Der italienische Radsport steckt historisch in keiner Glanzphase. Es gibt kein Team in der WorldTour (auch wenn Astana und Bahrain enge Verbindungen nach Italien haben), und nur Jonathan Milan und Filippo Ganna erfüllen derzeit den absoluten Spitzenstandard. Die einstige Grand-Tour-Großmacht wartet dringend auf ein neues Gesicht, das an die Ära von Marco Pantani anknüpfen kann. Der Fahrer, der den Unterschied machen könnte, heißt sehr wahrscheinlich
Lorenzo Finn.
Talent, das mit Paul Seixas mithält
Mit erst 19 Jahren wirkt der Red Bull - BORA - hansgrohe Rookies-Fahrer bereits wie ein Gesamtpaket. Finns Kletterstärke ist unbestritten, nachdem er in diesem Jahr sowohl beim Giro d’Italia Next Gen als auch bei der Sibiu Tour die Gesamtwertung dominiert hat.
Doch das ist nicht alles: Finn ist klassikertauglich mit WM-Titeln sowohl bei den Junioren als auch in der U23, er fährt stark im Zeitfahren (6. bei den italienischen Meisterschaften der Elite) und scheut Seitenwindkanten nicht, wie er auf der Auftaktetappe der Tour de l’Avenir zeigte.
Lorenzo Finn im Regenbogentrikot bei den U23-Weltmeisterschaften 2025 in Kigali
Mit all dem im Hinterkopf steht außer Frage, dass Finn 2027 bereit ist, in die WorldTour aufzusteigen – mit dem klaren Ziel, möglichst schnell zu seinem Junioren-Rivalen Paul Seixas aufzuschließen.
Jetzt ist Zeit für den nächsten Schritt
Zuvor hat Finn jedoch noch gut einen Monat Rennprogramm vor sich. Dazu würde normalerweise die Titelverteidigung im Regenbogentrikot auf dem welligen Kurs in Montréal gehören.
Doch welchen Mehrwert hat das für einen Fahrer, der der U23 offenbar schon entwachsen ist? Diese Frage dürften sich auch die italienischen Trainer gestellt haben. Denn laut
Ciro Scognamiglio wird Finn zwar nach Kanada reisen, dort aber bereits im Eliterennen für Italien starten.
Außerdem ist Finn auch für die Europameisterschaften in Slowenien eingeplant, wo er mit noch steileren Anstiegen einen Kurs vorfinden dürfte, der ihm womöglich noch besser liegt.