Die Strecke der
Tour de France Femmes 2026 wurde vor einigen Monaten offiziell in Paris vorgestellt – und sie verspricht ein Spektakel. Die kommende Ausgabe unterscheidet sich deutlich von der letztjährigen und führt die Fahrerinnen auf eine herausfordernde Route voller Höhenmeter, Klassikerabschnitte und einem legendären Höhepunkt: der ersten Bergankunft auf dem Mont Ventoux. Das Rennen endet in Nizza, wo es erneut zum GC-Showdown kommen dürfte. Wir blicken auf die Etappen und Profile.
Das Pendant zur
Herren-Tour de France, die Tour de France Femmes, wurde 2022 nach langen Diskussionen endlich ins Leben gerufen. Zwar ist das Rennen kürzer, doch es bietet dem Frauenpeloton neun Tage harten Wettkampf, große Sichtbarkeit und ein Event, das rasch zu einem der wichtigsten im Frauenradsport geworden ist und mit vielen der größten Männerrennen konkurriert.
Die Premiere gewann Annemiek van Vleuten, 2023 übernahm ihre Landsfrau Demi Vollering das Maillot Jaune. Die Niederländerin wurde in den vergangenen zwei Saisons jeweils Zweite: 2024 verlor sie in einem dramatischen Finale auf der Alpe d’Huez Sekunden knapp an Katarzyna Niewiadoma, 2025 holte Pauline Ferrand-Prévot mit dominanten Auftritten in den Bergetappen Frankreichs ersten Toursieg.
Streckenprofil Etappe 1: Lausanne - Lausanne
Lausanne - Lausanne, 138,1 Kilometer
Der Auftakt der Tour de France Femmes 2026 findet in der Schweiz statt. Rund um Lausanne wartet eine 138 Kilometer lange Etappe, die den Sprinterinnen keinerlei Geschenke macht. Statt eines klassischen Massensprints dürfte bereits am ersten Tag eine Bergankunft die Kletterinnen und die Favoritinnen für die Gesamtwertung in den Mittelpunkt rücken.
Dennoch dürfen sich auch einige Klassiker-Spezialistinnen Hoffnungen auf das erste Gelbe Trikot machen. Das Profil ist über die gesamte Distanz wellig und endet mit einem 2,6 Kilometer langen Schlussanstieg, der unterschiedliche Fahrertypen im Rennen halten könnte.
Der finale Anstieg zählt zwar nicht zu den schwersten der Rundfahrt, doch das Finale dürfte mit hohem Tempo angefahren werden. Zudem liegen einige Rampen deutlich über der durchschnittlichen Steigung von 4,6 Prozent. Das reicht aus, um erste Abstände zu erzeugen – und verspricht ein spannendes Auftaktfinale im Kampf um das erste Gelbe Trikot.
Etappe 2: Aigle - Genéve
Aigle - Genève, 147,9 Kilometer
Auch die zweite Etappe der Tour de France Femmes 2026 wird vollständig auf Schweizer Boden ausgetragen. Der Renntag beginnt in Aigle, dem Sitz des UCI-Hauptquartiers, und verspricht mit seinem anspruchsvollen Profil eine taktisch äußerst interessante Etappe.
Bereits im ersten Rennabschnitt stehen mehrere Anstiege auf dem Programm, die ideale Voraussetzungen für die Bildung einer starken Ausreißergruppe bieten. Anschließend führt die Strecke auf einem ständig welligen Kurs durch die Schweizer Voralpen und verlangt dem Peloton über den gesamten Tag hinweg höchste Aufmerksamkeit ab.
Insgesamt sind fünf kategorisierte Anstiege zu bewältigen, was eine kontrollierte Rennführung deutlich erschwert. Zwar ist in Genève ein Massensprint durchaus möglich, doch die Teams der schnellen Fahrerinnen müssen ihre Kräfte auf den zahlreichen Wellen – auch den nicht klassifizierten – geschickt einteilen.
Das Profil kommt in erster Linie offensiv ausgerichteten Klassikerinnen entgegen. Die letzten 37 Kilometer verlaufen allerdings flach bis leicht abschüssig und bieten den Verfolgerinnen ausreichend Gelegenheit, das Rennen vor dem Ziel wieder unter Kontrolle zu bringen.
