine der zentralen Aufbauprüfungen für die Tour de France, ein entscheidender Formtest für den Juli und traditionell die Bühne, auf der die größten Stars vor der Grande Boucle deutliche Signale senden.
Auch wenn Paul Seixas, Remco Evenepoel und Jonas Vingegaard fehlen, bietet die Startliste starke Alternativen, die wir bei der großen Frankreich-Rundfahrt oder später im Sommer bei der Vuelta a España sehen werden.
Der Schweizer Traditionslauf beginnt am 17.06. und dient erneut als letzte große Prüfung für viele Tour-de-France-Anwärter. Die historische Tour de Suisse präsentiert sich kompakt, aber fordernd. Erstmals startet sie außerhalb der Schweiz, konkret im italienischen Sondrio. Von dort passiert das Peloton einige der bekanntesten Schweizer Schauplätze, über Locarno, Bad Ragaz und Aarburg bis zum Finale in Villars-sur-Ollon.
Die ersten drei Tage bieten welliges Terrain – ideal für Puncheure wie Tadej Pogačar oder Tom Pidcock und für Klassementfahrer. Die einzige klare Chance für die Sprinter kommt auf der dritten Etappe, während das Einzelzeitfahren in Aarburg vor dem Schlussakt erste Abstände reißen dürfte.
Die Strecke zielt auf die Königsetappe nach Villars-sur-Ollon, einen Hochgebirgstag mit mehr als 4.400 Höhenmetern, der die Gesamtwertung entscheiden sollte. Ein würdiges Finale für eine kurze, intensive Ausgabe mit einem Luxusfeld um Pogačar sowie Namen wie Primož Roglič, Tom Pidcock, Antonio Tiberi, Lenny Martinez, Mathieu van der Poel, Javi Romo und Orluis Aular.
Richard Carapaz, ecuadorianischer Star von EF Education
Richard Carapaz, ecuadorianischer Star von EF Education

Richard Carapaz setzt das Bergzeichen

Richard Carapaz kehrt als einer der prägenden Kletterer zurück. Der Ecuadorianer meldet sich nach einer langen Rennpause wegen eines Perinealproblems mit guten Eindrücken zurück und zeigte seine Form bereits mit einem starken dritten Platz beim GP Gippingen, der vergangene Woche in der Schweiz ausgetragen wurde.
Der EF Education-EasyPost-Profi war seit der Katalonien-Rundfahrt nicht mehr im Einsatz und richtet nach dem Verpassen des Giro d’Italia 2026 seinen Aufbau nun auf die Tour de France aus. Vor der Grande Boucle steuert Carapaz die Tour de Suisse an, um seine Form weiter zu schärfen.
Der Giro-d’Italia-Sieger von 2019 kehrt nach seiner Auszeit im Vorjahr zur Tour zurück und ist nach überstandenen körperlichen Problemen, die ihn auf den Operationstisch brachten, bereit, bei den Grand Tours wieder eine Hauptrolle zu spielen. In jedem Fall bleibt der Ecuadorianer ein Garant, sobald die Straße ansteigt – dank seiner Fähigkeit, an großen Bergtagen auf höchstem Niveau zu performen.

Antonio Tiberi sucht die Frühform wiederzufinden

Antonio Tiberi geht die Tour de Suisse mit einem doppelten Ziel an. Erstens will er seine Verfassung nach mehreren Wochen Höhentraining am Teide überprüfen. Zweitens testet er sich gegen Tadej Pogačar, den Topfavoriten und globalen Referenzpunkt, weniger als drei Wochen vor dem Start der Tour de France. Der Bahrain Victorious-Fahrer hat seine komplette Saison auf sein Debüt bei der Grande Boucle ausgerichtet.
Nach einem glänzenden Start zwischen der UAE Tour und dem Trofeo Laigueglia folgte ein kniffligerer Frühling – für ihn normal nach Monaten auf höchstem Niveau. In der Schweiz sucht er nun die endgültigen Signale, um seinem Hauptziel der Saison mit Vertrauen entgegenzugehen. Jenseits der Resultate will Tiberi bestätigen, dass seine Entwicklung intakt ist.
Der 24‑Jährige spricht von einem großen mentalen Schritt im letzten Jahr: Er habe gelernt, mit Druck umzugehen und äußere Erwartungen sowie ständige Vergleiche mit Figuren wie Pogačar oder Jonas Vingegaard auszublenden. Die Präsenz des Slowenen macht die Tour de Suisse zu einem harten Test. Für Tiberi geht es jedoch nicht zwingend darum, den Weltmeister zu schlagen, sondern zu sehen, wie nah er an die besten Kletterer der Welt herankommt.
Ein Schlüsseltest vor seiner ersten Tour de France mit dem Ziel, um das Gesamtklassement zu kämpfen und – wenn der Rennverlauf es hergibt – eine Top‑10 anzupeilen.

