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Neilson Powless neigt sich eine Saison voller Rückschläge und Enttäuschungen dem Ende entgegen. Doch bevor der US-Amerikaner von
EF Education-EasyPost das schwierige Radsportjahr 2026 endgültig abhaken kann, bietet sich ihm bei der Tour of Guangxi noch eine letzte Gelegenheit, ein sportliches Ausrufezeichen zu setzen. Nach monatelangen Verletzungsproblemen, Krankheiten und wiederholten Rückschlägen ist der erfahrene Profi vor allem erleichtert, dieses Jahr bald hinter sich lassen zu können. Gleichzeitig hofft er, mit einem positiven Ergebnis zumindest etwas Schwung für die kommende Saison mitzunehmen.
Wie außergewöhnlich schwierig die vergangenen Monate für Powless verliefen, verdeutlicht bereits ein Blick auf seine Renneinsätze: Im Vergleich zu jeder seiner fünf vorherigen Saisons bestritt er 2026 nicht einmal halb so viele Rennen. Die Probleme begannen bereits während der Wintervorbereitung, als eine hartnäckige Entzündung im Knie seine Trainingsarbeit erheblich beeinträchtigte und den Grundstein für eine lange Leidenszeit legte.
Rätselhafte Knieprobleme werfen Powless monatelang zurück
Trotz seiner Beschwerden versuchte Powless zunächst, wie geplant in die Saison zu starten. Bei der Tour de la Provence nahm er seine ersten Renneinsätze in Angriff, musste die Rundfahrt jedoch bereits auf der dritten Etappe aufgeben. Was zunächst nach einer überschaubaren Verletzungspause aussah, entwickelte sich zu einer monatelangen Zwangspause. Fast fünf Monate lang konnte der US-Amerikaner kein Rennen mehr bestreiten. Selbst eine Knieoperation brachte nicht die erhoffte schnelle Besserung: Zwar verschwanden die Schmerzen, doch immer wieder auftretende Schwellungen machten ein regelmäßiges Training nahezu unmöglich.
Neilson Powless blickt auf eine von Verletzungen und Krankheiten geprägte Saison 2026 zurück. Bei der Tour of Guangxi hofft der US-Amerikaner von EF Education-EasyPost auf einen versöhnlichen Abschluss seines schwierigen Radsportjahres.
„Ich tappte völlig im Dunkeln. Die Verletzung war wirklich seltsam, denn nach der Operation hatte ich keine Schmerzen mehr. Das war natürlich gut“,
erklärte Powless gegenüber Domestique.
„Aber die Schwellung im Knie kam und ging so stark, dass ich es an manchen Tagen überhaupt nicht beugen konnte. Es war einfach zu viel Flüssigkeit im Knie, und das ließ sich kaum erklären.“
„Ich wusste nicht, ob ich überhaupt noch Rennen fahren würde“
Für den Sieger von Dwars door Vlaanderen 2025 wurde vor allem die Unberechenbarkeit seiner Beschwerden zur enormen Belastung. Immer wieder schien eine Rückkehr ins Training möglich, ehe neue Schwellungen sämtliche Fortschritte zunichtemachten. An einen kontinuierlichen Trainingsaufbau über mehrere Wochen war kaum zu denken. Aus einer zunächst kurzen Pause wurden schließlich mehrere Monate voller Ungewissheit.
„Zunächst dachten wir, ich müsste nur zwei Wochen aufs Rad verzichten und könnte ein paar Monate später wieder Rennen fahren.“
„Doch am Ende war ich einen Monat lang nicht auf dem Rad. Selbst als ich wieder mit dem Training begann, ging es nur mit Unterbrechungen voran. Schließlich vergingen drei oder vier Monate, ohne dass ich wusste, ob ich in diesem Jahr überhaupt noch Rennen bestreiten würde.“
Als Powless bei der Tour de Pologne schließlich sein Comeback feierte, schien die lange Leidenszeit zunächst überwunden. Doch die nächste Enttäuschung ließ nicht lange auf sich warten: Bei der polnischen Rundfahrt stürzte er schwer und zog sich eine Verletzung an der Schulter zu. Anschließend machten ihm weitere gesundheitliche Probleme zu schaffen. Eine Erkrankung verhinderte schließlich auch seine Teilnahme an der Radsport-WM in Montreal, wo sein Landsmann Brandon McNulty das Regenbogentrikot gewann.
Auch die anschließenden Klassiker brachten nicht die erhoffte sportliche Wende. Powless konnte nicht an sein gewohntes Leistungsniveau anknüpfen und musste sich bei seinen letzten europäischen Renneinsätzen mit enttäuschenden Ergebnissen abfinden. Besonders schwer fiel ihm dabei das Gefühl, trotz seiner Rückkehr ins Peloton nicht die Leistung abrufen zu können, die er von sich selbst erwartet.
„Nach der Knieverletzung bin ich in Polen zweimal gestürzt und habe mir etwas an der Schulter gebrochen. Dann hatte ich innerhalb von drei Wochen zwei Magen-Darm-Infekte, die mich schließlich die Radsport-WM gekostet haben.“
„Es war sehr enttäuschend“ – Powless kämpft sich durch weitere Rückschläge
„Bei meinem letzten Rennblock in Italien habe ich schlechte Leistungen gezeigt. Das war sehr enttäuschend. Ich fahre nicht gerne zu Rennen, wenn ich dann hinter den Erwartungen zurückbleibe. Das war hart. Immerhin habe ich jetzt endlich wieder das Gefühl, meinen Job machen zu können.“
Zum Abschluss der WorldTour-Saison bietet sich Powless bei der Tour of Guangxi nun doch noch die Chance auf ein versöhnliches Ende seines schwierigen Jahres. Vor den entscheidenden Etappen liegt der US-Amerikaner aussichtsreich im Gesamtklassement. Bereits auf der ersten Etappe konnte er sich einige wertvolle Bonussekunden sichern. Nach zwei Sprintetappen ist er damit unter den Fahrern, die für den Gesamtsieg infrage kommen, am besten platziert.
Dennoch überwiegt beim 30-Jährigen im Rückblick die Enttäuschung darüber, wie viel sportliches Potenzial durch die zahlreichen Unterbrechungen verloren ging. Besonders frustrierend ist für ihn die Gewissheit, dass er unter normalen Umständen keine lange Rennphase benötigt, um seine Bestform zu erreichen. Entscheidend sei vielmehr die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum ohne gesundheitliche Rückschläge trainieren zu können.
„Es ist definitiv frustrierend. Ich weiß, dass ich ein sehr hohes Niveau erreichen kann, wenn ich ohne Unterbrechungen trainieren kann. Dafür brauche ich nicht einmal besonders viele Renntage. Ich kann einfach an den Start gehen und bin bereit.“
„Dieses Jahr war einfach schrecklich. Deshalb hoffe ich, dass ich es mit einem starken Ergebnis abschließen kann und anschließend einen reibungslosen Winter mit Blick auf die nächste Saison erlebe.“