„Ich war zu siegeshungrig“ – Wout van Aert gesteht großen Fehler ein und übernimmt die Schuld für Vismas Demütigung bei Dwars door Vlaanderen
Radsport
Wout van Aert ist ein Fahrer mit großer Vergangenheit und großen Zielen. Zur Saison 2026 wird der Profi von Team Visma | Lease a Bike 31 Jahre alt, visiert aber weiter Siege bei der Ronde van Vlaanderen und Paris–Roubaix an. Zudem nimmt er die Strade Bianche in seine Zielsetzung für das kommende Frühjahr auf. Außerdem sprach er über den Visma-Fehler bei Dwars door Vlaanderen 2025, wo er die Verantwortung für die Niederlage gegen Neilson Powless übernimmt.
Wout van Aert peilt 2026 Strade Bianche, Flandern und Roubaix an
„Es stimmt, dass ich nicht mein erfolgreichstes Jahr hatte, aber meine Siege haben Spuren hinterlassen. In der Flandern-Rundfahrt wurde ich Vierter, doch ich hatte alles gegeben“, sagte van Aert in einem ausführlichen Gespräch mit TuttoBiciWeb. Van Aerts Saison hatte drei Höhepunkte: die vierten Plätze in Flandern und Roubaix; der Giro, wo er eine mythische Etappe in Siena gewann und Simon Yates zum Gesamtsieg verhalf; und die Tour de France, wo er die Schlussetappe in Paris gewann, nachdem er Tadej Pogacar abgeschüttelt hatte. Nicht sein bestes Jahr, aber der Nachweis, dass er weiterhin große Siege einfahren kann – und seine Vorbereitung auf die Pflaster-Monumente saß.
2026 folgt er jedoch nicht demselben Plan, erinnert sich aber an sein Flandern-Rennen, in dem er dem Podium sehr nahekam. „Ich habe wie immer alles gegeben und wie immer auf Sieg gefahren. Ich griff im Finale an, obwohl Tadej und Mathieu sicher stärker waren. Das störte mich nicht, ich akzeptierte, dass ich auf diesem Niveau war. In der Nähe solcher Fahrer zu sein, ist wichtig, und genau das lässt mich meine Siege heute noch mehr genießen.“
„2024, als ich zweimal stürzte (Dwars door Vlaanderen und Vuelta a España, Anm.), habe ich alle großen Rennen im Fernsehen gesehen: die Klassiker, die Weltmeisterschaften. Bei der Tour de France war ich dabei, aber nicht auf dem Niveau, das ich mir erhofft hatte. Dieses furchtbare Gefühl, nicht einmal richtig mitfahren zu können, ließ mich begreifen, wie wichtig mir dieser Sport noch ist“, gesteht er. „Letzten Frühling hat sich alles verändert. Ich traute mich nicht mehr, das Tempo hart zu machen. Ich schwankte zwischen Erleichterung, nicht gestürzt zu sein, und der Frustration, nicht am richtigen Ort zu sein.“
Positionskämpfe wurden ab Sommer 2025 zu einem echten Problem für van Aert, und in einem Peloton, in dem die Risiken höher sind denn je, kann das schwer wiegen. In den vergangenen anderthalb Jahren arbeitete er jedoch auch mental an sich und bleibt hochmotiviert. „Irgendwann merkte ich, dass anonym im Feld zu fahren mich nicht glücklich macht. Manchmal konnte ich dem Team helfen, manchmal nicht einmal das. Heute weiß ich sehr klar, was Rennen für mich bedeutet: mein Maximum erreichen und alles geben.“
Dwars door Vlaanderen
Das DDV 2024 endete für ihn mit einem Sturz bei hohem Tempo, der sein Frühjahr beendete und auch die Tour-Vorbereitung belastete. 2025 machte Visma alles richtig, attackierte als Kollektiv und stellte drei Fahrer in eine vordere Vierergruppe. Doch man entschied sich, nicht als Team zu gewinnen, sondern auf van Aert zu setzen – auf dem Papier im Sprint. „Ich war extrem enttäuscht, weil ich mir selbst untreu war, als ich alles auf meinen Sprint setzte. Ich war zu gierig auf den Sieg und hatte Angst, meine Teamkollegen könnten mir die Chance wegnehmen, wenn sie attackieren“, gibt der Belgier zu.
