Die Saison von
Thibau Nys hat nach einer jüngsten Knieoperation eine unerwartete Wendung genommen, doch seine Ambitionen bleiben ungebrochen. Der
Lidl-Trek-Profi, der für mehrere Wochen pausieren muss, richtet den Blick bereits über die Reha hinaus auf eines der größten Ziele im Kalender: die Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montreal, wo
Tadej Pogacar das dritte Regenbogentrikot in Serie anpeilt.
Analyse zu Nys’ WM-Plan: Knie-OP, verpasste Ardennen, Blick nach Montreal
Nys wurde Mitte März wegen eines Tractus-iliotibialis-Syndroms am linken Knie operiert und fällt rund dreieinhalb Wochen aus. Der Rückschlag kostet ihn die Ardennen-Klassiker und gefährdet seine Teilnahme an weiteren wichtigen Frühjahrsrennen erheblich.
Der Belgier machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung, zentrale Saisonziele zu verpassen – zumal Rennen, die seinem Profil liegen. Sein Programm war ohnehin eingeschränkt, da er nicht in den Tour-de-France-Plänen des Teams vorgesehen ist, wo Namen wie Juan Ayuso, Mads Pedersen, Giulio Ciccone und Mathias Vacek die Auswahl der deutschen Mannschaft anführen.
Nys verweigert jedoch den Blick zurück, hat seine Ziele neu justiert und peilt die Europameisterschaften in Slowenien und vor allem die WM in Montreal an. Gegenüber
WielerFlits stellte er klar: „Ich habe definitiv für beide Rennen große Ambitionen.“
Die WM-Strecke, so hört er, passe sehr gut zu seinen Eigenschaften, was seine Motivation zusätzlich befeuert.
„Aber alles kann irrelevant sein, wenn Tadej Pogacar am Start steht“, seufzt der Belgier.
Dennoch scheut Nys die Herausforderung nicht: „Ich lasse mich nicht entmutigen, wenn Tadej am Start ist. Es ist daher sehr gut möglich, dass ich mir die WM in Kanada fest vornehme.“
Ambition mit Bodenhaftung
Mit 23 Jahren ist Nys entschlossen, sich mit der WorldTour-Spitze zu messen – ohne in markige Sprüche zu verfallen. Sein Fokus gilt nicht nur Pogacar, sondern auch Fahrern wie Remco Evenepoel und Mathieu van der Poel.
„Ich glaube, dass ich mit ihnen konkurrieren kann. Aber ich bin auch sehr realistisch und werde nicht behaupten, dass ich sie schlage.“
Der Belgier vertraut auf seine Entwicklung, besonders in Rennen wie den Ardennen, wo er in den kommenden Jahren einen deutlichen Schritt erwartet.
Zwischen Straße und Cyclocross
Nys ließ zudem offen, seine Laufbahn neu zu denken, falls der erhoffte Fortschritt auf der Straße ausbleibt: „Wenn ich diesen Eindruck nicht hätte – oder künftig nicht mehr hätte –, könnte meine Karriere eine andere Richtung einschlagen.“
In diesem Sinn bleibt der Cyclocross eine realistische Option. Derzeit ziehen Kopf und Herz unterschiedlich: Während er zugibt, dass ihm der Flèche Wallonne besser liegt, treibt ihn die Ambition, von Lüttich–Bastogne–Lüttich zu träumen.
„Und ja, gegen Pogacar. Meiner Meinung nach der Beste aller Zeiten. Der Vorsprung, den er in dieser Ära hat, ist einfach unglaublich.“
Tadej Pogacar attackiert bei Milano–Sanremo 2026 mit Tom Pidcock und Mathieu van der Poel am Hinterrad
Langfristige Träume
Über die Gegenwart hinaus gibt Nys große Ziele nicht preis. Ein Kindheitstraum rückt ebenfalls wieder in den Fokus: die Ronde van Vlaanderen.
Seine aktuellen Stärken deuten zwar noch anderswohin, doch der Belgier schließt für die Zukunft nichts aus. Die Saison ist aus der Spur geraten, seine Ambition bleibt jedoch stabil: gegen die Besten zu fahren… und sie eines Tages zu schlagen.