Finn Fisher-Black hat nach
Gran Piemonte 2026 einen Einblick in das taktische Duell mit
Isaac del Toro während ihrer späten Flucht gegeben. Der Neuseeländer räumte ein, dass ihn die aggressive Fahrweise des Titelverteidigers davon abgehalten habe, sich bei der gemeinsamen Attacke vollständig zu verausgaben. Am Ende wurde das Duo kurz vor dem Ziel gestellt – auch weil das gegenseitige Misstrauen eine konsequente Zusammenarbeit erschwerte.
Del Toro hatte rund 18 Kilometer vor dem Ziel in Bra am letzten Anstieg nach La Morra die entscheidende Attacke des Rennens lanciert. Fisher-Black war zunächst der einzige Fahrer, der auf die explosive Beschleunigung des Mexikaners reagieren konnte. Kurz vor der Kuppe musste er zwar abreißen lassen, kämpfte sich jedoch zurück und schloss erneut zu Del Toro auf. Gemeinsam erarbeitete sich das Duo anschließend einen Vorsprung von rund 30 Sekunden.
Fisher-Black erkennt Del Toros Angriff – und gerät sofort ans Limit
Doch die Flucht war nicht von Erfolg gekrönt. Kurz vor Beginn des letzten Kilometers wurden die beiden Angreifer von den Verfolgern eingeholt. Im anschließenden Sprint einer dezimierten Spitzengruppe setzte sich Dorian Godon gegen Anthon Charmig und Alberto Bettiol durch.
Finn Fisher-Black folgte Isaac del Toros explosiver Attacke bei Gran Piemonte 2026. Doch das taktische Duell zwischen den beiden Ausreißern erschwerte ihre Zusammenarbeit, ehe sie kurz vor dem Ziel eingeholt wurden.
Im
Gespräch mit Cycling Pro Net erklärte Fisher-Black anschließend, dass für ihn von Beginn an klar gewesen sei, welchen Fahrer er besonders aufmerksam beobachten musste. „Isaac war das ganz offensichtliche Hinterrad, an das man sich hängen sollte“, sagte der Neuseeländer. „Ich wusste, dass er etwas versuchen wollte. Also blieb ich an seinem Hinterrad, und es war definitiv die richtige Wahl. Als er angriff, konnte ich sofort reagieren.“
Seine richtige Einschätzung brachte Fisher-Black zwar in eine aussichtsreiche Position, doch Del Toros Tempoverschärfung verlangte ihm unmittelbar alles ab. „Ich war am Limit, als er attackierte, um an sein Hinterrad zu kommen. Ich schaffte es, aber danach drückte er mich bis ganz oben weiter“, schilderte er die entscheidende Rennphase.
Mit ihrem Vorsprung schien sich den beiden starken Zeitfahrern zwischenzeitlich die Chance zu bieten, den Angriff bis ins Ziel durchzubringen. Fisher-Black wusste allerdings, wie schwierig dieses Vorhaben gegen eine organisierte Verfolgergruppe werden würde. „Oben hatten wir, glaube ich, einen guten Vorsprung. Aber sobald sich die Gruppe organisiert, wird es immer schwierig“, erklärte er. „Am Ende kamen sie ziemlich schnell zurück.“
„Ich muss das hier ein wenig ausnutzen“ – Misstrauen bremst die Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ausreißern war jedoch bereits am Anstieg nach La Morra auf die Probe gestellt worden. Denn Del Toro hatte kurz vor der Kuppe noch einmal beschleunigt und versucht, seinen Begleiter abzuschütteln. Für Fisher-Black war das ein deutliches Signal, dass der Mexikaner auch im weiteren Verlauf keine Rücksicht auf ihn nehmen würde.
„Ich war bereit, mitzuarbeiten, aber dann griff er mich oben am Anstieg an“, erklärte Fisher-Black. „Ich war am Limit, um wieder zu ihm aufzuschließen, und dachte dann: ‚Okay, er wird mich am Ende erneut attackieren. Also muss ich das hier ein wenig ausnutzen.‘“
Nach dem erneuten Zusammenschluss verzichtete der Neuseeländer deshalb zunächst darauf, regelmäßig Führungsarbeit zu leisten. Stattdessen blieb er an Del Toros Hinterrad und überlegte, wie sich das Rennen entwickeln könnte, falls die beiden tatsächlich gemeinsam das Ziel erreichen würden. „Also blieb ich eine Weile an seinem Hinterrad“, räumte Fisher-Black ein. „Als ich schließlich begann, Führungen zu übernehmen, war es meiner Meinung nach schon zu spät.“
Hinter dem Duo organisierten unter anderem Team Jayco AlUla und NSN Cycling Team die Verfolgung. Der Vorsprung von rund einer halben Minute, den Del Toro und Fisher-Black auf den letzten zehn Kilometern noch verteidigt hatten, schmolz auf dem Weg nach Bra kontinuierlich dahin. Noch vor dem entscheidenden Sprint wurden die beiden schließlich gestellt.
Damit platzte auch Del Toros Traum von einer erfolgreichen Titelverteidigung. Der Mexikaner hätte als erster Fahrer seit Philippe Gilbert im Jahr 2010 Gran Piemonte bei zwei aufeinanderfolgenden Austragungen gewinnen können. Fisher-Black blieb dagegen die Erkenntnis, im entscheidenden Moment zwar das richtige Hinterrad gewählt und den aussichtsreichsten Angriff des Tages mitgetragen zu haben, taktisch jedoch in einer schwierigen Situation gewesen zu sein. Das gegenseitige Misstrauen zwischen den beiden Angreifern machte die ohnehin anspruchsvolle Aufgabe gegen die organisierte Verfolgergruppe letztlich noch schwieriger.