
Die UCI hat eine möglicherweise weitreichende Reform ihres Teamrankings beschlossen. Ab 2027 zählen Punkte aus anderen Disziplinen wie Cyclocross, Mountainbike (XCO), Bahn und Gravel auch für die Straßenwertung der Teams. Für den Mountainbikesport könnte diese Änderung kaum zu einem besseren Zeitpunkt kommen.
Teamauflösungen waren im Radsport stets ein trauriger, aber untrennbarer Teil des Geschäfts. Ob es ein Team betrifft, das man unterstützt, oder eines, dem man gleichgültig gegenübersteht: Es ist nie ein gutes Zeichen für den Sport, wenn finanzielle Probleme Projekte plötzlich beenden. Denn solange kein neues Team nachrückt, trifft es immer die Fahrer und Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Oder schlimmer noch: ihre Karriere.
Im Straßenradsport ist die Lage bereits alles andere als rosig. Zwei etablierte ProTeams, Equipo Kern Pharma und Flanders - Baloise, werden sich zum Jahresende auflösen. Das Peloton wird sich jedoch anpassen und weitermachen, denn die Situation betrifft nicht unmittelbar die oberste Ebene des Sports.
Wenige Teamauflösungen könnten das gesamte Cross-Country-System ins Wanken bringen
Auch im Mountainbike-Sport lösen sich 2026 zwei Teams auf. Im Cross-Country umfasst die gesamte Weltspitze jedoch nur rund 30 Fahrer. Ohne Cannondale Factory Racing und Lapierre PXR Racing werden es noch weniger sein.
Positiv ist, dass Decathlon Ford einen Teil der Lücke füllt, die Cannondale im Männerfeld hinterlässt. Das Team verpflichtet die ehemaligen Cannondale-Fahrer Luca Martin und Cole Punchard. Die Auflösungen lenken jedoch erneut den Blick auf das fragile Finanzgefüge des Cross-Country-Mountainbikens.
Der von den UCI-Richtlinien vorgesehene Preisgeldtopf ist bereits sehr begrenzt. Bei einem Weltcuprennen erhalten nur die zehn Erstplatzierten Preisgeld: Der Sieger bekommt 3.500 Euro, der Zehnte 200 Euro. Damit liegt der Großteil der finanziellen Verantwortung bei den Teamsponsoren. Meist sind das Fahrradhersteller, die den Weltcup als Werbeplattform für ihre Produkte nutzen.
Dafür brauchen sie Fahrer, die regelmäßig um die Top Ten mitkämpfen können. Damit schließt sich der Kreis.
Im Cyclocross hat diese Entwicklung bereits Folgen. Drei bis vier Teams besetzen dort den Großteil der Spitzenplätze, während nur einzelne Fahrer diese Vorherrschaft durchbrechen können.
Die UCI verknüpft alle Disziplinen
Die UCI scheint erkannt zu haben, dass Mountainbike-Teams bei diesem Tempo auf Dauer auf einen begrenzten Kreis möglicher Sponsoren angewiesen wären. Die jüngste Änderung des UCI-Punktesystems könnte eine völlig neue Verbindung zwischen den bislang weitgehend unabhängig voneinander funktionierenden Disziplinen schaffen.
Das Ergebnis der UCI-Sitzung während der Weltmeisterschaften 2026 in Montréal: Ab 2027 zählen die UCI-Punkte, die ein Fahrer bei ausgewählten Wettbewerben erzielt, für das UCI-Teamranking seines Teams.
Die meisten Punkte gibt es bei den UCI-Weltmeisterschaften. Zusätzlich zum Regenbogentrikot erhält der Sieger 300 UCI-Punkte. Der Gewinner jeder UCI-Weltcup-Runde bekommt außerdem 200 UCI-Punkte.
Auch Kontinentalspiele wie die Asienspiele fließen in die Gesamtwertung ein. Der Sieger erhält 40 UCI-Punkte.
Die Änderung gilt für die Eliteklassen der Männer und Frauen. Für die Spitzenplätze gibt es jeweils gleich viele Punkte. Unterschiede gibt es erst ab Rang 16, da die Starterfelder derzeit unterschiedlich groß sind.
Die vollständige Übersicht zur Punkteverteilung ist hier zu sehen:

Neues UCI-Rankingsystem für die Saison 2027
Eine große Chance für Straßenteams – allerdings mit einem Haken
Es liegt auf der Hand, warum Straßenteams darüber nachdenken, für die kommende Saison oder spätere Jahre einen Fahrer mit Erfolgen im Offroad-Bereich zu verpflichten. Das gilt besonders für Teams, die gegen den Abstieg kämpfen oder als ProTeams auf Einladungen zu Rennen hoffen.
Einige Beispiele zeigen, wie lukrativ die Verpflichtung eines Mountainbikers für ein Straßenteam sein kann.
