Das Fernbleiben von Kyrylo Tsarenko bei Solution Tech NIPPO Rali ist nicht unbemerkt geblieben. Nach einer Saison, in der der Ukrainer zu den Schlüsselakteuren des Teams zählte, fehlt sein Name sowohl auf der offiziellen Website als auch in den UCI-Listen. Dabei hatte er zuvor signalisiert, 2026 beim ProTeam weiterzumachen – was Fragen zu seiner Situation aufwirft.
Ohne öffentliche Erklärung richtete sich der Blick auf den Teamchef der Italiener, Serge Parsani, der
gegenüber tuttobiciweb endlich klarstellte, was hinter der überraschenden Absenz steckt.
Von sportlichen Gründen kann keine Rede sein. Parsani betonte, es gehe nicht um Leistung, sondern um ungeklärte persönliche Angelegenheiten. „Kyrylo hat persönliche Dinge zu klären und kann leider so lange nicht zurück ins Rennen, bis das erledigt ist. Es handelt sich um bürokratische Themen, und bis sie geregelt sind, können wir ihn nicht starten lassen.“
Das ist ein herber Rückschlag angesichts von Tsarenkos Bedeutung in der vergangenen Saison – er holte 539 der 2310 UCI-Punkte von Solution Tech im Jahr 2025 – als er fünf Siege einfuhr, darunter den größten Erfolg des Teams, den
Sieg auf der Königsetappe der Tour of Slovenia.
Volles Vertrauen in seine Rückkehr
Trotz der Lage ist die Botschaft aus dem Management eindeutig: Das Team setzt weiter auf ihn und erwartet seine Rückkehr, sobald sein Fall geklärt ist.
„Genau, wir warten auf ihn. Sobald er seine Situation geregelt hat, nimmt er den Rennbetrieb wieder auf. In der Zwischenzeit, bis sich alles klärt, trainiert er weiter.“
Die Aussage bestätigt: Zwischen beiden Parteien gibt es keinen Bruch, nur eine erzwungene Pause.
Interne Umstrukturierung und Neuzugänge
Unterdessen versuchte das Team, seine Abwesenheit über den Winter durch Kaderverstärkungen abzufedern, um die Konkurrenzfähigkeit zu halten und den Punktverlust zu kompensieren. „Im Winter haben wir drei oder vier Fahrer eines gewissen Niveaus verpflichtet (ehemalige WT-Profis wie Kamiel Bonneu, Michele Gazzoli oder Santiago Umba, Anm.), in der Hoffnung, dass sie uns im Laufe der Saison einige jener Punkte einfahren, die dem Radsport meiner Meinung nach heute wehtun.“
Ein Gedanke, der zu einer weiteren Kritik Parsanis überleitet: das aktuelle Punktesystem, das aus seiner Sicht zwischen den Rennen schlecht austariert ist.
Kyrylo Tsarenko im Jahr 2025
Ein System, das Frust erzeugt
Der Italiener machte keinen Hehl aus seiner Frustration über die Punktevergabe im Profiradsport, besonders für Teams auf ihrem Niveau. „Es ist undenkbar, bei WorldTour-Rennen Punkte zu holen, weil wir keine Einladungen bekommen.“
Er zog zudem Vergleiche zwischen dem Wert verschiedener Wettbewerbe. „Wenn wir eine Etappe in einem .2-Rennen gewinnen, gibt es sieben Punkte, und wenn wir eine Etappe auf Sardinien gewinnen, entspricht das Platz 30 bei Milano-Sanremo. Das ist absurd.“
Rückblickend erklärte Parsani auch, warum das Team knapp an den Top 30 vorbeischrammte, und verwies auf Verletzungen als entscheidenden Faktor. „Im September konnten wir weder auf Rajovic zählen noch auf Quartucci, der seit seinem Sturz nicht mehr ins Rennen zurückgekehrt ist.“ So blieb das Team auf Rang 31 hängen – schmerzhaft nah an einem Ziel, das die sportliche Perspektive verändert hätte.
Zusätzlich merkte der Italiener mit Blick auf das Ranking nach Teamauflösungen an: „Mit dem Aus von Arkea hätten wir bis Ende 2025 auf Platz 30 rücken können, aber dieses Szenario wurde nicht berücksichtigt.“
Warten auf die Lösung des „Mysteriums“
Damit ist der Fall Tsarenko erklärt, aber nicht gelöst. Der Fahrer bleibt momentan ohne Renneinsätze, behält jedoch seinen Platz im Team, das seine Rückkehr erwartet und zugleich versucht, sein Projekt in einem immer anspruchsvolleren Umfeld zu tragen.
Eine unerwartete Pause für einen ihrer entscheidendsten Fahrer… und ein Fragezeichen, das sich erst hebt, wenn die bürokratischen Hürden aus dem Weg geräumt sind.