„Es würde mich nicht überraschen, wenn er dort startet“ – Michael Matthews spricht über Tadej Pogacars Genesung und mögliches Debüt bei der Tour Down Under
Radsport
Tadej Pogacar arbeitet nach seinen bei der Vuelta a España erlittenen Verletzungen an seiner Rückkehr. Während die Genesung des Slowenen weiter voranschreitet, richtet sich der Blick bereits auf die Saison 2027. Michael Matthews, enger Freund und regelmäßiger Trainingspartner Pogacars, hat nun Einblicke in dessen Gesundheitszustand gegeben und sich zugleich zu einem möglichen Debüt des ehemaligen Weltmeisters in Australien geäußert.
Auch Matthews selbst blickt auf ein äußerst schwieriges Jahr zurück. Bei einem Trainingsunfall im März zog sich der Australier schwere Verletzungen zu, die sogar seine Karriere bedrohten. Dennoch gelang es ihm, erneut Leistungen auf höchstem Niveau abzurufen. Und das in einem Peloton, dessen Renntempo mittlerweile deutlich höher liegt als in den erfolgreichsten Jahren seiner bisherigen Laufbahn.
„Ich glaube immer noch, dass ich gewinnen kann“ – Matthews jagt seinen großen Traum
An ehrgeizigen Zielen mangelt es dem 36-Jährigen weiterhin nicht. Ganz oben auf seiner Wunschliste steht insbesondere Milano-Sanremo, eines der fünf Monumente des Radsports. „Nach diesem Jahr und allem, was passiert ist, möchte ich es natürlich noch einmal richtig versuchen“, erklärte Matthews im Podcast Domestique Hotseat.

Michael Matthews auf dem Podium der Weltmeisterschaft in Montreal.
Dass der Australier bei dem italienischen Frühjahrsklassiker zu den ernst zu nehmenden Siegkandidaten zählt, hat er bereits mehrfach bewiesen. 2024 musste er sich nur einem Konkurrenten geschlagen geben, 2025 belegte er den vierten Platz. Schon zuvor hatte Matthews zweimal auf dem Podium gestanden. Sollte Tadej Pogacar im kommenden Frühjahr tatsächlich fehlen, könnte das Rennen einem endschnellen Fahrer mit den Qualitäten von Matthews besonders entgegenkommen. Auf seinen ersten Triumph bei einem der fünf Monumente wartet der Australier allerdings noch immer.
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Wie konkurrenzfähig Matthews trotz seines Alters und der schweren Verletzungen weiterhin ist, stellte er zuletzt bei der Weltmeisterschaft in Montréal unter Beweis. Dort sicherte er sich den zweiten Platz und überzeugte insbesondere mit einer seiner stärksten Kletterleistungen. Entsprechend optimistisch blickt er auf die kommende Saison. „Es ist ziemlich aufregend zu sehen, was im nächsten Jahr wieder möglich ist. Ich habe gezeigt, welches Niveau ich noch erreichen kann.“
2027 liegt sein Gewinn des Grünen Trikots bei der Tour de France bereits zehn Jahre zurück. Doch obwohl Matthews inzwischen zu den erfahrenen Fahrern im Peloton gehört, sieht er weiterhin gute Gründe, von großen Erfolgen zu träumen. „Natürlich bin ich nicht mehr jung. Meine Chancen werden weniger, aber das Niveau, das ich dieses Jahr erreicht habe, war ziemlich beeindruckend.“
Den Glauben daran, eines Tages endlich Milano-Sanremo zu gewinnen, hat Matthews jedenfalls nicht verloren. „Ich glaube immer noch, dass ich dort um den Sieg kämpfen kann. Für den Triumph wird natürlich ein besonderer Tag nötig sein, aber ich glaube, dass dieser Tag für mich irgendwann kommen wird.“
Freundschaft und Rivalität: Wie Pogacar Michael Matthews zu Höchstleistungen antreibt
Ein wichtiger Faktor für Matthews' anhaltende Motivation ist seine enge Verbindung zu Tadej Pogacar. Die beiden leben in Monaco, trainieren regelmäßig miteinander und pflegen seit Jahren eine enge Freundschaft. Gleichzeitig bietet ihm die gemeinsame Trainingsarbeit mit einem der besten Fahrer der Welt die Möglichkeit, seine eigenen Grenzen immer wieder neu auszuloten.
„Tadej ist einer meiner besten Freunde. Er ist ein Superstar unseres Sports und wird es immer bleiben“, schwärmte Matthews. Doch die persönliche Verbundenheit ändert nichts an seinem sportlichen Ehrgeiz. „Gleichzeitig ist er aber auch ein Konkurrent. Ein Fahrer, gegen den ich gerne antrete und an dem ich mein Niveau messen möchte.“
Dass Freundschaft und Konkurrenzkampf im Profiradsport eng beieinanderliegen können, zeigte sich beispielsweise bei Milano-Sanremo 2024, als Matthews und Pogacar die Plätze zwei und drei belegten. So sehr der Australier seinen Trainingspartner schätzt, auf der Rennstrecke muss er ihn als Gegner betrachten. Für den 36-Jährigen ist diese Einstellung eine unverzichtbare Voraussetzung, um auch nach mehr als einem Jahrzehnt an der Weltspitze weiterhin Höchstleistungen anzustreben.
