Filippo Ganna räumte ein, dass seine Ambitionen auf einen Etappensieg bei der
Tour de France letztlich verpufften, als ihn nach dem kräftezehrenden Giro-Tour-Doppel die Müdigkeit einholte. Zwar zeigte der Italiener immer wieder Formblitze, darunter ein Beinahe-Coup aufs Gelbe Trikot in Barcelona, doch er bestätigte, dass die Belastung zweier Grand Tours ihn in der Schlusswoche nahezu leer zurückließ.
Eine Tour auf Etappensiege ausgerichtet
Netcompany INEOS ging die Tour de France 2026 mit einer gänzlich anderen Philosophie als in der Team-Sky-Ära an und verzichtete auf Gesamtklassement-Ziele, um sich auf Etappensiege zu konzentrieren. Trotz des Strategiewechsels blieb der britischen Mannschaft ein Tageserfolg verwehrt. Es reichte nur zu zwei Top-5-Platzierungen, beide durch Ganna (Etappen 1 und 9).
Die größte Enttäuschung kam im Auftaktzeitfahren von Barcelona, wo der Italiener Zweiter wurde und das Gelbe Trikot um nur acht Sekunden verpasste. Rückblickend erklärte Ganna, dass das Rennen anders lief als geplant.
„Im Zeitfahren von Barcelona sollte ich die anderen Jungs in die letzte Kurve führen. Dann war ich plötzlich zusammen mit Tobias Foss vorn, also sind wir einfach voll gefahren“, sagte Ganna gegenüber
bici.pro.
Die Leistung war besonders befriedigend nach der Enttäuschung der Vorsaison. „Nach dem Sturz, der mich 2025 aus dem Rennen nahm, wollte ich unbedingt zur Tour zurückkehren und eine gute Leistung zeigen.“
Eine weitere starke Vorstellung zeigte Ganna auf Etappe neun, als er die entscheidende Flucht knapp verpasste und anschließend den Sprint des Hauptfelds hinter den Ausreißern gewann – vor Grünträger Mads Pedersen.
Trotzdem gab der Italiener zu, dass das Rennen körperlich ein steter Kampf war. „Es war eine intensive Tour de France, in der wir ziemlich zu kämpfen hatten. Wenn du sowohl den Giro als auch die Tour fährst, sind die Beine eben, wie sie sind.“
Er verwies zudem auf die Zusatzbelastung für schwerere Fahrer in den Bergen. „Vor allem, wenn du kein Gesamtfahrer oder Kletterer bist, wird es noch härter. Wenn du mehr als 80 Kilogramm wiegst, tun diese Anstiege richtig weh.“
Ganna ist überzeugt, dass das Team während der Rundfahrt auch Chancen liegen ließ. „Vielleicht waren wir mehr als einmal nicht bereit. Aus dem fünften Platz hätte mehr werden können, wenn die Ausreißer gestellt worden wären.“
„Meine Beine waren komplett leer“
Das bergige Zeitfahren nach Thonon-les-Bains markierte den Beginn von Gannas Einbruch. Bereits nach der Streckenbesichtigung hatte er prognostiziert, dass der Kurs für Spezialisten ungeeignet sei. Am Ende wurde der Italiener Elfter und baute in den Folgetagen deutlich ab.
Im Rückblick auf diese schwierige Phase gestand er ein, dass ihn die Anstrengung völlig geleert hatte und die Kombination aus Giro und Tour schließlich ihren Tribut forderte.
„Dort war ich in einer tiefen Krise. Meine Beine waren komplett leer. Man hat bei einer Grand Tour manchmal nur wenige Patronen, besonders wenn man zuvor schon eine gefahren ist. Es tut mir leid, dass ich nicht in die Gruppe kam, aber man kann nicht überall sein.“
Nach einer Erholungsphase hat Ganna bereits ein klares Programm für den Rest der Saison. Eine Rückkehr auf die Bahn vor den Bahn-Weltmeisterschaften in Shanghai ist hingegen noch offen.
„Nach einer Erholungspause starte ich bei der Bretagne Classic und fliege dann direkt nach Kanada für das Einzelzeitfahren und die Mixed-Staffel. Was die Bahn betrifft, werden wir sehen. Ich würde es gern machen, aber zuerst muss ich verstehen, wie Kopf und Beine sich am Saisonende anfühlen.“