Etappe 3: Genève - Poligny
Genève - Poligny, 156,9 Kilometer
Auch die dritte Etappe ist alles andere als leicht zu kontrollieren. Der Renntag beginnt in Genève, ehe die Fahrerinnen bereits nach wenigen Kilometern die Schweizer Grenze hinter sich lassen und nach Frankreich wechseln.
Mit dem Grenzübertritt beginnt zugleich der anspruchsvollste Teil des Tages. Zunächst wartet der Col de la Caucille mit 11,6 Kilometern Länge und einer durchschnittlichen Steigung von 6,3 Prozent. Anschließend folgt ein weiterer Anstieg der dritten Kategorie, sodass die Kletterinnen früh gefordert sind.
Die Kombination aus langen Anstiegen, welligen Hochplateaus und technisch anspruchsvollen Abfahrten macht es dem Peloton schwer, das Rennen unter Kontrolle zu halten. Ein längerer flacher Abschnitt, auf dem sich das Feld neu sortieren könnte, fehlt nahezu komplett. Stattdessen reiht sich bis weit in die Schlussphase eine Schwierigkeit an die nächste.
Der letzte kategorisierte Anstieg des Tages liegt rund 24 Kilometer vor dem Ziel und bietet zudem Bonussekunden, was zusätzliche Attacken der Klassementfahrerinnen begünstigen könnte. Nach der folgenden Abfahrt führen die letzten 13 Kilometer auf flachem Terrain nach Poligny, wo trotz des selektiven Streckenverlaufs ein Sprint einer reduzierten Gruppe das wahrscheinlichste Szenario ist.
Etappe 4 (ITT): Geverey-Chambertin - Dijon
Gevrey-Chambertin - Dijon, 21 Kilometer
Die vierte Etappe der Tour de France Femmes 2026 steht ganz im Zeichen des Kampfes gegen die Uhr. Wie bereits bei der Tour de France der Männer setzen die Organisatoren auf ein anspruchsvolles Einzelzeitfahren. Die 21 Kilometer lange Strecke führt von Gevrey-Chambertin nach Dijon und bietet deutlich mehr als ein klassisches Flachzeitfahren.
Zur Streckenmitte wartet der entscheidende Anstieg des Tages. Über zwei Kilometer hinweg beträgt die durchschnittliche Steigung 6,7 Prozent und verlangt den Fahrerinnen einen gelungenen Wechsel zwischen Kletter- und Zeitfahrqualitäten ab.
Gerade auf diesem Profil überschneiden sich die Stärken vieler Zeitfahrspezialistinnen mit denen der Klassementfahrerinnen. Reine Kraft-Zeitfahrerinnen könnten am Anstieg jedoch wertvolle Sekunden einbüßen.
Nach der Kuppe folgt eine schnelle und weitgehend geradlinige Abfahrt, die technisch keine besonderen Schwierigkeiten bereithält. Insgesamt bietet das Zeitfahren ideale Voraussetzungen, um bereits früh in der Rundfahrt spürbare Zeitabstände im Gesamtklassement herauszufahren.
Etappe 5: Mâcon - Belleville-en-Beaujolais
Mâcon - Belleville-en-Beaujolais, 140,3 Kilometer
Die fünfte Etappe der Tour de France Femmes 2026 führt über 140 Kilometer und dürfte vor allem den Puncheurinnen entgegenkommen. Gleichzeitig müssen auch die Favoritinnen für die Gesamtwertung jederzeit wachsam sein, um keine Zeit einzubüßen – oder selbst die Gelegenheit für einen Angriff zu nutzen.
Von Mâcon nach Belleville-en-Beaujolais warten insgesamt rund 2.900 Höhenmeter. Die Schwierigkeiten beginnen praktisch mit dem Startschuss, denn gleich zu Beginn geht es ins kupierte Terrain. Insgesamt stehen acht kategorisierte Anstiege auf dem Programm. Die Strecke durch das Massif Central ist bekannt für ihre anspruchsvollen Straßen und einen häufig unberechenbaren Rennverlauf.
Das Profil kombiniert längere Kletterpassagen mit kurzen, äußerst explosiven Rampen und eröffnet dadurch zahlreiche taktische Möglichkeiten. Sowohl eine erfolgreiche Ausreißergruppe als auch offensive Aktionen der Klassementfahrerinnen erscheinen auf diesem Terrain realistische Szenarien.
