Remco Evenepoels
UAE Tour sollte ein weiteres frühes Ausrufezeichen werden. Stattdessen wurde es eine Woche mit Rückschlägen am Berg und Analysen nach den Etappen.
Abgehängt am Jebel Mobrah. Erneut distanziert am Jebel Hafeet. Ein dominantes Zeitfahren, eingerahmt von zwei Kletter-Enttäuschungen. Für viele weckt diese Abfolge Sorgen. Für
Philippe Gilbert beweist sie etwas ganz anderes.
Probleme am Berg, aber kein Grund zur Panik
Evenepoel eröffnete die Woche souverän nach einem starken Zeitfahren, doch beide Bergankünfte erzählten eine andere Geschichte. Zunächst am Jebel Mobrah und dann wieder am Jebel Hafeet konnte er die entscheidenden Beschleunigungen nicht mitgehen und räumte anschließend ein, dass er nicht das erforderliche Niveau erreicht hatte.
„Ich habe nicht das Niveau erreicht, um in beiden Bergetappen um den Sieg zu fahren“, sagte Evenepoel nach der 6. Etappe und ergänzte: „Ich hatte die ersten Rennen noch nicht vollständig verdaut… Ich war auch ein bisschen krank.“
Schon früher in der Woche hatte er begonnen, den Rückschlag zu analysieren und erklärte: „Die Klimaanlage in meinem Zimmer funktionierte nicht. Es war sehr warm. Aber das ist jetzt behoben.“
Statt eine einzelne Ursache zu benennen, zeichnete Evenepoel nach und nach ein Bild aus hoher Rennbelastung, Problemen in der Regeneration, gestörtem Schlaf und leichter Erkrankung. Der Ton blieb durchweg sachlich, nicht dramatisch.
Gilbert findet, dass der Kontext entscheidend ist. „Er ist in den Wochen davor schon viel gefahren, ist am Dienstag in diesem zutiefst beeindruckenden Zeitfahren extrem ans Limit gegangen, und das ist sein erstes Rennen in extremer Hitze: dann kann so etwas passieren“,
sagt die belgische Legende bei Het Nieuwsblad.
„Weiterhin gut im Plan“
Für Gilbert wäre das Gegenteil beunruhigender gewesen. „Und es ist ja nicht so, dass er zwanzig Minuten verloren hat. Wäre das Gegenteil passiert, wäre ich fast besorgter. Angenommen, Evenepoel hätte diesen Monsterberg nach seinen früheren Siegen in Valencia und Mallorca mit fünf Minuten Vorsprung gewonnen, dann hätte ich mich allmählich gefragt, ob er nicht viel zu früh in Form ist. Remco liegt weiterhin gut im Plan.“
Diese Einordnung dreht die Geschichte. Statt die UAE Tour als Warnsignal zu lesen, sieht Gilbert sie als normalen Baustein der Frühform, zumal nach Evenepoels intensiverem Start ins Jahr 2026 und dem Wechsel ins Umfeld von
Red Bull - BORA - hansgrohe.
Gilbert wies auch die Vorstellung zurück, im Team würden die Alarmglocken schrillen. Er selbst hat einen großen Teamwechsel erlebt und verweist auf den Druck, Erwartungen sofort rechtfertigen zu wollen.
„Glaub mir, das bringt Stress und hohe Erwartungen. Man will sich sofort zeigen, am liebsten mit Siegen. Man kann nicht sagen, dass Evenepoel das nicht getan hat.“
Auf der Suche nach Antworten, ohne die Richtung zu verlieren
Evenepoels Woche in den Emiraten war geprägt von starkem Zeitfahren, aber sichtbarer Verwundbarkeit am Berg. Zweimal wurde er distanziert. Zweimal hat er öffentlich analysiert, was schiefgelaufen ist. Und zweimal hat er betont, dass es keinen Grund zur Panik gibt.
„Wir müssen nicht in Panik geraten. Ich bin schon viel Rennen gefahren, und das ist ein Prozess Richtung Katalonien und Ardennen. Ruhig bleiben und weitermachen. Das wird schon.“
Der Gesamtsieg in den Emiraten ist weg, doch die Saison als Ganzes bleibt intakt. Aus Gilberts Sicht ist genau das die wichtigere Perspektive.
In einem Sport, in dem frühe Dominanz später im Jahr ihren Preis haben kann, sagt Evenepoels unvollkommene Woche womöglich weniger über Schwäche als über Timing aus.
Und wenn Gilbert recht hat, ist ein kleines Defizit im Februar vielleicht genau der richtige Ort.