- Luca Martin, Sieger der Männerwertung im Weltcup 2026, startete mit zwei XCO-Siegen und drei zweiten Plätzen hervorragend in die Saison. Auch wenn seine Leistungen in der zweiten Saisonhälfte etwas nachließen, hätte er in diesem Jahr noch 1.225 UCI-Punkte gesammelt.
- Europameister Charlie Aldridge erlebte eine gegensätzliche Saison: Auf einen verhaltenen Start folgte ein starkes Ende. Er hätte das Jahr mit 676 UCI-Punkten abgeschlossen. Zudem ist der 25-jährige Brite nach der Auflösung von Cannondale Berichten zufolge derzeit ohne Vertrag.
- Tom Pidcock sammelte bei nur zwei Mountainbike-Starts bereits 500 UCI-Punkte. Sein Straßenkollege Adrien Boichis kam sogar auf 1.065 UCI-Punkte, obwohl auch er seine Mountainbike-Saison nach den Weltmeisterschaften beendete. Das sollte Teams mit talentierten Mountainbikern dazu ermutigen, deren Einsätze zu unterstützen.
- Bei den Frauen holte Puck Pieterse trotz einer enttäuschenden Saison 305 UCI-Punkte. Dabei ist zu beachten, dass sie aus ihrer Cyclocross-Saison bereits 1.300 UCI-Punkte mitbringen würde.
Das klingt vielversprechend, doch es gibt einen wichtigen Haken. Damit die Punkte eines Fahrers für das UCI-Teamranking zählen, muss er im Straßenranking zu den „aktiven Punktesammlern“ seines Teams gehören. Gewertet werden nur die 20 besten Fahrer eines Männerteams und die acht besten Fahrer eines Frauenteams.
Das ist eine Hürde, aber in den meisten Fällen keine unüberwindbare. Erfolgreiche Straßenfahrer wie Pidcock oder Pieterse schaffen es problemlos in diese ausgewählte Gruppe. Selbst Boichis liegt beim stark besetzten Red Bull - BORA - hansgrohe derzeit teamintern auf Rang 19.
Für Spitzenteams wie UAE Team Emirates - XRG lohnt sich der Tausch möglicherweise nicht: Ein aktiver Teamplatz für rund 300 zusätzliche UCI-Punkte könnte zu teuer sein. Für ein ProTeam aus dem Mittelfeld, das wie Solution Tech-NIPPO-Rali um einen Platz unter den 30 besten Teams kämpft, hätten dieselben 300 Punkte jedoch schon lange für einen sicheren Rang gereicht.
Klar ist also: Für Straßenteams stehen plötzlich sehr viele Punkte auf dem Spiel. Nicht nur im Mountainbike, sondern auch im Cyclocross, auf der Bahn und bei Gravelrennen. Einfach zu holen sind sie allerdings nicht.
Die besten Fahrer verdienen bei ihren Mountainbike-Teams oft gutes Geld. Sie möchten womöglich ihre Vorbereitung nicht durch Straßenrennen beeinträchtigen oder bringen schlicht nicht die nötige Klasse mit, um die „Top-20-Bedingung“ zu erfüllen.
Die Frage lautet deshalb nicht „wo“, sondern „wie“ sich eine neue Quelle für UCI-Punkte erschließen lässt. Fahrer, die in mehreren Disziplinen antreten, könnten in den kommenden Jahren entscheidend werden.
Eine Möglichkeit wäre, einen Fahrer aus einer kleineren Radsportnation zu finden, der bei nationalen und kontinentalen Meisterschaften genügend Straßenpunkte sammeln kann – etwa Martin Vidaurre aus Chile. Es gibt jedoch auch umfassendere Ansätze. Es wird spannend zu beobachten, wie die Teams diese Herausforderung angehen.

Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Anfang 2025 Redakteur bei Radsportaktuell.de. Er berichtet dort über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf aktuellen Rennberichten, Einordnungen und Hintergrundtexten, mit denen er sportliche Entwicklungen im Peloton verständlich und präzise erklärt. Bei großen Renntagen arbeitet er zudem mit Live-Formaten, um das Geschehen fortlaufend zu dokumentieren und zeitnah einzuordnen.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er sportlich selbst aktiv und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
- Wer ist Kimi Antonelli und hat Mercedes jetzt ein Radteam?Wurm29-10-2026
- Sorry für meine Vertipper. Seltsam, dass man nichtmal 5 Minuten lang editieren kann.Wurm25-10-2026
- Ich bon etwas verwirrt, das ganze Jahr hieß es "Ineos hat mit Netcompany nen 100 Millionen Euro Fisch an Land gezogen. Plus das Total Enerfie Geld sollte doch genug vorhanden sein. Oder hat ne absurde Ablöse für Onley alles verbraucht? Dann sollte dwe Verantwortliche evtl gehangen werden ;)Wurm25-10-2026
- Hoffe sie setzen sich durch, ist überfällig und so kann's ja echt nicht weitergehen.Bonos10-10-2026
- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026







