Die 7. Etappe der
Tour de France Femmes galt bereits im Vorfeld als einer der entscheidenden Tage im Kampf um den Gesamtsieg – und am Mont Ventoux könnten die Kräfteverhältnisse nun vollständig auf den Kopf gestellt worden sein. Während
Demi Vollering und
Marlen Reusser als große Rivalinnen um das Gelbe Trikot gehandelt wurden, blieb den beiden Favoritinnen am Ende nur eine Nebenrolle.
Katarzyna Niewiadoma setzte am härtesten Anstieg der Tour zur entscheidenden Attacke an, feierte einen beeindruckenden Etappensieg und eroberte die Gesamtführung.
Die 146 Kilometer lange Etappe von La Voulte-sur-Rhône zum Mont Ventoux begann ohne Anna van der Breggen. Die Niederländerin hatte in den vergangenen Tagen mit Formproblemen und körperlichen Beschwerden zu kämpfen. Auf dem Weg zum legendären Schlussanstieg musste das Peloton zunächst mehrere Hügel bewältigen, bevor die brutale Bergankunft am Mont Ventoux das große Finale des Tages bildete.
Reusser startet in Gelb – Ausreißerinnen vor dem Mont Ventoux gestellt
Marlen Reusser nahm die Etappe mit zwölf Sekunden Vorsprung auf Demi Vollering in Angriff, während Katarzyna Niewiadoma bereits 1:17 Minuten hinter der Gesamtführenden lag. In der Fluchtgruppe des Tages versuchten derweil Idoia Eraso, Clémence Latimier, Marit Raaijmakers, Ruby Roseman-Ganon, Mia Griffin, Amalie Dideriksen, Paula Patiño, Marte Berg Edseth, Sandrine Tas, Romina Hinojosa und Fiona Mangan ihr Glück.
Mit Beginn des 21 Kilometer langen Schlussanstiegs zum Mont Ventoux war die Flucht allerdings beendet. Schon auf den ersten Kilometern des Berges wurde ein enorm hohes Tempo angeschlagen – und das noch weit entfernt von den steilsten Passagen. Movistar führte das Feld schließlich in jene Kehre 15 Kilometer vor dem Ziel, die den Auftakt des härtesten Abschnitts markierte. Die Folgen waren unmittelbar zu sehen: Fahrerinnen wie Pauline Ferrand-Prévot und Kim Le Court konnten dem Tempo nicht mehr folgen und fielen zurück.
Katarzyna Niewiadoma attackiert am Mont Ventoux
Zunächst erhöhte FDJ - Suez den Druck, anschließend übernahm EF Education - OATLY für Cédrine Kerbaol die Tempoarbeit. Magdeleine Vallières und Niamh Fisher-Black versuchten sich mit kurzen Vorstößen, ehe sich unter dem von Noemi Rüegg angeschlagenen Rhythmus eine Gruppe von rund einem Dutzend Fahrerinnen an der Spitze stabilisierte.
Elf Kilometer vor dem Ziel eröffnete Demi Vollering schließlich den direkten Kampf der Favoritinnen. Die Niederländerin hatte sich bis dahin am Ende der Gruppe aufgehalten, setzte nun jedoch zur Attacke an. Reusser im Gelben Trikot und Niewiadoma hefteten sich unmittelbar an ihr Hinterrad. Paula Blasi konnte zunächst ebenfalls folgen, fiel kurz darauf aber in eine Verfolgergruppe mit Elisa Longo Borghini, Cédrine Kerbaol und Antonia Niedermaier zurück.
Vollering bestimmte anschließend einige Minuten lang das Tempo der Spitzengruppe. Als die Geschwindigkeit jedoch etwas nachließ, erkannte Niewiadoma sofort ihre Gelegenheit. Kurz vor der Zehn-Kilometer-Marke beschleunigte die Polin und setzte sich von ihren beiden großen Konkurrentinnen ab. Vollering wirkte zunächst weiterhin kontrolliert und versuchte mehrfach, die entstandene Lücke mit eigenen Antritten wieder zu schließen – doch jeder Versuch blieb erfolglos.
Schon nach wenigen Kilometern war deutlich zu erkennen, dass Niewiadomas Vorsprung anwuchs. Reusser und Vollering waren nun gezwungen, gemeinsam die Verfolgung aufzunehmen. Doch auf den unerbittlichen Steigungsprozenten des Mont Ventoux spielte die Tour-Siegerin von 2024 ihre Qualitäten aus und ließ sich nicht mehr zurückholen.
Niewiadoma vollendete ihre beeindruckende Vorstellung schließlich mit einem brillanten Etappensieg und übernahm zugleich das Gelbe Trikot. Hinter ihr war der Kampf zwischen Vollering und Reusser allerdings noch nicht entschieden. Auf den letzten 500 Metern attackierte Vollering die bisherige Gesamtführende, distanzierte die Schweizerin und riss eine Lücke, die ihr den zweiten Platz sicherte und sie in der Gesamtwertung vor die Movistar-Fahrerin brachte. Reusser brach auf den letzten Metern ein und wurde schließlich auch noch von Elisa Longo Borghini überholt.
Ergebnisse Tour de France Femmes 2026, Etappe 7