Besonders die beiden letzten Anstiege dürften das Rennen entscheidend prägen. Der vorletzte Gipfel wird rund 30 Kilometer vor dem Ziel erreicht und ist 3,7 Kilometer lang bei einer durchschnittlichen Steigung von 5,8 Prozent. Der Schlussanstieg folgt 10,5 Kilometer vor dem Ziel und weist auf 2,9 Kilometern durchschnittlich 7,9 Prozent Steigung auf. Vor allem dort könnten die Favoritinnen ihre entscheidenden Attacken setzen und den Kampf um den Tagessieg eröffnen.
Etappe 6: Montbrison - Tournon-sur-Rhône
Montbrison - Tournon-sur-Rhône, 153,6 Kilometer
Die sechste Etappe der Tour de France Femmes 2026 verspricht einen der offensten Rennverläufe der gesamten Rundfahrt. Ob ein Sprint einer reduzierten Gruppe, der Erfolg einer Ausreißergruppe oder sogar ein Schlagabtausch der Klassementfahrerinnen – auf diesem Profil scheint nahezu jedes Szenario möglich. Der Renntag beginnt in Montbrison und führt die Fahrerinnen schon kurz nach dem Start in anspruchsvolles Terrain.
Insgesamt stehen sechs kategorisierte Anstiege auf dem Programm. Dabei wechseln sich erneut kurze, steile Rampen mit längeren Kletterpassagen ab und sorgen für einen unruhigen Rennverlauf.
Eine zentrale Rolle dürfte der Col de Lalouvesc spielen. Der Anstieg ist 8,6 Kilometer lang und weist eine durchschnittliche Steigung von 4,9 Prozent auf. Da sein Gipfel rund 48 Kilometer vor dem Ziel liegt und sich unmittelbar eine lange, teils steile Abfahrt anschließt, bietet er ideale Voraussetzungen für erste ernsthafte Attacken.
Anschließend rückt die Côte de Boucieu-le-Roi in den Fokus. Der 3,9 Kilometer lange Anstieg mit durchschnittlich 5,6 Prozent Steigung endet lediglich 16 Kilometer vor dem Ziel und könnte zur entscheidenden Stelle des Tages werden. Zusätzlich wartet neun Kilometer vor dem Ziel noch eine kurze Bergaufpassage mit einem Bonussprint, die weitere offensive Aktionen begünstigen könnte.
Zwischen den letzten Anstiegen geht es überwiegend bergab, ehe die Fahrerinnen die Schlusskilometer nach Tournon-sur-Rhône in Angriff nehmen. Dort dürfte sich entscheiden, welche Fahrerin sich auf einer der taktisch interessantesten Etappen der Tour de France Femmes 2026 durchsetzt.
Etappe 7: La Voule-sur-Rhône - Mont Ventoux
La Voulte-sur-Rhône - Mont Ventoux, 147 Kilometer
Die siebte Etappe ist die Königsetappe der Tour de France Femmes 2026 – und zugleich der einzige echte Hochgebirgstag der Rundfahrt. Auf dem Papier handelt es sich zwar um eine klassische „Unipuerto“-Etappe mit nur einem entscheidenden Schlussanstieg, doch der legendäre Mont Ventoux macht diesen Renntag zum unbestrittenen Höhepunkt der gesamten Tour.
Das Peloton startet in La Voulte-sur-Rhône und nimmt auf 147 Kilometern Kurs auf den „Géant de Provence“. Zwar stehen unterwegs drei kategorisierte Anstiege auf dem Programm, doch sie dienen in erster Linie dazu, die Kräfte für den alles entscheidenden Schlussanstieg zu zehren.
Showdown am Mont Ventoux
Zum ersten Mal überhaupt führt die Tour de France Femmes auf den Mont Ventoux. Der Schlussanstieg ist rund 21 Kilometer lang und weist eine durchschnittliche Steigung von acht Prozent auf. Besonders anspruchsvoll präsentiert sich der erste Teil des Anstiegs, in dem sich über viele Kilometer hinweg immer wieder Rampen mit rund zehn Prozent Steigung aneinanderreihen.
Im oberen, völlig exponierten Abschnitt flacht die Straße etwas ab. Dort könnte der Wind – abhängig von seiner Richtung und Stärke – zu einem entscheidenden Faktor werden und den Kampf um den Etappensieg zusätzlich prägen.