Es war sein Fehler und womöglich der Tiefpunkt des Jahres für die niederländische Mannschaft. Tiesj Benoot und Matteo Jorgenson wurden hinter ihm Dritter und Vierter. „Es half mir sehr, dass niemand wütend oder enttäuscht war. Für sie ergab alles, was passiert war, Sinn“, berichtet er.
„Man könnte denken, dass Siegen mir nicht mehr so wichtig ist, aber ich will die Arme weiterhin zum Jubel heben. In genau diesem Rennen hätten wir jedoch anders agieren müssen.“ In den folgenden Wochen zeigte er in den Monumenten seine besten Beine und glaubt weiter, dass ein großer Sieg dort möglich ist – auch mit Mathieu van der Poel und Tadej Pogacar auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.
„Wenn ich nicht mehr daran glauben dürfte, die Ronde van Vlaanderen gewinnen zu können, dann könnten es vielleicht nur drei Fahrer weltweit. Gewinnen ist natürlich sehr schwer, das gilt auch für Roubaix, aber das sind logische Ziele in meiner Laufbahn“, erklärt er. „Ich bin diesem Resultat immer noch sehr nahe. Ich muss daran glauben, dass ich ein höheres Niveau als im Vorjahr erreichen kann. Alle Voraussetzungen sind da, um stärker zu sein.“
„2025, wenn Mathieu näher an Tadej dran gewesen wäre, hätten sie sich gegenseitig neutralisieren können. Oft arbeiten sie gut zusammen, doch in den letzten zehn Kilometern war es anders. Das Worst-Case-Szenario für mich war, dass einer von beiden nach dem Paterberg attackiert und eine deutliche Lücke reißt. Für mich war das Wichtigste, bei ihnen zu bleiben. In Zukunft kann es aber eine Ausgabe geben, in der sie aufeinander schauen und sich neutralisieren – und dann öffnet sich meine Chance.“

Van Aert und Tiesj Benoot auf dem Podium von Dwars door Vlaanderen mit einem fassungslosen Neilson Powless. @Sirotti
Strade Bianche 2026
Van Aerts Etappensieg beim Giro d’Italia dieses Jahr war ein Beleg für seine Stärke an kurzen, steilen Anstiegen – ein Terrain, auf dem er zuletzt eher haderte. Auf der Piazza del Campo schlug er einen Isaac del Toro in Topform. „Wenig Siege haben mich so berührt. Ich bekomme noch immer Gänsehaut, wenn ich darüber spreche.“ Nach einer Erkrankung nach den Frühjahrsklassikern kam er mit Formdefizit in den Giro, erwischte aber einen magischen Tag und feierte seinen ersten Giro-Etappensieg.
„Es war eine schwierige Phase, die am Ende etwas Positives wurde. Ich hatte einen guten Frühling, aber mir fehlte der letzte Punch. Ich hoffte, den Giro mit einem Etappensieg zu starten, wurde jedoch vor der Grande Partenza krank. Ich war so geschwächt, dass ich mich am fünften Tag fragte, ob es sich lohnt weiterzufahren. Die Strade-Bianche-Etappe? Ich dachte wirklich nicht, dass es mein Tag wird. Meine Familie war im Ziel, und ich hatte sie zehn Tage nicht gesehen. Siena ist auch der Ort, an dem meine Straßenkarriere begann. Die Bedingungen spielten mir in die Karten, und ich brauchte das, weil ich nicht bei 100 Prozent war. Manchmal glaube ich, dass Dinge so sein sollen, dass es in den Sternen steht. Was ich an diesem Tag fühlte, lässt sich nicht beschreiben.“
Dieser Erfolg hallte nach und weckte den Wunsch, das italienische Rennen, das er 2020 gewann, erneut zu erobern. Van Aert wird dort erstmals seit Jahren wieder starten, was auch einen anderen Fahrplan für das Frühjahr vor den Monumenten bedeutet.
„Bei der Strade Bianche 2026 am Start zu stehen, heißt, meinen Plan zu ändern. Normalerweise bin ich zu dieser Zeit im Höhentrainingslager, das würde die Vorbereitung umkrempeln. Ich habe nie gesagt, dass ich dieses Rennen nicht mehr fahren will. Die Strade zu bestreiten, verlangt einen anderen Ansatz, aber daran können wir arbeiten“, schloss er.
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Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
Radsport ist für mich mehr als Leidenschaft. Er ist ein komplexer Leistungssport, der Kontext, Genauigkeit und Verantwortung verlangt – genau diesen Anspruch vertrete ich in unserer täglichen Berichterstattung.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








