„Sie waren alle so gut wie am Limit“ – Demi Vollerings Taktik am Mont Ventoux erklärt

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 07 August 2026 um 20:00
DemiVollering
Demi Vollering war mit einem klaren Ziel in die entscheidende Schlacht am Mont Ventoux gegangen: Marlen Reusser vom Thron stoßen und selbst das Gelbe Trikot übernehmen. Zumindest einen Teil dieses Vorhabens konnte die Niederländerin verwirklichen. Reusser liegt nun hinter ihr, die Gesamtführung gehört allerdings Katarzyna Niewiadoma. Dennoch bleibt Vollerings erster Gesamtsieg seit drei Jahren weiterhin in Reichweite.
Auf dem Weg dorthin ließ die Europameisterin am Mont Ventoux nichts unversucht. Mehrfach attackierte Vollering auf dem legendären Anstieg, musste letztlich jedoch eine überragende Niewiadoma ziehen lassen. Im Anschluss an die Etappe erläuterte FDJ - Suez-Sportdirektor Lars Boom die taktische Herangehensweise seiner Kapitänin.

Vollering in starker Verfassung

„Wie ich zuvor sagte: Sie wirkt sehr stark, und das zeigt sie jetzt“, erklärte Boom gegenüber mehreren Medien, darunter Wielerflits. Wie bereits an den Tagen zuvor hielten sich Célia Gery und Évita Muzic vorne auf, als die Kletterpassagen der Etappe begannen. Die Anweisung am Fuß des Mont Ventoux lautete allerdings ausdrücklich nicht, sofort das Tempo zu verschärfen.
Demi Vollering und Marlen Reusser am Mont Ventoux.
Demi Vollering konnte Marlen Reusser am Mont Ventoux distanzieren, muss auf den letzten beiden Etappen aber 15 Sekunden auf Katarzyna Niewiadoma aufholen.
Stattdessen übernahm EF Education - OATLY auf den unteren Rampen des Ventoux die Tempoarbeit. Vollering ließ sich derweil innerhalb der kleinen Gruppe der Gesamtklassement-Fahrerinnen nach hinten fallen und vermittelte den Eindruck, möglicherweise nicht über ihre besten Beine zu verfügen. Es war ein Bluff – allerdings einer, der nicht den erhofften Effekt erzielte. Als Vollering schließlich zum ersten Mal beschleunigte, reagierten sowohl Reusser als auch Niewiadoma umgehend.
Wenig später war es Niewiadoma selbst, die zum Angriff überging. Auf die Beschleunigung der Polin fand keine ihrer beiden Rivalinnen eine Antwort. Vollering versuchte zweimal, die entstandene Lücke wieder zu schließen und gleichzeitig Reusser im Gelben Trikot unter Druck zu setzen, doch beide Versuche blieben erfolglos. Das Tempo an den steilen Rampen des Ventoux war derart hoch, dass Vollering und Reusser ihre Anstrengungen schließlich reduzieren mussten. Währenddessen vergrößerte Niewiadoma ihren Vorsprung immer weiter und fuhr letztlich zum Etappensieg.
„Ich glaube, sie waren alle ziemlich am Limit“, erklärte Boom. „Demi kam gut zurück, aber ich habe noch nicht mit ihr gesprochen, daher kann ich nicht ins Detail gehen. Man sieht, dass sie im letzten Kilometer wiederkommt; ich denke, sie hat sehr lange gelitten.“

Gelbes Trikot bleibt das Ziel für FDJ - Suez

Auf dem Schlusskilometer mobilisierte Vollering noch einmal ihre letzten Reserven. Mit einer wuchtigen Attacke distanzierte sie Reusser und nahm der Schweizerin 30 Sekunden ab. Zu diesem Zeitpunkt war Niewiadomas Vorsprung jedoch bereits zu groß geworden, sodass Vollering das Gelbe Trikot trotz ihres starken Finales verpasste.
Warum seine Kapitänin am Mont Ventoux vergleichsweise lange gewartet hatte, erklärte Boom anschließend mit den besonderen Bedingungen des Schlussanstiegs. „Der Abschnitt davor ist nicht so steil, dazu kam Gegenwind. Das macht es noch härter. Wir wissen, dass Demi einen guten Punch hat; das Ziel war, den letzten Kilometer zu nutzen, um andere zu distanzieren“, sagte der Sportdirektor. „Am Ende war nur noch eine Fahrerin vor ihr.“
Reusser konnte Vollerings finaler Beschleunigung tatsächlich nicht mehr folgen und wurde endgültig distanziert. Für die Niederländerin bleibt die grundsätzliche Aufgabe im Kampf um den Gesamtsieg allerdings dieselbe – nur ihre wichtigste Rivalin hat sich geändert. Wie bereits 2024 muss Vollering nun Katarzyna Niewiadoma jagen. Die Polin geht mit einem Vorsprung von 15 Sekunden in die beiden letzten Etappen.
Bei FDJ - Suez richtet sich der Blick deshalb bereits auf das entscheidende Wochenende. Zunächst steht jedoch die Regeneration im Mittelpunkt. „Zuerst müssen wir essen, trinken und gut regenerieren. Morgen müssen wir ebenfalls sauber durchkommen. Der Sonntag ist ein harter Tag, der Demi besser liegt als dieser hier, wie man bereits an Tag fünf gesehen hat“, blickte Boom voraus. An der Ausgangslage im Kampf um Gelb ändere das allerdings nichts: „Das ändert nichts daran, dass wir fünfzehn Sekunden gutmachen müssen.“
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