„Ich tue das nicht, um Zweiter zu werden“ – Juan Ayuso greift bei der Tour de France 2026 nach dem Podium
Radsport
Juan Ayuso geht mit neuem Selbstvertrauen, einem neuen Team und großen Ambitionen in die Tour de France 2026. Nach einer ersten Saisonhälfte mit beeindruckenden Erfolgen, aber auch schmerzhaften Rückschlägen, ist der Spanier überzeugt, rechtzeitig zur Frankreich-Rundfahrt wieder seine Bestform zu erreichen. Als Kapitän von LIDL-Trek will der 23-Jährige im Gesamtklassement ein Wörtchen mitreden.
Die Saison begann für Ayuso vielversprechend. Er gewann die Volta ao Algarve vor dem französischen Supertalent Paul Seixas und João Almeida. Doch anschließend wurde sein Aufschwung mehrfach gestoppt: Bei Paris–Nizza musste er das Rennen nach einem Sturz im Gelben Trikot aufgeben, wenige Tage später zwangen ihn Magenprobleme bereits zu Beginn der Baskenland-Rundfahrt zur Aufgabe.
Barcelona soll zum perfekten Start in die Tour werden
Im Gespräch mit The Athletic erklärte Ayuso, dass diese Rückschläge sein Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit nie erschüttert hätten.

Juan Ayuso startet als Kapitän von LIDL-Trek mit großen Ambitionen und neuem Selbstvertrauen in die Tour de France 2026.
„Vor Paris–Nizza fuhr ich meine besten Werte überhaupt“, sagte er. „Ich hoffe einfach, dass ich wieder auf dieses Niveau komme und bei der Tour bereit bin.“
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Die Tour de France beginnt in diesem Jahr in Ayusos Heimatstadt Barcelona mit einem 19 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren. Das neue Reglement erlaubt es den Fahrern, sich kurz vor dem Ziel aus der Formation zu lösen – ein Format, das sowohl Ayuso als auch LIDL-Trek entgegenkommen könnte.
Bereits bei der Tour Auvergne–Rhône–Alpes zeigte das US-Team seine Stärke in dieser Disziplin. LIDL-Trek belegte im Mannschaftszeitfahren den vierten Platz, während Ayuso die siebtschnellste Einzelzeit aller Fahrer erzielte.
„Wir haben eine richtig starke Mannschaft für das MZF, und das Team ist sehr zuversichtlich“, sagte Ayuso. „In jedem Zeitfahren waren wir vorne dabei. Barcelona ist die größte Bühne dafür, und ich glaube wirklich, dass wir… ich will nicht sagen, dass wir gewinnen, aber wir werden ganz vorne sein.“
Ehrgeiz ja – aber mit dem nötigen Realismus
Ayuso weiß, dass mit Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard die beiden dominierenden Rundfahrer der Gegenwart auf ihn warten. Dennoch sieht er bei seiner ersten Tour de France mit klarem Fokus auf das Gesamtklassement große Chancen.
„Es ist meine erste Tour, bei der ich aufs Gesamtklassement fahre“, erklärte der Spanier.
„Lernen und zugleich ambitioniert sein passt perfekt zusammen. Wir können auf ein großes Resultat zielen, aber nach all den Rückschlägen will ich zuerst das Dauphiné gut bestreiten und dann Ziele festlegen, schauen, was realistisch ist.“
Sein dritter Gesamtrang bei der Tour Auvergne–Rhône–Alpes bestätigte ihn zusätzlich auf diesem Weg.
„Ich hatte das Gefühl, dass ich jeden Tag besser wurde, also bin ich zufrieden“, sagte Ayuso.
Ein Platz auf dem Podium in Paris erscheint für den Spanier durchaus erreichbar – auch wenn Pogacar und Vingegaard in diesem Sommer weiterhin als die größten Favoriten gelten.
Der Weg zum Erfolg ist heute genauso wichtig wie das Ziel
Mit zunehmender Erfahrung hat sich auch Ayusos Blick auf den Leistungssport verändert. Der Sieg bleibt zwar das oberste Ziel, doch inzwischen misst er dem täglichen Entwicklungsprozess ebenso große Bedeutung bei.
„Früher war das Endziel nur das Ergebnis. Jetzt genieße ich den Weg dorthin. Hier oben (in der Höhe) zu sein und jeden Tag das Maximum aus mir herauszuholen, durch das Leiden durchzugehen.“
„Ich bin jetzt in einer Position, von der ich mit sieben Jahren geträumt hätte – allein dieses Interview zu geben. Dafür lebe ich jeden Tag, und dafür muss ich dankbar sein.“
Sein Ehrgeiz sei dadurch allerdings keineswegs kleiner geworden.
