Finanzprobleme bei INEOS und EF, Millionen-Ausgaben bei LIDL-Trek? Johan Bruyneel enthüllt Hintergründe zu den Transfers von Ganna und Carapaz
Radsport
Auf dem Transfermarkt des internationalen Radsports haben sich in der vergangenen Woche gleich mehrere bemerkenswerte Entwicklungen abgezeichnet. Mit Richard Carapaz und Filippo Ganna stehen zwei prominente Fahrer im Mittelpunkt spektakulärer Teamwechsel, für die sie ihre bestehenden Verträge vorzeitig aufgelöst haben. Die Hintergründe dieser Transfers werfen zugleich neue Fragen zur finanziellen Situation mehrerer WorldTour-Mannschaften auf.
Im Podcast The Move äußerte sich der frühere Teammanager Johan Bruyneel ausführlich zu den beiden Personalentscheidungen. Besonders der Wechsel von Richard Carapaz sorgt für Gesprächsstoff: Der Ecuadorianer verlässt EF Education-EasyPost vor Ablauf seines Vertrags und schließt sich für drei Jahre NSN Cycling an. Nach Bruyneels Einschätzung soll Carapaz bei seinem neuen Arbeitgeber ein Jahresgehalt von rund 2,5 Millionen Euro beziehen.
Richard Carapaz verlässt EF Education-EasyPost – Bruyneel spricht über finanzielle Probleme
„Ich wusste das, glaube ich, kurz nach der Tour. Ich hatte dazu Informationen aus erster Hand, aber bis zur offiziellen Bestätigung hat es eine Weile gedauert“, erklärte Bruyneel gegenüber seinem Podcast-Kollegen Spencer Martin. Für den Ecuadorianer hält er den Wechsel für einen ausgesprochen guten Schritt: „Für Carapaz ist das großartig. Ich glaube, der Vertrag läuft über drei Jahre. In dieser Phase seiner Karriere ist das natürlich sehr gut. Außerdem wissen wir alle, dass EF finanzielle Probleme hat.“

Richard Carapaz verlässt EF Education-EasyPost vorzeitig und wechselt zu NSN Cycling. Laut Johan Bruyneel sollen finanzielle Schwierigkeiten seines bisherigen Teams eine entscheidende Rolle bei dem Transfer gespielt haben.
Sportlich hatte Carapaz zuletzt eindrucksvoll auf sich aufmerksam gemacht. Bei der Tour de France feierte er zwei Etappensiege und sicherte sich zudem die Bergwertung. Anschließend überzeugte er auch bei der Vuelta a Espana mit starken Leistungen und verpasste einen Platz auf dem Gesamtpodium nur knapp. Mit seiner offensiven und kompromisslosen Fahrweise gewann der ehemalige Olympiasieger in den vergangenen Monaten zahlreiche weitere Anhänger.
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Obwohl Carapaz ursprünglich noch für die kommende Saison an EF Education-EasyPost gebunden war, sollen finanzielle Schwierigkeiten des US-amerikanischen Rennstalls den vorzeitigen Abschied ermöglicht haben. Bruyneel deutete an, dass die Mannschaft ihren finanziellen Spielraum offenbar deutlich einschränken müsse. „Anscheinend wird das Budget gekürzt“, erklärte der Belgier.
Die Auswirkungen dieser Entwicklung sollen auch den bestehenden Vertrag des Ecuadorianers betroffen haben. „Carapaz hatte noch einen Vertrag für das nächste Jahr. Man sagte ihm aber, er könne im Team bleiben, werde jedoch nicht das vereinbarte Gehalt bekommen. Das ist keine gute Ausgangslage, um eine Einigung zu erzielen. Besonders Carapaz ist nach seiner großartigen Tour de France und der Vuelta sehr gefragt.“
Bei NSN Cycling soll Carapaz künftig gemeinsam mit Santiago Buitrago und Lennert van Eetvelt einen schlagkräftigen Kletterblock bilden. Bruyneel sieht in seiner Verpflichtung allerdings nicht nur einen sportlichen Gewinn für die Schweizer Mannschaft. Auch aus wirtschaftlicher und medialer Sicht könnte sich der Transfer auszahlen. „Er ist für Sponsoren attraktiv. Ich denke, für NSN ergibt der Wechsel ebenfalls viel Sinn.“
Gleichzeitig bezweifelt der frühere Teammanager, dass Carapaz mit seiner neuen Mannschaft unmittelbar um die ganz großen Erfolge bei den dreiwöchigen Landesrundfahrten kämpfen kann. Seinen Wert für das Team schmälere das jedoch keineswegs. „Auch wenn ich glaube, dass Spitzenleistungen und Podiumsplätze bei den Grand Tours in der aktuellen Lage schwierig werden. Carapaz wird dem Team aber viel Aufmerksamkeit verschaffen. Genau das braucht es meiner Meinung nach.“
Filippo Ganna verlässt INEOS – Bruyneel hinterfragt die Transferstrategie von LIDL-Trek
Für ähnlich großes Aufsehen sorgt der bevorstehende Wechsel von Filippo Ganna zu LIDL-Trek. Der italienische Zeitfahrspezialist verlässt INEOS Grenadiers vorzeitig, obwohl sein laufender Vertrag noch ein weiteres Jahr gültig gewesen wäre. Für die britische Mannschaft bedeutet der Abgang eines ihrer prominentesten Fahrer zugleich, dass nur wenig Zeit bleibt, um einen geeigneten Ersatz zu verpflichten.
