Tadej Pogacar arbeitet nach seinen bei der Vuelta a España erlittenen Verletzungen an seiner Rückkehr. Während die Genesung des Slowenen weiter voranschreitet, richtet sich der Blick bereits auf die Saison 2027.
Michael Matthews, enger Freund und regelmäßiger Trainingspartner Pogacars, hat nun Einblicke in dessen Gesundheitszustand gegeben und sich zugleich zu einem möglichen Debüt des ehemaligen Weltmeisters in Australien geäußert.
Auch Matthews selbst blickt auf ein äußerst schwieriges Jahr zurück. Bei einem Trainingsunfall im März zog sich der Australier schwere Verletzungen zu, die sogar seine Karriere bedrohten. Dennoch gelang es ihm, erneut Leistungen auf höchstem Niveau abzurufen. Und das in einem Peloton, dessen Renntempo mittlerweile deutlich höher liegt als in den erfolgreichsten Jahren seiner bisherigen Laufbahn.
„Ich glaube immer noch, dass ich gewinnen kann“ – Matthews jagt seinen großen Traum
An ehrgeizigen Zielen mangelt es dem 36-Jährigen weiterhin nicht. Ganz oben auf seiner Wunschliste steht insbesondere Milano-Sanremo, eines der fünf Monumente des Radsports. „Nach diesem Jahr und allem, was passiert ist, möchte ich es natürlich noch einmal richtig versuchen“, erklärte Matthews im Podcast
Domestique Hotseat.
Michael Matthews auf dem Podium der Weltmeisterschaft in Montreal.
Dass der Australier bei dem italienischen Frühjahrsklassiker zu den ernst zu nehmenden Siegkandidaten zählt, hat er bereits mehrfach bewiesen. 2024 musste er sich nur einem Konkurrenten geschlagen geben, 2025 belegte er den vierten Platz. Schon zuvor hatte Matthews zweimal auf dem Podium gestanden. Sollte Tadej Pogacar im kommenden Frühjahr tatsächlich fehlen, könnte das Rennen einem endschnellen Fahrer mit den Qualitäten von Matthews besonders entgegenkommen. Auf seinen ersten Triumph bei einem der fünf Monumente wartet der Australier allerdings noch immer.
Wie konkurrenzfähig Matthews trotz seines Alters und der schweren Verletzungen weiterhin ist, stellte er zuletzt bei der Weltmeisterschaft in Montréal unter Beweis. Dort sicherte er sich den zweiten Platz und überzeugte insbesondere mit einer seiner stärksten Kletterleistungen. Entsprechend optimistisch blickt er auf die kommende Saison. „Es ist ziemlich aufregend zu sehen, was im nächsten Jahr wieder möglich ist. Ich habe gezeigt, welches Niveau ich noch erreichen kann.“
2027 liegt sein Gewinn des Grünen Trikots bei der Tour de France bereits zehn Jahre zurück. Doch obwohl Matthews inzwischen zu den erfahrenen Fahrern im Peloton gehört, sieht er weiterhin gute Gründe, von großen Erfolgen zu träumen. „Natürlich bin ich nicht mehr jung. Meine Chancen werden weniger, aber das Niveau, das ich dieses Jahr erreicht habe, war ziemlich beeindruckend.“
Den Glauben daran, eines Tages endlich Milano-Sanremo zu gewinnen, hat Matthews jedenfalls nicht verloren. „Ich glaube immer noch, dass ich dort um den Sieg kämpfen kann. Für den Triumph wird natürlich ein besonderer Tag nötig sein, aber ich glaube, dass dieser Tag für mich irgendwann kommen wird.“
Freundschaft und Rivalität: Wie Pogacar Michael Matthews zu Höchstleistungen antreibt
Ein wichtiger Faktor für Matthews' anhaltende Motivation ist seine enge Verbindung zu Tadej Pogacar. Die beiden leben in Monaco, trainieren regelmäßig miteinander und pflegen seit Jahren eine enge Freundschaft. Gleichzeitig bietet ihm die gemeinsame Trainingsarbeit mit einem der besten Fahrer der Welt die Möglichkeit, seine eigenen Grenzen immer wieder neu auszuloten.
„Tadej ist einer meiner besten Freunde. Er ist ein Superstar unseres Sports und wird es immer bleiben“, schwärmte Matthews. Doch die persönliche Verbundenheit ändert nichts an seinem sportlichen Ehrgeiz. „Gleichzeitig ist er aber auch ein Konkurrent. Ein Fahrer, gegen den ich gerne antrete und an dem ich mein Niveau messen möchte.“
Dass Freundschaft und Konkurrenzkampf im Profiradsport eng beieinanderliegen können, zeigte sich beispielsweise bei Milano-Sanremo 2024, als Matthews und Pogacar die Plätze zwei und drei belegten. So sehr der Australier seinen Trainingspartner schätzt, auf der Rennstrecke muss er ihn als Gegner betrachten. Für den 36-Jährigen ist diese Einstellung eine unverzichtbare Voraussetzung, um auch nach mehr als einem Jahrzehnt an der Weltspitze weiterhin Höchstleistungen anzustreben.