„Wie du sagst: Ich gewinne Rennen, seit ich Rad fahre, diese Mentalität ist mit mir gewachsen. Heute ist es viel schwerer zu siegen als mit sieben, aber sie ist noch da.“
Auf der Suche nach der besten Version seiner selbst
Inspiriert von seinem großen Vorbild Alberto Contador arbeitet Ayuso weiterhin daran, jedes noch so kleine Detail zu optimieren, um eines Tages die größten Rennen des Sports zu gewinnen.
Dazu gehört inzwischen auch die Beschäftigung mit Persönlichkeitsentwicklung. Besonders das Buch Inner Excellence von Jim Murphy habe seine Sicht auf Erfolg nachhaltig verändert.
„Diese Bücher helfen mir zu erkennen, dass der Traum am Ende nicht ist, die Tour zu gewinnen, sondern sich darauf vorzubereiten, die Tour zu gewinnen“, sagte Ayuso. „Das ist mein Traum. Dafür trainiere ich, dafür opfere ich praktisch mein ganzes Leben: um zu gewinnen. Ich tue das nicht, um Zweiter zu werden. Man kann Zweiter oder Dritter werden und es ist vielleicht großartig, aber man arbeitet für den Sieg.“
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Ayuso wehrt sich gegen sein öffentliches Image
Seit seinem rasanten Aufstieg in die WorldTour steht Ayuso regelmäßig im Fokus der Öffentlichkeit. Nach eigener Einschätzung entspricht das Bild, das vielerorts von ihm gezeichnet wurde, jedoch längst nicht der Realität.
„Zweifellos, ja. Über mich wurde eine andere Geschichte erzählt. Selbst hier bei diesem Team (LIDL-Trek) haben mir beim Kennenlernen alle gesagt, ich sei völlig anders, als sie dachten. Und ich so: ‚Ja, aber wenn du die verdammte Presse liest!‘“
„Aber ich verstehe, dass es Teil des Spiels ist und sich verkauft. Zwei oder drei Dinge sind in der Vergangenheit passiert, die von außen ganz anders aussehen, als sie tatsächlich waren – und das bleibt haften.“
Ayuso betont, dass er gelernt habe, sich von solchen Urteilen nicht beeinflussen zu lassen. Er ist überzeugt, dass ihn sein neues Umfeld bei LIDL-Trek den Menschen von einer anderen Seite zeigen wird.
„Es gab allerdings eine Spaltung. Eine Kluft, die sich nicht schließen ließ. Es ist nicht so, dass er ein unwilliger Helfer oder eine Störgröße war“, sagte er, „sondern eher, dass er ein geborener Kämpfer ist, der selbst gewinnen will.“
„Natürlich ist es mir lieber, wenn eine Geschichte rausgeht, dass es die richtige Geschichte ist. Es ist also nicht so, dass es mir egal wäre, aber ich darf es nicht an mich heranlassen, weil ich es nicht kontrollieren kann“, erklärte Ayuso. „Ein Typ, der mich überhaupt nicht kennt, zwei Sachen in den Medien liest und zwei Schlüsse zieht, wird mir nicht meine Zufriedenheit nehmen. Du kannst die Meinung der Leute nicht ändern, und das ist nichts, worüber ich mir wirklich den Kopf zerbreche.“
„Ich bin insgesamt ruhig damit, und ich weiß, dass die Leute in diesem Team, in einer anderen Atmosphäre, mehr von dem sehen werden, wer ich bin.“
Das Gelbe Trikot bleibt das große Ziel
Als Kapitän von LIDL-Trek startet Ayuso mit realistischen Chancen auf eine Spitzenplatzierung in die Tour de France. Hinter den Ambitionen für diesen Sommer steht jedoch ein noch größeres langfristiges Ziel.
„Ich will nicht sagen, es ist nur eine Frage der Zeit, weil das dann jeder aus dem Kontext reißt oder was auch immer, und gerade dieses Jahr wird es, glaube ich, sehr schwierig. Aber, ganz klar, in meinem Kopf sehe ich, dass es passieren kann“, sagte er. „Deshalb arbeite ich so hart dafür, und das ist die Motivation.“
Für Ayuso ist die Tour de France 2026 deshalb weit mehr als nur das nächste große Rennen. Sie ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu seinem großen Traum, eines Tages selbst im Gelben Trikot nach Paris zu fahren.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