Bruyneel vermutet, dass Gannas bisheriger Vertrag noch aus einer Phase stammt, in der INEOS bei der Verpflichtung seiner Fahrer deutlich großzügiger mit finanziellen Mitteln umging. „Ich glaube, er unterschrieb seinen aktuellen Vertrag in einer Phase, in der INEOS ziemlich planlos mit Geld um sich warf“, sagte der Belgier. „Wahrscheinlich hat er einen hoch dotierten Vertrag. Bei einem Verbleib bei INEOS hätte er aber wohl nicht mehr dieselbe Summe bekommen. Ganna ist weiterhin ein sehr guter Fahrer, bringt aber nicht die Leistungen, die wir uns alle von ihm erhofft hatten.“
Insbesondere im Kampf gegen Remco Evenepoel musste Ganna in den vergangenen Jahren immer wieder seine Grenzen erkennen. Während der Italiener zu Beginn der 2020er-Jahre das internationale Zeitfahren maßgeblich prägte und zu den dominierenden Fahrern dieser Disziplin gehörte, entwickelte sich Evenepoel zunehmend zu einem nahezu unüberwindbaren Konkurrenten.
Bei LIDL-Trek erhält Ganna einen Dreijahresvertrag und wird Teil einer Mannschaft, die ihren Kader mit zahlreichen prominenten Verpflichtungen weiter verstärkt. Zu den Neuzugängen gehören auch Felix Gall und Jordi Meeus. Trotz der beeindruckenden personellen Qualität des Teams kann Bruyneel allerdings keine eindeutige sportliche Strategie hinter den zahlreichen Transfers erkennen. „LIDL-Trek hat ein starkes Team zusammengestellt, aber ich erkenne darin keine klare Logik.“
Noch bemerkenswerter findet der Belgier die finanziellen Dimensionen der Transferoffensive. Nach Informationen, die ihm zugetragen worden seien, soll LIDL-Trek bei seinen Ausgaben die ursprünglich vorgesehenen Grenzen erheblich überschritten haben. „Sie müssen ein Scheckbuch mit unterschriftsreifen Blankoschecks haben. Mir wurde gesagt, dass sie Millionen über dem Budget liegen. Und wenn ich Millionen sage, meine ich nicht nur ein paar Millionen. Es geht um einen zweistelligen Millionenbetrag. Sie liegen also mehr als zehn Millionen über dem Budget“, behauptete Bruyneel.
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Finanzielle Entlastung für INEOS durch den Ganna-Transfer?
Während LIDL-Trek offenbar bereit ist, erhebliche Summen in die Verstärkung seines Kaders zu investieren, könnte der Abgang von Ganna für INEOS Grenadiers auch wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen. Trotz eines geschätzten Jahresbudgets von rund 50 Millionen Euro blieb die britische Mannschaft sportlich zuletzt hinter ihren finanzstarken Konkurrenten zurück. Nach Bruyneels Einschätzung könnte dieser Umstand dazu geführt haben, dass die Verantwortlichen inzwischen deutlich stärker auf die Ausgaben achten.
„Anscheinend achten sie jetzt genauer auf ihr Geld“, erklärte Bruyneel. Vor diesem Hintergrund könnte die vorzeitige Freigabe des italienischen Zeitfahrspezialisten durchaus im Interesse der Mannschaft liegen. Schließlich würde INEOS nicht nur das Gehalt für dessen letztes Vertragsjahr einsparen, sondern möglicherweise auch eine beträchtliche Ablösesumme erhalten. „Auch deshalb kommt die Freigabe von Filippo Ganna gelegen. Sie müssen das zusätzliche Vertragsjahr nicht bezahlen und bekommen wahrscheinlich eine ordentliche Ablösesumme. Allein mit diesem Geld können sie vier oder fünf Fahrer verpflichten.“

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