Lenny Martínez bringt Konstanz

Die Präsenz von Lenny Martinez bei der Tour de Suisse 2026 erhöht die Unwägbarkeiten in einem Rennen, das auf dem Papier nach Tadej Pogačars Dominanz aussieht. Der junge französische Kletterer reist als einer der konstantesten Fahrer der Saison in die Schweiz, fest entschlossen, den Abstand zum Maßstab des Sports zu verkleinern.
Mit 22 hat Martínez 2026 einen klaren Schritt nach vorn gemacht. Sein erstes großes Ausrufezeichen setzte er bei Paris–Nizza, wo er Gesamtfünfter wurde – nur hinter Topfahrern um Jonas Vingegaard. Kurz darauf bestätigte er den Fortschritt bei der Katalonien-Rundfahrt mit Gesamtrang zwei hinter dem Visma-Dänen und einer Beständigkeit, die ihn zu den stärksten Etappenfahrern im Kalender zählen ließ.
Sein letzter Auftritt vor der Ronde van Zwitserland führte ebenfalls über Schweizer Straßen bei der Tour de Romandie. Dort traf er erneut auf die Topfavoriten und wurde Gesamtdritter, nur hinter Pogačar und Florian Lipowitz. Zudem gewann er die Nachwuchswertung, was seinen Aufwärtstrend unterstreicht. Die Tour de Suisse wird nun zur Belastungsprobe. Weniger als drei Wochen vor der Tour de France hat der Bahrain‑Victorious‑Fahrer die ideale Gelegenheit, das Rennen zu beleben und gleichzeitig die Form zu schärfen.
Aleksandr Wlassow im Trikot von Red Bull - BORA - hansgrohe
Russische Fahrer wie Wlassow starten unter neutraler Flagge

Aleksandr Wlassow nicht auf dem Weg zur Tour de France

Aleksandr Wlassow reist mit einer anderen Ausgangslage als viele Konkurrenten zur Ronde van Zwitserland 2026 und dürfte die Tour de France auslassen. Der Red‑Bull‑Fahrer übernahm beim Giro d’Italia eine Helferrolle für Jai Hindley und Giulio Pellizzari, zeigte sich aber dennoch, wenn das Rennen es verlangte – auf selektivem Terrain oder an Tagen für die Flucht.
Zwar spielte er in der Corsa Rosa im Gesamtklassement keine Rolle, doch seine Leistungen im Hochgebirge belegten, dass er an den härtesten Tagen reagieren kann – eingebettet in eine Struktur, die individuelle Ambitionen und Teamziele austariert. Nun, in der Schweiz, erhält er wieder Führungsstatus. Beim GP Gippingen am vergangenen Wochenende wurde er nur von Liam Slock geschlagen, Richard Carapaz folgte nach einem engen Finale dahinter.
In einem Rennen, das vielerorts Tadej Pogačar zugeschrieben wird, startet Wlassow als ernstzunehmender Außenseiter, der verschiedenste Szenarien ausnutzen kann – ähnlich wie sein Teamkollege Primoz Roglic, dessen Hauptziel die Vuelta ist und dessen Form noch im Aufbau steckt. Die Ronde van Zwitserland ist die Chance zu sehen, ob der Russe seine Giro‑Stabilität und das jüngste Gippingen‑Podium in eine echte Gefahr für die Konkurrenz ummünzen kann.
Tadej Pogačar und Tom Pidcock
Tom Pidcock trifft bei der Ronde van Zwitserland 2026 erneut auf Tadej Pogačar

Tom Pidcock belebt die Rivalität mit Pogačar neu

Tom Pidcock nutzt die Ronde van Zwitserland 2026 als weitere Gelegenheit, eine Saison zu drehen, in der er in Etappenrennen noch nicht auf Topniveau ist. Der Brite, der anschließend zur Tour de France weiterzieht, fehlt in diesem Format weiterhin die geforderte Konstanz. Dieses Jahr stand er nur bei der Vuelta a Andalucía auf dem Podium, hinter Romain Grégoire und Tobias Johannessen. Bei der Katalonien-Rundfahrt und der Tour of the Alps traten erneut Dieselprobleme zutage: Er konnte nicht mit den Besten mithalten, wenn sich das Rennen über die Zeit verhärtete.
Zwar gewann er eine Etappe beim Alpentour‑Rennen, doch seine Gesamtperformance liefert wenig Argumente für Favoritenstatus bei der Tour de France. Pidcock glänzt auf explosivem Terrain, wie er bei Milano–Torino und Eschborn‑Frankfurt zeigte, wo er sich mit Georg Zimmermann duellierte.
Der Yorkshire‑Fahrer ist in Puncheur‑Finals außergewöhnlich stark. Dort kann er Tadej Pogačar in Bedrängnis bringen. Doch seine Inkonstanz über lange Belastungen lässt ihn eher als Projekt denn als etablierten Gesamtwert erscheinen.
In der Schweiz verschiebt sich das Bild jedoch. Ohne den vollen Tour‑Druck und mit einer Strecke, die Explosivität und Berge mischt, hat er Raum, Gefühl und Rhythmus neu aufzubauen und sein wahres Niveau gegen erstklassige Rivalen zu messen. Mehr als eine Frage der Ambition kann ihm das Schweizer Rennen zeigen, ob der Weg zu Grand Tours eine tragfähige Wette ist – oder ob sein größter Wert weiterhin in offeneren Szenarien liegt, in denen seine Vielseitigkeit zum Trumpf statt zur Begrenzung wird.
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