Die Tour Auvergne-Rhône-Alpes beginnt am Sonntag, 07.06., und läutet offiziell den Aufbau zur Tour de France 2026 ein, auf deren jüngste Ausgabe die Fans hinfiebern. Nach Jonas Vingegaards Giro d’Italia-Sieg mehren sich die Spekulationen über ein erneutes Duell mit Tadej Pogacar in Frankreich – doch ein neues Supertalent drängt nach.
Radsportfans wissen längst: Paul Seixas gilt als Zukunft des Sports. Mit erst 19 Jahren kehrt er zum traditionellen Vorbereitungsrennen – vormals Critérium du Dauphiné – zurück, mit großen Zielen und gestützt von überragenden Frühjahrsauftritten. Der Star von Decathlon CMA CGM stellte diese Woche jedoch klar, dass die Zukunft jetzt beginnt: Er will die
Tour Auvergne-Rhône-Alpes gewinnen.Er dominiert die Schlagzeilen vor dem Start, da er sich auf Duelle mit weiteren Gesamtwertungsanwärtern wie Isaac Del Toro und Juan Ayuso vorbereitet. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass auch andere Stars mit eigenen Ambitionen in den Südosten Frankreichs anreisen.
Abseits des Rampenlichts kommen mehrere Fahrer mit etwas zu beweisen. Nach Verletzungen, Klassikern zum Vergessen oder mit dem festen Vorsatz, an große Siege zu erinnern, haben wir vier Profis herausgepickt, auf die man bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes genau achten sollte.
Healy feiert Comeback
Seit seinen Heldentaten bei der Tour de France 2025 und Tagen im Gelben Trikot hat
Ben Healy einiges durchgemacht. Seine Form trug ihn noch in den September, wo er bei den Weltmeisterschaften einen starken dritten Platz holte. Doch das Glück war damit fast aufgebraucht.
Seine Saison 2026 begann vielversprechend bei Tirreno–Adriatico mit Rang acht im Gesamtklassement, ehe der Fokus auf sein Kerngeschäft, die Ardennen-Klassiker, wechselte. Der EF Education-Easypost-Profi kam jedoch zu keinem der angestrebten Klassikerstarts – nach einem Sturz bei der Streckenbesichtigung der Baskenland-Rundfahrt.
Bemerkenswert: Er bestritt das Etappenrennen trotzdem und war an allen drei Schlussetappen Dauergast in der Flucht, scheinbar ideal eingekocht für die anstehenden belgischen Klassiker. Kurz darauf flammten jedoch die Sturzfolgen wieder auf, diagnostiziert wurde ein Kreuzbeinbruch.
Nach nun fast zwei Monaten ohne Rennen hat Healy still gearbeitet – und dürfte vor Entschlossenheit brennen, an die Form des letzten Sommers anzuknüpfen. Auch Alex Baudin wird im Team eine wichtige Rolle spielen und ist definitiv einer zum Beobachten.
Jorgenson zurück im Rennbetrieb
Apropos Verletzungen: Auch für
Matteo Jorgenson war der Frühling keiner zum Erinnern. Der US-Amerikaner stürzte schwer beim Amstel Gold Race und zog sich einen Schlüsselbeinbruch zu – ein jäher Stopp in einer bis dahin vielversprechenden Saison.
Blickt man auf den Saisonstart zurück, war er der einzige, der Paul Seixas bei dessen Attacke in der Faun-Ardèche Classic zunächst folgen konnte, dem Auftakt seines kometenhaften Aufstiegs. Zudem zählte er bei Strade Bianche und Tirreno–Adriatico zu den Stärksten.
Team Visma | Lease a Bike testete den vielseitigen Profi auf vielen Terrains, und es schien, als habe er seinen Platz unter den Top-Fahrern für Eintages- und Etappenrennen gefunden, bevor der Sturz dazwischenfunkte.
Viele Augen richten sich auf Wout Van Aerts Rennrückkehr, doch ein genauer Blick auf Matteo Jorgenson lohnt – nicht zuletzt wegen seines bereits gezeigten Kletterniveaus zu Saisonbeginn.
Gilmore sucht den Katalonien-Schliff
Ein Fahrer, der unbedingt ein Ausrufezeichen setzen will, ist Brady Gilmore. Der vielseitige Sprinter aus Australien platze in dieser Saison nach seinem Wechsel zum NSN Cycling Team in die WorldTour.
Sein Name blieb vor allem dank des bemerkenswerten Siegs am Schlusstag der Katalonien-Rundfahrt haften. Auf dem giftigen Rundkurs in Barcelona hielt er mit den Top-Favoriten bergauf und bergab mit und sprintete zu einem eindrucksvollen Erfolg.
Er zeigte, dass er nicht nur in verkleinerten Gruppen sprinten kann, sondern in selektiven, attackenreichen Finals zäh dranbleibt. Gilmore könnte in der kommenden Woche in Frankreich immer wieder auftauchen.
Ob er die Tour de France anvisiert, ist offen. Doch eine Leistung wie in Katalonien lässt sich schwer übersehen – zumal womöglich drei Etappen seinem Profil entgegenkommen.
Simmons hofft auf neue Ausreißer-Magie
Quinn Simmons jagte Tadej Pogacar im Vorjahr bei Il Lombardia einen Schrecken ein. Seine fulminante Fluchtfahrt reichte zwar nicht, um den dominanten Slowenen zu halten, brachte ihm nach über 230 Kilometern in der Gruppe aber Rang vier ein.
2026 gelang dem US-Amerikaner eine solche Sternstunde noch nicht. Er agierte oft fern der Rennspitze, mit enttäuschenden Resultaten etwa bei Strade Bianche und einem Ausstieg bei der Baskenland-Rundfahrt.
Der Durango-Profi war rund sechs Wochen ohne Rennbelastung. In Frankreich wird er nun heiß auf seinen Neustart sein – in der Hoffnung, jene Ausreißerform wiederzufinden, mit der er vergangenes Jahr mehrere Tour-de-France-Etappen geprägt hat.