Soudal - Quick-Step schlägt ein neues Kapitel auf. Jahrelang arbeitete
Ilan Van Wilder als Helfer für seinen berühmten Teamkollegen
Remco Evenepoel. Doch seit Evenepoel zu Red Bull-Bora-Hansgrohe gewechselt ist, rückt der 25-jährige Belgier endgültig in die Rolle des Kapitäns. Mit der neuen Verantwortung will Van Wilder zeigen, dass Führung nicht bedeutet, sich in ein vorgefertigtes Schema zu zwängen.
Was für ein Anführer ist er?
Auf die Frage von
Het Nieuwsblad, ob er der Typ Kapitän sei, der zur Durchsetzung mal mit der Faust auf den Tisch haut, antwortete Van Wilder ungefiltert. „Eher nicht“, sagte er. „Ich habe den Eindruck, dass wir in Belgien beim Begriff ‘Kapitän’ etwas zu eng denken.“
Er ist überzeugt, dass die Öffentlichkeit von Spitzensportlern ein sehr festgelegtes Persönlichkeitsbild erwartet, das der Realität nicht entspricht. „Jeder denkt sofort an jemanden, der extrem selbstsicher ist, felsenfest dasteht und nie Fehler macht“, erklärte er. „Aber wir bleiben Menschen. Jeder ist anders, und ich werde meine Persönlichkeit nicht verbiegen, nur um in diese Schablone zu passen.“
Van Wilder startete seine Saison 2026 bei der UAE Tour. Nach einem starken Zeitfahren und der ersten Bergankunft lag er auf Gesamtrang sechs. Dieses Ergebnis gab ihm nach einem langen Trainingswinter Ruhe und Zuversicht.
„Natürlich“, sagte er auf die Frage, ob ihn diese Position zufriedenstelle. „Man fragt sich immer, wo man im Vergleich zur Konkurrenz steht. Jetzt kann ich sagen: Das Gefühl ist gut.“
Die zweite Kletterprüfung der Saison verlief für Van Wilder allerdings weniger positiv. Am Jebel Hafeet stürzte er und verlor 1:17 Minuten auf Tagessieger
Isaac del Toro. In der Gesamtwertung rutschte er auf Platz 11 ab, hinter seinen Ex-Teamkollegen Evenepoel.
Die Rolle als Anführer ist ein großer Schritt, doch Van Wilder bekam bereits im Vorjahr Übung, als Evenepoel verletzt ausfiel und mehrere Rennen verpasste. „Letztes Jahr war bereits eine Art Übergangsjahr, weil Remco lange draußen war“, sagte er. „Durch seine Verletzung konnte ich oft ohne ihn fahren und erzielte schöne Resultate. Ich habe gemerkt, dass ich in dieser Rolle ein Stück wachsen konnte.“
Noch viel Luft nach oben
Bei der Selbsteinschätzung sieht sich Van Wilder als Allrounder. Er ist stark im Zeitfahren und auf kurzen Anstiegen, ohne ein reiner Kletterspezialist für die ganz hohen Berge zu sein. Der Fokus liegt derzeit auf einwöchigen Rundfahrten. „Ich denke, es gibt noch viel Potenzial zur Verbesserung“, so der 25-Jährige. „Das Alter spielt für mich. Prinzipiell kommen meine besten Jahre erst noch.“
Gleichzeitig weiß er, dass sein Team vor einer anspruchsvollen Saison steht. Der Verlust eines Topfahrers wiegt schwer, und die ganze Mannschaft braucht Zeit, um sich auf die neue Lage einzustellen. „Wir müssen realistisch sein: Für uns wird es wahrscheinlich ein Übergangsjahr“, räumte Van Wilder ein. „Remco ist weg. Diese Lücke füllst du nicht in eins, zwei, drei.“