Kann nach seinem plötzlichen Rücktritt jemand in die Fußstapfen von Simon Yates treten? Ein Fahrer hat auf diese Chance gewartet

Radsport
Donnerstag, 08 Januar 2026 um 11:00
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Die Tage vor dem Straßenauftakt sind meist ruhig. Die meisten Teams haben ihre Kader fix, der Start rückt näher. So war es auch im Januar, kurz vor dem 2026 Tour Down Under. Dann sprengte Simon Yates alles in die Luft.
In einer Entscheidung, die die Radsportwelt schockierte, gab der Visma | Lease a Bike-Profi seinen sofortigen Rücktritt bekannt. Mit 33 hängt der jüngste Giro d’Italia-Sieger ohne Vorwarnung das Rad an den Nagel.
Der Schock liegt vor allem im Zeitpunkt, so dicht am Saisonstart. Visma hat kaum Spielraum, um auf einen der härtesten Verluste überhaupt zu reagieren. Erstens wegen Yates’ Klasse. Zweitens, weil er beim 2026 Tour de France als wichtigster Edelhelfer von Jonas Vingegaard eingeplant war.
Was bedeutet das? Dass Visma | Lease a Bike die Antwort „intern“ finden muss. Mit dem Abgang eines ihrer wichtigsten Fahrer – der entweder den Giro d’Italia hätte anpeilen oder die Vuelta a España mit Freiheiten fürs Gesamtklassement hätte bestreiten sollen (einer der beiden als zweite Grand Tour neben der Tour) – muss jemand vorangehen. Dieser Jemand sollte Matteo Jorgenson sein.
Seit seinem Wechsel 2024 von Movistar Team zu Visma | Lease a Bike hat Matteo Jorgenson sichtbare Schritte gemacht. Der Amerikaner deutete beim Telekom-Team sein Potenzial an, doch seine Entwicklung fiel bei der niederländischen Mannschaft größer aus.
Trotzdem hat er mit 26, abgesehen von den Gesamtsiegen bei Paris–Nice in Serie (2024 und 2025), seinen Status als Star des Pelotons noch nicht zementiert. Auf den größten Bühnen fuhr er meist in Diensten anderer:
  • Tour de France 2024: Helfer für Jonas Vingegaard.
  • Tour de France 2025: Helfer für Jonas Vingegaard.
  • Vuelta a España 2025: Helfer für Jonas Vingegaard.
Bislang war Visma | Lease a Bike gut bedient damit, dass Jorgenson einwöchige Rundfahrten anvisierte und für Vingegaard arbeitete. Ohne Simon Yates fehlt jedoch jener Fahrer, der die Führung bei der verbleibenden Grand Tour übernimmt, die ihr dänischer Star auslässt.
Visma ist ein Team mit klarem Fokus auf die Grand Tours. Diese Rennen zählen mit Abstand am meisten. Die Anzahl der Saisonsiege ist weniger wichtig, anders als bei UAE Team Emirates – XRG, oder die Monumente, wie bei Mathieu van der Poel und Jasper Philipsen bei Alpecin-Premier Tech. Aber Giro, Tour und Vuelta sind nicht verhandelbar.
Wie ist die Lage? Da Jonas Vingegaard nicht alle drei in einem Jahr fahren kann, und wohl bereits Giro d’Italia und Tour de France gewählt hat, braucht Visma | Lease a Bike einen Fahrer, der bei der Vuelta a España 2026 auf Sieg fährt.

Jorgenson, der einzige Kandidat

Blickt man auf den aktuellen Kader von Visma | Lease a Bike, gibt es kaum Kandidaten für den Kampf um La Vuelta. Nur Matteo Jorgenson und Sepp Kuss stechen heraus, und letzterer, obwohl 2023 Sieger, zahlte für dieses harte Jahr (nach Giro d’Italia und Tour de France) einen Preis und ist seitdem nicht mehr derselbe.
Da ist noch Davide Piganzoli, Vismas Königstransfer im letzten Fenster. Doch der Italiener ist noch sehr jung und startet erst in seine erste WorldTour-Saison. Tatsächlich fuhr er bisher nur zweimal den Giro d’Italia, beide Male bei Alberto Contadors Polti.
Unter diesen Vorzeichen muss Matteo Jorgenson mehr Verantwortung übernehmen. Er muss vom Saisonstart weg zeigen, dass er dieser zweite Anführer bei Visma | Lease a Bike sein kann, der die Lücke nach Simon Yates’ Abgang schließt. Vielleicht bereut das Team nun, Cian Uijtdebroeks zu Movistar Team ziehen gelassen zu haben. Aber so ist es, und der Amerikaner hat seine Hausaufgaben.
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