„Ich würde kein derart intensives Jahr riskieren“ – Radsportlegende warnt Tadej Pogacar vor historischem Vuelta-Projekt

Radsport
durch Nic Gayer
Dienstag, 04 August 2026 um 11:30
Tadej Pogacar on Stage 6 of the 2026 Tour de France
Mit seinem Triumph bei der Tour de France 2026 hat Tadej Pogacar bereits den nächsten Eintrag in die Geschichtsbücher geschafft. Nun richtet sich der Blick des Slowenen auf die Vuelta a Espana, wo er nicht nur als Topfavorit auf seinen siebten Grand-Tour-Sieg gilt, sondern auch einen historischen Meilenstein anvisiert: den Gewinn aller drei Grand Tours.
Ein Erfolg in Spanien würde Pogacar das Triple aus Giro d'Italia, Tour de France und Vuelta a Espana bescheren.

Historische Chance – und ein enormes Risiko

Für Pogacar wäre es ein enormer Kraftakt, der vermutlich nur möglich ist, wenn andere große Saisonziele – etwa die Frühjahrsklassiker oder die Weltmeisterschaften – in den Hintergrund rücken.
Tadej Pogacar bei der Tour de France 2026.
Tadej Pogacar nimmt die Vuelta a Espana 2026 als dominierende Figur des Weltradsports in Angriff.
Ungeachtet aller Spekulationen wird der Weltmeister in gut zwei Wochen in Monaco zum Auftakt der Vuelta a Espana an den Start gehen. Im Vergleich zur Tour de France trifft Pogacar dort auf ein deutlich weniger stark besetztes Feld der Klassementfahrer.
Noch vor der offiziellen Bestätigung seines Vuelta-Starts am Montag hatte Ex-Weltmeister Maurizio Fondriest die Einschätzung geäußert, dass Pogacar trotz der zusätzlichen Grand Tour auch bei den Weltmeisterschaften um den Sieg fahren könne. Das WM-Straßenrennen findet lediglich zwei Wochen nach dem Ende der Vuelta statt.

Fondriest traut Pogacar auch den WM-Titel zu

„Er ist noch nie zwei große Etappenrennen [Grand Tours, Anm.] am Stück gefahren, abgesehen vom Jahr des Giro d’Italia. Und ich glaube, er kann wieder die Weltmeisterschaften anpeilen“, sagte der frühere Weltmeister im Podcast A Voice in the Run.
„Ein 250-Kilometer-Rennen ist das eine, aber wenn es so viel bergauf geht… Ich weiß nicht, ob Evenepoel mit ihm mithalten kann.“
Mit Blick auf den Gesamtsieg bei der Vuelta a Espana 2026 sieht Fondriest ohnehin nur einen Fahrer, der Pogacar ernsthaft gefährlich werden könnte: Jonas Vingegaard. Allerdings habe der Däne bereits vor seinem Sturz bei der Tour de France nicht das Niveau des Weltmeisters erreicht. Aus Sicht des Italieners dürfte Pogacar deshalb kaum ernsthafte Konkurrenz um das Rote Trikot bekommen.
„Wir müssen sehen, wer seine Gegner sein werden, aber nun ja… Vingegaard hätte der Einzige sein können, doch er ist gestürzt, und selbst bei der Tour war er ein bisschen unterlegen. Unterm Strich wird er meiner Meinung nach keine Gegner haben.“

Warnung vor einem historischen Kraftakt

Trotz aller Erfolgsaussichten sprach Fondriest auch eine deutliche Warnung aus. Zwar hält er es grundsätzlich für möglich, dass Pogacar Tour de France und Vuelta a Espana innerhalb einer Saison gewinnt. Der frühere Weltmeister bezweifelt jedoch, dass sich ein derart intensives Programm langfristig auszahlen würde.
Stattdessen empfiehlt er dem Slowenen, seine Rekordjagd Schritt für Schritt fortzusetzen. Ein sechster Tour-de-France-Sieg, mit dem Pogacar alleiniger Rekordhalter werden könnte, sowie weitere Weltmeistertitel hält Fondriest für die sinnvollere Strategie.
„Er kann das schaffen, aber ich würde es nicht tun. Er hat noch einige Jahre, in denen er etwa eine sechste Tour gewinnen kann – er wäre der Erste… und dann noch eine Weltmeisterschaft. Ich würde kein derart intensives Jahr riskieren.“
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