„Ich muss daran glauben, dass ich gewinnen kann. Sonst fehlt mir die Motivation, überhaupt zum Training aufzubrechen“, erklärte Matthews. Dass ein Sieg gegen einen Fahrer wie Pogacar eine enorme Herausforderung darstellt, ist ihm durchaus bewusst. „Natürlich wusste ich, dass es gegen ihn schwer werden würde. Aber wenn man nicht daran glaubt, es schaffen zu können, wozu sollte man dann ein Team anführen? Warum sollte man alle dazu bringen, einen zu unterstützen, wenn man selbst nicht an den eigenen Erfolg glaubt?“
Gerade seine Sprintqualitäten waren über viele Jahre hinweg die entscheidende Waffe des Australiers. An seiner grundsätzlichen Einstellung zum Rennsport hat sich deshalb nichts geändert: Er will gewinnen, unabhängig davon, wie stark die Konkurrenz ist. „Ich liebe es, zu gewinnen und mich mit den Besten zu messen. Ob ich es geschafft hätte oder schaffen würde: Ich war bereit, alles zu geben.“
Pogacars Genesung nach der Vuelta: „Anfangs hatte er wohl mit der Situation zu kämpfen“
Durch ihre enge Freundschaft hat Matthews auch einen unmittelbaren Einblick in Pogacars Genesungsprozess nach dessen Sturz bei der Vuelta a España. Nach Einschätzung des Australiers hätte der Slowene durchaus gerne an der Europameisterschaft teilgenommen und fühlte sich selbst offenbar bereit für eine Rückkehr ins Renngeschehen. Die medizinische Abteilung seines Teams bewertete die Situation jedoch anders.
„Wenn man ihn fragt, war er bereit. Der Teamarzt sagte dagegen Nein“, berichtete Matthews. Für einen ehrgeizigen Profi wie Pogacar sei es besonders schwer, eine solche Entscheidung zu akzeptieren. „Das ist schwierig, denn wenn wir als Sportler ein klares Ziel vor Augen haben, hält uns nur wenig davon ab, alles dafür zu geben.“
Die Heilung seiner Schlüsselbeinverletzung war zu diesem Zeitpunkt offenbar bereits weit fortgeschritten. Allerdings vermutet Matthews, dass noch weitere Folgen des Sturzes eine Rolle spielten. „Das Schlüsselbein war so gut wie verheilt. Ich glaube aber, dass ihn noch etwas anderes aus dem Sturz ein wenig zurückhielt“, erklärte der Australier.
Inzwischen scheint Pogacar die schwierigste Phase seiner Genesung jedoch weitgehend hinter sich gelassen zu haben. Zumindest vermittelt der frühere Weltmeister seinem Freund mittlerweile wieder einen deutlich positiveren Eindruck. „Anfangs hatte er wohl mit der ganzen Situation zu kämpfen, aber ehrlich gesagt wirkt er jetzt sehr glücklich.“
Matthews ist ohnehin überzeugt, dass Pogacars Begeisterung für den Radsport weit über Titel, Rekorde und persönliche Bestmarken hinausgeht. „Er liebt es einfach, Rad zu fahren. Rekorde zu brechen und all das ist für ihn wohl nicht das Wichtigste. Er misst sich einfach gern mit den Besten und hat dabei Spaß.“
Gerade diese Einstellung macht den Slowenen in den Augen seines Trainingspartners zu einem besonderen Vorbild. „Ich finde, er ist ein großartiges Vorbild für uns alle“, betonte Matthews. Auch in schwierigen Momenten könne man von Pogacars Herangehensweise profitieren. „Wenn es schwierig wird, kann man sich manchmal einfach ein Lächeln ins Gesicht zaubern, das tun, was man liebt, und sein Bestes geben. Ich lerne jeden Tag etwas von ihm.“
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Überraschender Saisonstart 2027? Matthews hält Pogacar-Debüt bei der Tour Down Under für möglich
Neben seinem Gesundheitszustand sorgt inzwischen auch die Frage nach Pogacars Rennprogramm für 2027 für Gesprächsstoff. In einer aktuellen Ausgabe des CyclingUpToDate-Podcasts wurde darüber diskutiert, bei welchem Wettbewerb der Slowene in die kommende Saison einsteigen könnte. Da Pogacar seine diesjährige Saison früher beendet und entsprechend zeitiger mit der Vorbereitung auf das nächste Jahr beginnt, halten viele Beobachter einen ungewöhnlich frühen Saisonauftakt bereits im Januar für denkbar.
Als besonders interessante Möglichkeit gilt dabei die Tour Down Under in Australien. Auf ein mögliches Debüt seines Freundes bei dem traditionsreichen Saisonauftakt angesprochen, zeigte sich Matthews keineswegs überrascht von dieser Vorstellung. „Ehrlich gesagt würde es mich nicht überraschen, wenn er dort startet. Er scheint sich jedenfalls darauf zu freuen, irgendwann in Zukunft dort zu fahren. Wann genau, weiß ich allerdings nicht.“
Ob Matthews selbst bei der Tour Down Under an den Start gehen wird, steht ebenfalls noch nicht fest. Die Entscheidung über seinen Rennkalender soll erst nach weiteren Gesprächen mit seinem Team fallen. „Das ist eine weitere Frage, die wir Ende dieses Monats mit dem Team besprechen werden. Für mich persönlich ist noch nichts entschieden. Wir werden Ende des Monats sehen, was das Team vorhat und welchen Weg wir einschlagen“, erklärte der Australier abschließend.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026