„Ich muss daran glauben, dass ich gewinnen kann. Sonst fehlt mir die Motivation, überhaupt zum Training aufzubrechen“, erklärte Matthews. Dass ein Sieg gegen einen Fahrer wie Pogacar eine enorme Herausforderung darstellt, ist ihm durchaus bewusst. „Natürlich wusste ich, dass es gegen ihn schwer werden würde. Aber wenn man nicht daran glaubt, es schaffen zu können, wozu sollte man dann ein Team anführen? Warum sollte man alle dazu bringen, einen zu unterstützen, wenn man selbst nicht an den eigenen Erfolg glaubt?“
Gerade seine Sprintqualitäten waren über viele Jahre hinweg die entscheidende Waffe des Australiers. An seiner grundsätzlichen Einstellung zum Rennsport hat sich deshalb nichts geändert: Er will gewinnen, unabhängig davon, wie stark die Konkurrenz ist. „Ich liebe es, zu gewinnen und mich mit den Besten zu messen. Ob ich es geschafft hätte oder schaffen würde: Ich war bereit, alles zu geben.“
Pogacars Genesung nach der Vuelta: „Anfangs hatte er wohl mit der Situation zu kämpfen“
Durch ihre enge Freundschaft hat Matthews auch einen unmittelbaren Einblick in Pogacars Genesungsprozess nach dessen Sturz bei der Vuelta a España. Nach Einschätzung des Australiers hätte der Slowene durchaus gerne an der Europameisterschaft teilgenommen und fühlte sich selbst offenbar bereit für eine Rückkehr ins Renngeschehen. Die medizinische Abteilung seines Teams bewertete die Situation jedoch anders.
„Wenn man ihn fragt, war er bereit. Der Teamarzt sagte dagegen Nein“, berichtete Matthews. Für einen ehrgeizigen Profi wie Pogacar sei es besonders schwer, eine solche Entscheidung zu akzeptieren. „Das ist schwierig, denn wenn wir als Sportler ein klares Ziel vor Augen haben, hält uns nur wenig davon ab, alles dafür zu geben.“
Die Heilung seiner Schlüsselbeinverletzung war zu diesem Zeitpunkt offenbar bereits weit fortgeschritten. Allerdings vermutet Matthews, dass noch weitere Folgen des Sturzes eine Rolle spielten. „Das Schlüsselbein war so gut wie verheilt. Ich glaube aber, dass ihn noch etwas anderes aus dem Sturz ein wenig zurückhielt“, erklärte der Australier.
Inzwischen scheint Pogacar die schwierigste Phase seiner Genesung jedoch weitgehend hinter sich gelassen zu haben. Zumindest vermittelt der frühere Weltmeister seinem Freund mittlerweile wieder einen deutlich positiveren Eindruck. „Anfangs hatte er wohl mit der ganzen Situation zu kämpfen, aber ehrlich gesagt wirkt er jetzt sehr glücklich.“
Matthews ist ohnehin überzeugt, dass Pogacars Begeisterung für den Radsport weit über Titel, Rekorde und persönliche Bestmarken hinausgeht. „Er liebt es einfach, Rad zu fahren. Rekorde zu brechen und all das ist für ihn wohl nicht das Wichtigste. Er misst sich einfach gern mit den Besten und hat dabei Spaß.“
Gerade diese Einstellung macht den Slowenen in den Augen seines Trainingspartners zu einem besonderen Vorbild. „Ich finde, er ist ein großartiges Vorbild für uns alle“, betonte Matthews. Auch in schwierigen Momenten könne man von Pogacars Herangehensweise profitieren. „Wenn es schwierig wird, kann man sich manchmal einfach ein Lächeln ins Gesicht zaubern, das tun, was man liebt, und sein Bestes geben. Ich lerne jeden Tag etwas von ihm.“
Überraschender Saisonstart 2027? Matthews hält Pogacar-Debüt bei der Tour Down Under für möglich
Neben seinem Gesundheitszustand sorgt inzwischen auch die Frage nach Pogacars Rennprogramm für 2027 für Gesprächsstoff. In einer aktuellen Ausgabe des CyclingUpToDate-Podcasts wurde darüber diskutiert, bei welchem Wettbewerb der Slowene in die kommende Saison einsteigen könnte. Da Pogacar seine diesjährige Saison früher beendet und entsprechend zeitiger mit der Vorbereitung auf das nächste Jahr beginnt, halten viele Beobachter einen ungewöhnlich frühen Saisonauftakt bereits im Januar für denkbar.
Als besonders interessante Möglichkeit gilt dabei die
Tour Down Under in Australien. Auf ein mögliches Debüt seines Freundes bei dem traditionsreichen Saisonauftakt angesprochen, zeigte sich Matthews keineswegs überrascht von dieser Vorstellung. „Ehrlich gesagt würde es mich nicht überraschen, wenn er dort startet. Er scheint sich jedenfalls darauf zu freuen, irgendwann in Zukunft dort zu fahren. Wann genau, weiß ich allerdings nicht.“
Ob Matthews selbst bei der Tour Down Under an den Start gehen wird, steht ebenfalls noch nicht fest. Die Entscheidung über seinen Rennkalender soll erst nach weiteren Gesprächen mit seinem Team fallen. „Das ist eine weitere Frage, die wir Ende dieses Monats mit dem Team besprechen werden. Für mich persönlich ist noch nichts entschieden. Wir werden Ende des Monats sehen, was das Team vorhat und welchen Weg wir einschlagen“, erklärte der Australier abschließend.