„Ich habe gelesen, ich hätte meine Nominierung zurückgezogen – aber das stimmt nicht“ – Widar ohne Erklärung aus Belgiens WM-Aufgebot gestrichen

Radsport
durch Nic Gayer
Montag, 14 September 2026 um 10:00
Jarno Widar on stage 10 of the 2026 Vuelta a Espana
Jarno Widar hat sein Grand-Tour-Debüt erfolgreich beendet und während der vergangenen drei Wochen mehrfach angedeutet, welches Potenzial in ihm steckt. Besonders herausragend war sein zweiter Platz auf der Andorra-Etappe im direkten Duell mit den besten Klassementfahrern. Eine Woche später fuhr der erst 20-Jährige aus einer Ausreißergruppe heraus erneut auf einen starken vierten Platz. Der erste Grand-Tour-Etappensieg blieb ihm zwar noch verwehrt, doch angesichts seiner Leistungen scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Widar auch auf dieser Bühne ganz oben steht.
Sein nächstes großes Ziel wird allerdings nicht die Weltmeisterschaft sein. Obwohl Widar als Olympiasieger des Vorjahres auf dem extrem anspruchsvollen EM-Kurs in der Ardeche bereits bewiesen hat, dass ihm schwere Eintagesrennen liegen, verzichtet Belgiens Nationaltrainer Serge Pauwels sowohl bei der WM als auch bei der EM 2026 auf den Youngster. Pauwels möchte Widars Einstieg in die Elite-Rennen offenbar verschieben, bis dieser noch „reifer“ ist.

„Ich habe die Weltmeisterschaft nicht abgesagt“

Rund um Widars Nicht-Nominierung entstand allerdings ein Missverständnis. Teilweise war der Eindruck entstanden, der 20-Jährige habe selbst auf einen Start bei der Weltmeisterschaft verzichtet. Dem widerspricht er ausdrücklich.
Jarno Widar und Lars Craps überqueren die Ziellinie auf Etappe 14 der Vuelta a Espana 2026.
Jarno Widar überzeugte bei seinem Grand-Tour-Debüt, wurde von Belgien aber weder für die Weltmeisterschaft noch für die Europameisterschaft nominiert.
„Ich habe irgendwo gelesen, ich hätte die Weltmeisterschaft abgesagt, aber das stimmt nicht“, stellt Widar gegenüber Het Nieuwsblad klar.
Der Belgier hätte sich einen Start in Kanada durchaus zugetraut. Nach seiner starken ersten Grand Tour sieht er sich körperlich in der Lage, Remco Evenepoel als wichtigen Helfer zu unterstützen – möglicherweise sogar bis weit in die entscheidende Phase des Rennens hinein.
„Aber die Entscheidung hat der Nationaltrainer getroffen“, erklärt Widar und akzeptiert damit, dass Pauwels bei der Zusammenstellung des Aufgebots andere Vorstellungen verfolgt.

Widar kritisiert mangelnde Kommunikation

Unzufrieden zeigt sich der 20-Jährige allerdings mit der Art und Weise, wie ihm die Entscheidung vermittelt wurde. Bereits bei der Vuelta a Burgos rund einen Monat zuvor soll Pauwels ihm angekündigt haben, die mögliche Nominierung während der Vuelta noch einmal mit ihm zu besprechen. Zunächst sollte abgewartet werden, wie Widars Körper auf die Belastungen seiner ersten dreiwöchigen Rundfahrt reagiert.
Zu diesem Gespräch kam es laut Widar jedoch nicht. Der Nationaltrainer meldete sich während der Vuelta nicht mehr, sodass der Youngster lange im Unklaren darüber blieb, ob er bei der Weltmeisterschaft zum belgischen Aufgebot gehören würde.
Die entscheidende Begründung erfuhr Widar schließlich nicht persönlich, sondern aus den Medien. „Ich habe am Ende in der Presse gelesen, dass er meinte, es sei noch ein Jahr zu früh, weil ‚Positionierung in Kanada eine große Rolle spielt‘.“
Mit diesem Argument kann der Belgier wenig anfangen. Aus Widars Sicht hängt die Positionierung innerhalb eines WM-Pelotons auch davon ab, welchen Respekt eine Mannschaft und ihre Kapitäne bei den konkurrierenden Nationen genießen. Gerade Belgien dürfte mit seinen Spitzenfahrern in dieser Hinsicht kaum Probleme bekommen.
Seine eigene Einschätzung fällt entsprechend selbstbewusst aus: „Wenn ich dort sitzen muss, dann sitze ich dort.“

Auch bei der EM bleibt Widar außen vor

Noch besser als die Strecke der Weltmeisterschaft in Kanada könnte Widar möglicherweise der Kurs der Europameisterschaft in Slowenien liegen. Doch auch dort wird der 20-Jährige nicht für Belgien an den Start gehen.
Dabei legt Widar Wert darauf, auch in diesem Fall ein offenbar entstandenes Missverständnis auszuräumen. „Es wurde berichtet, ich hätte für beide abgesagt“, erklärt er. Tatsächlich ging der Verzicht auf seine Teilnahme nach seiner Darstellung nicht von ihm selbst aus.
Damit fehlen Widar sowohl die Weltmeisterschaft in Kanada als auch die Europameisterschaft in Slowenien im verbleibenden Saisonprogramm. Gleichzeitig eröffnet ihm die Nicht-Nominierung die Möglichkeit, seine letzten Rennwochen gezielter nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten.
Statt im Nationaltrikot um WM- oder EM-Ehren zu kämpfen, wird Widar seinen Fokus nun auf die italienischen Eintagesrennen legen. Nach einem vielversprechenden Grand-Tour-Debüt bekommt der 20-Jährige damit eine weitere Gelegenheit, sein großes Potenzial noch vor dem Ende der Saison 2026 unter Beweis zu stellen.
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