Kasia Niewiadoma
stahl die Show beim großen Mont-Ventoux-Debüt im Frauenradsport.
Elisa Longo Borghini sah die Etappensiegerin erst im Ziel wieder, nachdem sie zusammen mit Demi Vollering und Marlen Reusser zehn Kilometer vor dem Gipfel attackiert hatte. Die Fahrerin von UAE Team L'IMAD kämpfte dennoch stark und wurde hinter Vollering Dritte.
Movistar und FDJ United - SUEZ setzten vom Fuß des Ventoux an ein hohes Tempo für ihre Kapitäninnen. „Das Tempo war von Beginn an sehr hoch. Hut ab vor Kasia, sie ist wirklich einen großartigen Anstieg gefahren“, sagte die italienische Meisterin nach dem Rennen bei Eurosport.
Als die Attacken schließlich flogen, wählte Longo Borghini einen konservativeren Ansatz und blieb in einer Verfolgergruppe, in der unter anderem Teamkollegin Paula Blasi fuhr. Diese kontrollierte Einteilung zahlte sich aus: Longo Borghini holte Reusser bis zum Gipfel ein und sicherte sich Rang drei des Tages.
„Ich habe nicht so sehr auf die anderen geschaut und bin mein eigenes Tempo gefahren. Mit Paula (Blasi) habe ich gut zusammengearbeitet, so konnten wir Marlen einholen.“
„Über Platz drei kann ich mich nicht beschweren“, lächelte sie und fügte vielsagend, leicht sarkastisch hinzu: „Wir haben wieder gezeigt, dass wir ein Team sind.“
Wer ist also die Kapitänin?
Ein großes Thema vor der Tour war die Rollenverteilung bei UAE. Mit Vuelta-Siegerin Paula Blasi, Giro-2025-Gewinnerin Longo Borghini und der Tour-Vierten 2025 Dominika Wlodarczyk hatte die Emirati-Equipe viele Karten in der Hand, aber keine klare Anführerin.
Diese Unklarheit zeigte sich am Ventoux erneut. Während Wlodarczyk früh vom Vorderfeld abfiel, arbeiteten Blasi und Longo Borghini in der Verfolgergruppe kaum zusammen.
„Ich bin mit Paula Kopf an Kopf gefahren und habe im Finale alles gegeben“, sagte die Italienerin. Blasi wurde Fünfte, sechs Sekunden dahinter.
Während Reusser im Finale etwas Zeit verlor, konnte Longo Borghini die Schäden der frühen Attacken wettmachen – dank Erfahrung und kühlem Kopf. Das war der Schlüssel zum Tagespodium und zum Sprung auf
Rang vier der Gesamtwertung. „Wir mussten geduldig sein, heute brauchte es Beine und Köpfchen“, resümierte Longo Borghini.
Die GC-Lage von UAE Team L'IMAD erinnert nun an Movistar aus dem vergangenen Jahrzehnt (besonders 2019). Drei starke Anführerinnen – aber keine mit realistischen Chancen auf das große Ziel. Longo Borghini ist Vierte, über zwei Minuten vom Podium entfernt, Blasi liegt als Siebte weitere anderthalb Minuten zurück, und Wlodarczyk ist als Achte nochmals etwa eine Minute dahinter.