In den letzten Kilometern zieht die Steigung erneut spürbar an. Auf den finalen Rampen des Mont Ventoux dürften die Favoritinnen auf den Gesamtsieg ihre entscheidenden Attacken setzen – mit der Aussicht auf große Zeitabstände im Klassement.
Etappe 8: Sisteron - Nizza
Sisteron - Nizza, 171,8 Kilometer
Die achte Etappe der Tour de France Femmes 2026 startet in Sisteron und ist mit 171 Kilometern die längste Etappe der gesamten Rundfahrt. Trotz der großen Distanz lässt sich der Rennausgang nur schwer vorhersagen. Das Profil ist über weite Strecken geprägt von einem ständigen Auf und Ab, ohne jedoch mit extrem schweren Anstiegen aufzuwarten.
Auf dem Weg nach Nizza dürften viele Fahrerinnen ihre Kräfte gut einteilen können, sodass ein großer Teil des Feldes das Finale noch geschlossen erreicht. Dort steigt der Schwierigkeitsgrad allerdings noch einmal deutlich an.
Rund 7,5 Kilometer vor dem Ziel wartet mit der Côte de la Gineste der letzte kategorisierte Anstieg des Tages. Er ist 2,5 Kilometer lang und weist eine durchschnittliche Steigung von 4,2 Prozent auf – auf dem Papier kein besonders schwerer Anstieg, im Rennfinale aber durchaus geeignet, das Feld zu dezimieren.
Direkt nach der Kuppe folgt die wohl entscheidende Passage der Etappe: Eine nur 450 Meter lange, dafür aber bis zu 13 Prozent steile Rampe könnte den Unterschied machen und den explosivsten Fahrerinnen die Gelegenheit für eine entscheidende Attacke bieten.
Die Rampe endet rund sechs Kilometer vor dem Ziel. Nach einer kurzen Abfahrt erreichen die Fahrerinnen die berühmte Promenade des Anglais, auf der die Entscheidung über den Tagessieg fällt. Bis dahin dürfte das Rennen jedoch längst in seine entscheidende Phase eingetreten sein.
Etappe 9: - Nizza - Nizza
Nizza - Nizza, 99 Kilometer
Die neunte und letzte Etappe der Tour de France Femmes 2026 beginnt und endet in Nizza. Der Streckenverlauf ist dabei klar strukturiert: Vier identische Runden mit jeweils einem längeren Anstieg und der anschließenden Abfahrt zurück in die Stadt bilden den Rahmen für das große Finale der Rundfahrt.
Jede Runde ist 23,5 Kilometer lang, wobei das Klettern jeweils unmittelbar nach dem Passieren der Ziellinie beginnt. Befahren wird die klassische Auffahrt, die sich über 7,8 Kilometer mit einer durchschnittlichen Steigung von 5,9 Prozent erstreckt. Durch ihren unregelmäßigen Charakter eignet sich der Anstieg hervorragend für offensive Fahrweise und frühe Attacken.
Nach jeder Überquerung des Gipfels folgt eine schnelle und teilweise technisch anspruchsvolle Abfahrt zurück nach Nizza. Das verlangt den Fahrerinnen auch fahrerisch höchste Konzentration ab und eröffnet zusätzliche taktische Möglichkeiten.
Die vier Anstiege enden jeweils 92, 66, 40 und schließlich nur noch 15,5 Kilometer vor dem Ziel. Vor allem die letzte Auffahrt dürfte den entscheidenden Schlagabtausch im Kampf um den Gesamtsieg liefern, ehe die abschließende Abfahrt zurück nach Nizza über den Ausgang der Tour de France Femmes 2026 entscheidet.
Siegerinnenliste Tour de France Femmes
| Jahr | Siegerin | Zweite | Dritte |
| 2025 | FERRAND-PRÉVOT Pauline | VOLLERING Demi | NIEWIADOMA Kasia |
| 2024 | NIEWIADOMA Kasia | VOLLERING Demi | ROOIJAKKERS Pauliena |
| 2023 | VOLLERING Demi | KOPECKY Lotte | NIEWIADOMA Kasia |
| 2022 | VAN VLEUTEN Annemiek | VOLLERING Demi | NIEWIADOMA Kasia |