„Meine Freundin ist hier, ich wollte ihr etwas zurückgeben“ – Jan Christen feiert ersten WorldTour-Sieg nach schwerem Sturz

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 07 August 2026 um 21:30
Jan Christen at the 2026 Tour de Pologne
Bei der Polen-Rundfahrt 2026 tobt ein äußerst enger Kampf um den Gesamtsieg – doch auf dieser Etappe gehörte die große Bühne Jan Christen. Der Fahrer von UAE Team Emirates - XRG war noch am Vortag zu Boden gegangen, bei einem Sturz, der für drei seiner Teamkollegen sogar das vorzeitige Aus bedeutete. Nur einen Tag später meldete sich der Schweizer eindrucksvoll zurück und krönte seine Reaktion mit einem überzeugenden Etappensieg.
„Ich bin richtig, richtig glücklich. Es war eine sehr schwere Etappe. Ehrlich gesagt habe ich mich wegen meines Sturzes gestern einen Großteil des Tages nicht gut gefühlt. Mein Rücken tat ziemlich weh, und ich war mir nicht sicher, ob ich gehen kann“, schilderte Christen nach der Zielankunft, wie schwierig sein Weg zu diesem Erfolg gewesen war.

Christen findet nach schmerzhaftem Sturz zurück zu alter Stärke

Am Tag zuvor schien UAE Team Emirates - XRG Christen und João Almeida für einen der technisch anspruchsvollen Streckenabschnitte zunächst perfekt positioniert zu haben. Dann jedoch kam auf nasser Straße ein Großteil der Mannschaft zu Fall – ein folgenschwerer Sturz, nach dem drei Fahrer des Teams das Rennen nicht fortsetzen konnten.
Christen selbst schaffte es zwar, gemeinsam mit den Besten das Ziel zu erreichen, hinterließ auf der von Bart Lemmen gewonnenen Etappe jedoch keinen überragenden Eindruck. Einen Tag später sah die Situation vollkommen anders aus. In einem Finale, das wie geschaffen für die stärksten Puncheure war, präsentierte sich der Schweizer wieder bereit für den Kampf um den Sieg – und setzte schließlich entschlossen zum Angriff an.
Für den Schweizer Meister war der Erfolg gleich in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Christen feierte nicht nur den ersten WorldTour-Sieg seiner Karriere, sondern konnte diesen Meilenstein auch vor einer Person erreichen, die ihm besonders wichtig ist.
„Aber etwa 30 Kilometer vor dem Ziel begann ich, mich immer besser zu fühlen, und ich fand mein Selbstvertrauen wieder. Meine Freundin ist auch hier, und ich wollte ihr etwas zurückgeben. Deshalb ist es unglaublich, hier in Polen meinen ersten WorldTour-Sieg zu holen.“

Timing als Schlüssel zum Sieg

Am steilen Anstieg nach Kocierz verschärfte Neilson Powless das Tempo. Die extremen Steigungsprozente machten den Berg ausgesprochen schwierig einzuteilen – und boten damit zugleich ein Terrain, auf dem ein explosiver Puncheur wie Christen seine Qualitäten ausspielen konnte.
Der Schweizer verfügte sowohl über die richtige Position als auch über die notwendigen Beine. Entscheidend war jedoch, seine Kräfte nicht zu früh einzusetzen. „Das Schwierigste war, ruhig zu bleiben. Etwa eineinhalb Kilometer vor der Kuppe fühlte ich mich sehr stark und musste mich zurückhalten, nicht zu früh zu attackieren.“
Auf den steilsten Rampen wäre es schwierig gewesen, entscheidende Abstände zwischen den Favoriten herauszufahren. Christen wartete deshalb, bis die Steigungsprozente etwas nachließen – und setzte genau in diesem Moment seine explosive Attacke. „Als ich auf dem Computer die Kuppe auftauchen sah, dachte ich, das ist der richtige Moment für den Angriff.“
Mit seiner Beschleunigung riss Christen zunächst eine deutliche Lücke und schien auf dem Weg zu einem Solosieg zu sein. Marco Brenner von Tudor nahm jedoch die Verfolgung auf und arbeitete sich wieder an den Schweizer heran. Christen reduzierte daraufhin sein Tempo und entschied sich, auf seine Fähigkeiten im Sprint zu vertrauen.
Gegen den Deutschen wurde der Kampf um den Etappensieg noch einmal eng, doch auf der ansteigenden Zielgeraden hatte Christen schließlich die schnellsten Beine. Damit belohnte er nicht nur seine perfekt getimte Attacke, sondern machte auch im Kampf um die Gesamtwertung einen großen Schritt nach vorne.
„Am Ende war es wirklich sehr hart. Ich denke, ich hätte es auch im Sprint gewonnen, aber ich wollte versuchen, Zeit für die Gesamtwertung gutzumachen. Das hat erneut funktioniert, deshalb bin ich wirklich sehr glücklich“, erklärte Christen nach seinem Triumph. Durch das Ergebnis verbesserte sich der Schweizer vom 17. auf den 4. Platz der Gesamtwertung und liegt nun nur noch 18 Sekunden hinter dem Gelben Trikot von Bart Lemmen.
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